
Ein heißes, aber kein rekordheißes Jahr war 2025. Nach dem Extremjahr 2024, in dem die Thermometer im Mittel 10,9 Grad gemessen haben, gab es 2025 mit genau 10 Grad eine Verschnaufpause. Aber „der Klimawandel zeigt sich als Realität unserer Zeit“, sagt Tobias Fuchs vom Deutschen Wetterdienst DWD, dessen Klimajahresbericht am Mittwoch vorgestellt wurde.
Bemerkbar macht sich der Klimawandel, wenn man die Zahl der Extremtage betrachtet: An elf Tagen maßen die Wetterstationen im Jahresmittel über 35 Grad, das sind 150 Prozent mehr als zwischen 1961 und 1990. Die Zahl der Tage, an denen das Thermometer nie über 0 Grad kletterte, sank dagegen um 65 Prozent auf neun.
Erstmals hat der DWD zudem Prognosen für die Folgen der Erderhitzung für Deutschland aufgestellt. Sie beginnen mit einem Szenario, das von 2,8 bis 4,6 Grad weltweiter Erhitzung bis Ende des Jahrhunderts ausgeht – erwartet werden derzeit 2,1 bis 3,3 Grad. Andere Szenarien sollen später folgen.
Gemäß ihrer ersten Simulation wird es Ende des Jahrhunderts in ganz Deutschland viel heißer sein, im Jahresmittel zwischen zwei und sechs Grad mehr als zwischen 1961 und 1990. „Insbesondere im Süden und Osten wird es zu einer Zunahme an Hitzewellen und Tropennächten kommen“, sagt Fuchs. Die seien vor allem für ältere Menschen ein erhebliches Gesundheitsrisiko. „Das bedeutet, dass in den Kommunen der Bedarf an Hitzeaktionsplänen, mehr Grün- und Wasserflächen steigen wird.“
Tobias Fuchs, Meteorologe
Zunehmende Trockenheit wird zum Problem
Wie sich im eher pessimistischen Szenario des DWD die Niederschlagsmengen entwickeln, ist unsicherer. Im Winter und Frühling werde es in Sachsen zum Beispiel leicht trockener, in Niedersachsen eher feuchter. Im Sommer und Herbst ist das Bild noch vielfältiger: Während es im Westen trockener werden könnte, sagen die Modelle die höchsten Niederschlagszunahmen in Mecklenburg-Vorpommern voraus.
„Sowohl trockenere als auch feuchtere Bedingungen können große Herausforderungen darstellen, beispielsweise bei der Planung von Bewässerung“, sagt Fuchs. In den kommenden Monaten will der DWD noch mehr Szenarien durchrechnen und die Prognosen zum Beispiel auf Unterschiede zwischen Mittelgebirgen und dem umliegenden Flachland verfeinern. Außerdem sollen nicht nur Temperatur und Niederschlag, sondern auch die Anzahl heißer Tage, die Intensität von Starkregen und die Dauer von Trockenperioden prognostiziert werden.
Die zunehmende Trockenheit mache sich aber auch schon jetzt „als zentrales Problem erkennbar“, sagt der DWD-Meteorologe Andreas Becker. Alle Sektoren, die auf eine günstige und verlässliche Wasserversorgung angewiesen sind, gerieten „unter ökonomischen und ökologischen Druck“.
Schon das Frühjahr 2025 war eines der trockensten, die je gemessen wurden. „Ein zum Glück sehr nasser Juli beendete die Rekordtrockenheit rechtzeitig und verhinderte erhebliche Schäden bei der Landwirtschaft“, berichtet Becker.
Meteorologe: „Keine Trendwende“
Die Hitzewellen des vergangenen Jahres nennt der DWD „kurz, aber prägnant“ – laut Robert-Koch-Institut starben über den Sommer zwischen 2.100 und 3.700 überwiegend ältere Menschen an Hitzefolgen, etwas weniger als in den Vorjahren. „Außergewöhnlich war vor allem die räumlich weit verbreitet hohe Intensität“, sagt Becker. 435 der 453 Messstationen in Deutschland hätten im Sommer 2025 mehr als 30 Grad, 285 mehr als 35 Grad beobachtet.
Insgesamt sind die 10 Grad, die in Deutschland im Jahresmittel gemessen wurden, laut DWD etwas unterdurchschnittlich im Vergleich zum Trend. „Allerdings ändert das nichts an der Tatsache, dass sich Deutschland bereits um 2,5 Grad erwärmt hat“, sagt Becker. Jeder einzelne Monat sei wärmer gewesen als im Mittel zwischen 1961 und 1990. Weltweit war 2025 das drittheißeste jemals gemessene Jahr.
„Einzelne Jahre ohne neue Rekorde sind keine Trendwende“, warnt Becker. Die langfristige Erwärmung setze sich fort, ebenso die Zunahme klimatischer Risiken wie Trockenheit, Hitze und Wasserknappheit. „Klimaschutz und Klimaanpassung bleiben zentrale Aufgaben.“
Für die kommenden Monate erwartet der DWD einen wärmeren Sommer. Die Wahrscheinlichkeit liege bei 71 Prozent für mehr als 8,5 Tage über 30 Grad im Sommer und bei 81 Prozent für wärmere Sommermonate als im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Wie viel es regnen wird, können die Modelle aber noch nicht vorhersagen.







