Militärpolitische Asienreise: Pistorius sucht die Nähe zum Indopazifik

„Unsere Länder mögen geografisch weit voneinander entfernt sein, doch wir sehen uns mit derselben harten Realität konfrontiert“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei seinem Besuch am Dienstag in Singapur während seiner achttägigen Indopazifikreise. „Wir wollen unseren Partner in der Region näherkommen.“

Berlin baut deshalb dort seine sicherheitspolitische Präsenz aus, was jetzt das Ziel des SPD-Politikers bei seinen Besuchen in Japan, Singapur und Australien ist. Die Bundesregierung sucht zugleich Rohstoffzugänge, militärische Anschlussfähigkeit und Rüstungsgeschäfte.

In Japan, dem ersten Stopp, ist die Rüstungskooperation weniger erfolgreich als im Stadtstaat Singapur. Dort ist Pistorius jetzt schon zum zweiten Mal in seiner Amtszeit. Am Dienstag wohnte er der Unterzeichnung einer Absichtserklärung von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) mit dem lokalen Unternehmen ST Engineering für ein Wartungszentrum für U-Boote in Singapur bei. Das soll auch von TKMS gebaute U-Boote aus Drittstaaten wie Kanada bedienen.

„Wir zeigen damit, dass Zusammenarbeit konkrete Vorteile bringt“, sagte Pistorius. Den Staat an der Südspitze der malaysischen Halbinsel, der auch ein zentraler Luft- und Marinestützpunkt für US-Streitkräfte auf Leasingbasis ist, nennt Pistorius „den wichtigsten maritimen und technologischen Knotenpunkt in Südostasien“.

Deutschland bildet Soldaten aus Singapur aus

Für Singapur wurden bei TKMS in Kiel bereits vier U-Boote gebaut, zwei weitere sind bestellt. Die Besatzungen werden von der Deutschen Marine in Kiel ausgebildet. Singapur hat zudem zahlreiche Panzer vom Typ Leopard II, deren Mannschaften ebenfalls in Deutschland ausgebildet werden.

Die Kooperation im Verteidigungsbereich reicht von Cybersicherheit über maritime Lagebilder bis zu Rüstungsfragen. Seit 2020 ist ein deutscher Verbindungsoffizier in Singapur tätig. Anfang Februar wurde in Anwesenheit von Außenminister Johann Wadephul (CDU) das deutsch-singapurische Innovationsjahr mit Fokus auf künstliche Intelligenz, Quantentechnologie sowie grüne und Verteidungstechnologien ausgerufen.

Verteidigungsminister Pistorius (l.) mit Lawrence Wong, Ministerpräsident von Singapur, 23. 3. 2026

Foto: Peter Kneffel/dpa

Der Indopazifik gewinnt für Berlin weiter an Bedeutung. Die Leitlinien der Bundesregierung betonen die Region als Schlüsselraum globaler Ordnungspolitik. Zuletzt nahm die Besucherdichte aus Deutschland wieder zu. Offen bleibt, welchen dauerhaften militärischen Beitrag Berlin leisten will.

In den letzten Jahren zeigte Deutschland bereits militärisch Präsenz – auch mit Blick auf China. Dazu zählen die Pazifikreise der Fregatte „Baden-Württemberg“, die bei ihrer Weltumrundung 2024 auch Indien und die Taiwan-Straße passierte, Luftwaffenverlegung und Übungen. Die Einsätze sollen die Freiheit der maritimen Handelswege betonen.

Seltene Erden down under im Blick

China-Experten wie Andreas Fulda warnen, dass ein angedrohter Angriff der chinesischen Volksbefreiungsarmee auf Taiwan für Deutschland größere wirtschaftliche Folgen hätte als die jetzige Blockade der Straße von Hormus.

In Australien, der letzten Station seiner Reise, sind kritische Materialien wie Lithium von Interesse. Das dortige Unternehmen Lynas gilt als einziger bedeutender Produzent separierter Seltenerdmetalle außerhalb Chinas. Seltene Erden sind zentral für die Elektronik und Sensoren moderner Waffensysteme.

Mit der vereinbarten vertieften Zusammenarbeit mit Japan will der Bundesverteidigungsminister die Interoperabilität und technologische Anschlussfähigkeit stärken, etwa bei Logistik und gemeinsamen Übungen der Streitkräfte. „Verlässlichkeit in einer weniger verlässlich werdenden Welt wird immer wichtiger – gerade für diejenigen, die keine Supermächte sind“, sagte Pistorius.

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