Nachfolge von Chamenei im Iran: Wie der Vater, so der Sohn

Ein Mann steht seit Mittwoch im Rampenlicht: Modschtaba Chamenei, so berichten es iranische Exilmedien, soll die Nachfolge seines Vaters Ali Chamenei antreten – als Oberster Führer der Islamischen Republik. Eine offizielle Bestätigung des Iran steht noch aus.

Bislang agierte Modschtaba Chamenei eher im Schatten. Doch nicht allein wegen seiner prominenten Herkunft ist er in Irans Führungszirkeln kein Unbekannter: Mit nur 17 Jahren trat er den Islamischen Revolutionsgarden bei und kämpfte in den 80er-Jahren im Iran-Irak-Krieg. Dabei war er nach Berichten von Experten Teil einer besonders ideologisch geprägten Einheit, geführt von Ahmad Motevaselian – der bei der Gründung der Miliz Hisbollah im Libanon Anfang der 80er-Jahre eine Schlüsselrolle einnahm. Er gilt damit als ein Vordenker der sogenannten „Achse des Widerstands“ – dem Netz aus pro-iranischen Milizen in den Staaten der Levante und im Jemen.

Mit Ende 20 begann er dann seine Studien am Seminar in Qom – bekannt als tief konservative Kaderschmiede schiitischer Gelehrter. Schließlich kehrte er nach Teheran zurück – in leitender Position direkt in das Büro seines Vaters. „Beit“ wird das Büro des Obersten Führers auch genannt. Dort konzentriert sich die Macht im Land. Etwa 20 Jahre verbrachte er in dieser Position. Und galt dabei als einer der engsten, vielleicht auch der engste Vertraute seines Vaters.

Der Oberste Führer hat – wie der Name bereits sagt – die Macht im Land. In religiösen wie politischen Fragen entscheidet letztlich er. Auch den Kommandeur der Revolutionsgarden beruft er. Die Garden stellen innerhalb der Streitkräfte der Islamischen Republik einen eigenen Arm dar. Sie verfügen über eine eigene Marine, Luftstreitkräfte, Geheimdienst und Bodentruppen – und wohl sogar über eine eigene Nachrichtenagentur zur Pressekommunikation. Sie sind außerdem die Verbindung zu den pro-iranischen Milizen im Ausland.

Kompromisslos der Revolution verpflichtet

Diese mächtigen Garden setzen auf Modschtaba Chamenei. Das überrascht nicht, ist doch dokumentiert, wie eng Chamenei mit diesen auch in seiner Position im Büro des Obersten Führers arbeitete.

Die Nachrichtenseite Iran International schreibt dazu: „Dies ist keine routinemäßige Nachfolgeentscheidung.“ Es handele sich viel mehr um eine Entscheidung, die dem Umstand des Krieges geschuldet sei – und die sei von Überlegungen zur Staatssicherheit geprägt. Die Priorität bei der Wahl eines Nachfolgers liege, so das Exilmedium, „auf Geschwindigkeit und Kontrolle“, da „die Islamische Republik mit Angriffen von außen und einem Führungsvakuum an der Spitze konfrontiert ist“.

Kein Wunder also, dass der normale und in der Verfassung der Islamischen Republik festgehaltene Prozess zur Wahl eines Nachfolgers nicht eingehalten wurde. Auch, weil wohl Sorge vor US-amerikanischen und israelischen Angriffen bestand. Zu Recht, wie der Angriff auf ein Gebäude des Expertenrats – der die Entscheidung zur Nachfolge trifft – am Dienstag zeigt.

Warum also Modschtaba Chamenei? Zunächst: Er ist ein Hardliner, von dem keine Reformen erwartet werden, sondern eine Fortführung der Politik seines getöteten Vaters, kompromisslos der Revolution und seiner Auslegung des schiitischen Islam verpflichtet. Hinzu kommt: Dass er der Sohn Ali Chameneis ist, schafft eine gewisse Legitimität in der Nachfolge.

Ein Immobilienportfolio in Millionenhöhe im Ausland

Doch während sein Vater als weniger interessiert an Weltlichem galt, scheint Modschtaba Chamenei der Askese weniger verpflichtet. Im Januar enthüllte das US-Medien Bloomberg ein wahrhaftes Immobilienimperium, das er sich im Westen aufgebaut hatte. Zum Portfolio gehören etwa Luxusgebäude in London im Gesamtwert von umgerechnet über 110 Millionen Euro. Hinzu kommt eine Villa in den Vereinigten Arabischen Emiraten – und Hotels. Eines davon, unter dem Franchise des Hilton-Konzerns, in Frankfurt am Main.

Doch in Anbetracht der anhaltenden Angriffe des US-amerikanischen und israelischen Militärs stellt sich sowieso die Frage: Wie lange wird Modschtaba Chamenei überleben? Bislang wurden neben Ali Chamenei viele entscheidende Köpfe ausgeschaltet, etwa der wichtige Sicherheitsberater Ali Schamchani. Modschtaba selbst steht bereits seit 2019 unter US-Sanktionen.

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Die Bewahrung des islamischen Systems gehört zu den wichtigsten religiösen Pflichten.

Ruhollah Chomeini, Gründer der Islamischen Republik

Wie wird er unter diesem Damoklesschwert entscheiden? Der Hardliner-Position seines Vaters treu bleiben und weiter Krieg führen, bis die Islamische Republik vielleicht doch die militärischen Angriffe der USA und Israels überdauert? Oder versucht er, einen Kompromiss zu erwirken, um das Mullah-System zu retten?

Denn so zitierte einst sein Vater den Gründer und ersten Obersten Führer der Islamischen Republik, Ruhollah Chomeini: „Die Bewahrung des islamischen Systems gehört zu den wichtigsten religiösen Pflichten.“

  • informationsspiegel

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