Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: Wie die AfD im Nordosten gewinnen will

Mit einem bemüht moderat auftretenden Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten versucht die AfD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ihre Chancen zu verbessern. Ihr Kandidat, Leif-Erik Holm, steht nicht auf der Landesliste, ist aber Bundestagsabgeordneter der AfD und Co-Landesvorsitzender. Nach dem selben Muster verfährt auch der AfD-Landesverband Baden-Württemberg, wo Markus Frohnmaier ebenfalls nicht über die Landesliste antritt.

Zumindest im Nord-Osten stehen die Chancen der AfD gar nicht so schlecht. Seit Monaten liegt der Landesverband bei Umfragen über 30 Prozent – deutlich vor der SPD mit 25 Prozent, der CDU mit zwölf und der Linken mit ebenfalls zwölf Prozent. Für die Landtagswahl am 20. September gab der Landesvorsitzende Enrico Schult das Wahlziel 40 Prozent vor. „Die Zeit der SPD ist abgelaufen, das Zeitalter der AfD ist angebrochen“, verkündete er auf einem Parteitag im Januar hoffnungsfroh.

Bei der Bundestagswahl 2025 fand die AfD gerade auch bei der Arbeiterschaft Zuspruch: 38 Prozent Zuspruch – 17 Prozent mehr als 2021. „Das Rot der Arbeitnehmer ist jetzt blau“, plakatierte die AfD schon vor der Wahl. Bewahrheiten sich die Umfragen, könnte die Partei ihren Stimmenanteil bei der diesjährigen Wahl mehr als verdoppeln. 2021 erreichte die AfD 16,7 Prozent.

Im Schweriner Landtag ist die AfD seit 2016 vertreten. Mit ihrem Wahlerfolg löste sie die NPD ab, die seit 2006 im Landtag gesessesn hatte und die heute als Die Heimat auftritt. Die AfD profitiert bis heute sowohl von dem vorpolitischen Auftreten als auch von der parlamentarischen Arbeit des Heimat-Milieus. Dieses liefert Rechtsextremen eine stabile Wähler:innenbasis. Interne Konflikte persönliche Machtkämpfe schaden der AfD bei der Wäh­le­r:in­nen­schaft kaum – bis gar nicht.

Krach im Landesverband

In den vergangenen Wochen hatte der Vorsitzende der Landtagsfraktion, Nikolaus Kramer mit seinen Vize, dem Co-Landesvorsitzenden Schult, um Platz eins auf der Landesliste gestritten. Schult hatte schon im Sommer vergangenen Jahres seinen Anspruch erhoben, Kramer im Dezember. Parteifreunde sind beide wohl schon lange nicht mehr.

Auf dem Landesparteitag im Januar setzte sich Schult aber mit 164 von 249 Delegierten gegenüber 82 Delegierten durch. Die Kandidatur hatte nicht mehr bei einem Vier-Augen-Gespräch abgestimmt werden können, wie Schult wohl gehofft hatte.

Der Krach dürfte den Absprachen von Holm, dem Kandidaten fürs Amt des Ministerpräsidenten, und seinem Co-Landeschef Schult über ihre Rollen im Wahlkampf geschuldet sein. Fraktionschef Kramer soll nicht beteiligt gewesen sein. Der 49-jährige ehemalige Polizeibeamte könnte zu radikal aufgetreten sein.

In Kramers-Podcast mit dem Titel „Außerparlamentarischer Widerstand – Quo Vadis IB (Identitäre Bewegung, d. Red.) und Regime Change von rechts“ spricht der rechtsextreme Vordenker Martin Sellner von einer „Demokratie-Simulation“, die es zu überwinden gelte und betont, dass der „Bevölkerungsaustausch“ aufgehalten werden müsse. Kramer, der angibt, Sellner schon länger zu kennen, widerspricht nicht.

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AfD-Landeschef Schult bezeichnete Friedrich Merz als Pinocchio-Kanzler und die CDU als „Kleinstpartei“

Vor kurzem legten die Vorsitzenden der ostdeutschen AfD-Landtagsfraktionen eine „Schweriner Erklärung“ vor. Sie bekennen sich zu Volk, Nation und Heimat und wollen Medien, Justiz und Verfassungsschutz neu ausrichten. Mit Björn Höcke ließ sich Kramer öffentlichkeitswirksam fotografieren.

Landeschef Schult tritt bewusst moderater auf. Der 46-Jährige ist aber nicht minder radikal. Auf dem Parteitag bezeichneter der gelernte Vermessungstechniker den Bundeskanzler als „Pinocchio-Kanzler“, beschrieb die Landes-CDU als „Kleinstpartei“ und als kommenden „Schwanz am Hund der SPD“. Er versprach: „Wir werden sie einstellig machen“. Die Wählenden bräuchten „keine Angst“ vor einer AfD-Alleinregierung zu haben.

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