
Zehntausende Menschen demonstrierten am Freitag in Zagreb wegen eines Umweltskandals: In der gebirgigen Region Lika rund um die Stadt Gospić wurden in den letzten Jahren schätzungsweise über 30.000 Tonnen Müll auf einer Industriebrache gelagert, entstanden ist ein Berg aus giftigen Abfällen aus Industrie- und Medizinmüll.
Zehntausende Menschen aus ganz Kroatien reisten zu den Massenprotesten in die Hauptstadt Zagreb. Unter dem Motto „Lauf für die Lika, lauf für Kroatien“ schlossen sich Bürgerinitiativen, Umweltorganisationen, Gewerkschaftsbünde sowie Kriegsveteranenverbände zusammen. Die Demonstranten warfen der Regierung Untätigkeit vor und forderten die sofortige Sanierung und Säuberung der betroffenen Mülldeponien. Außerdem verlangten sie ein temporäres Importverbot für Müll sowie strenge Maßnahmen gegen den illegalen Müllimport aus anderen EU-Ländern.
Der Müll lagert auf felsigem Untergrund, auf porösem Kalkgestein, das wunderschöne Tropfsteinhöhlen ausbildet und weitverzweigte und kilometerlange unterirdische Wasserläufe ausbildet, die wiederum Naturwunder wie die Plitvitzer Seen mit kristallklarem Wasser speisen. Diese Naturwunder sind durch die Umweltkriminellen bedroht.
Kritik an lokalen Behörden
Bisherige Untersuchungen wiesen erhöhte Konzentrationen verschiedener Metalle im Boden nach; im Grundwasser wurden zudem PFAS, sogenannte Ewigkeitschemikalien, entdeckt. Europol deckte auf, dass Frachtpapiere gefälscht wurden, um toxischen Abfall fälschlicherweise als harmlosen Recyclingmüll auszuweisen.
Woher der Müll kommt, wird noch untersucht. Die Behörden ermitteln gegen zehn Verdächtige und vier Unternehmen, die den Müll aus Slowenien, Italien und Deutschland importiert und dann zusammen mit medizinischen Abfällen aus Kroatien illegal abgeladen haben sollen.
Die Umweltschützer kritisieren jedoch auch die lokalen Behörden. Denn 2025 wurden zwar einige Verantwortliche festgenommen, weitere Konsequenzen hatte dies jedoch nicht.
Die EU-Richtlinie zum Schutz der Umwelt durch das Strafrecht verpflichtet die Mitgliedstaaten zu harten Sanktionen gegen illegales Umweltdumping. Obwohl das Regelwerk streng ist, scheitert der Schutz vor Ort oft an Personalmangel bei den nationalen Umweltinspektionen sowie an korrupten Netzwerken.
Bei der Großdemonstration am Freitag in Zagreb traten viele Künstler aus Kroatien auf. Die von einer linksgrünen Koalition regierte Stadt war jedoch erleichtert, dass Marko Perković, Künstlername Thompson, fehlte. Damit wurden militante Auseinandersetzungen zwischen den rechtsradikalen Anhängern Thompsons und den Umweltschützern vermieden.






