+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Ballistische Raketen auf Kyjiw

Selenskyj: Haben nur eine von 27 russischen Raketen abgeschossen

Die Ukraine hat nach den Worten ihres Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei einem russischen Großangriff am Samstag nur eine von 27 ballistischen Raketen abgeschossen. Seinem Land fehlten Abfangraketen für die US-Patriot-Systeme, sagte ‌Selenskyj. Russland habe insgesamt 35 Raketen abgefeuert, darunter 27 ballistische Raketen und 185 Kampfdrohnen. Die Hauptstadt Kyjiw sei das Hauptziel des Angriffs gewesen. Dabei wurden nach offiziellen Angaben mindestens neun Menschen getötet und 28 Personen verletzt. (rtr)

Mindestens neun Tote bei neuen russischen Raketenangriffen auf Kyjiw

Die russischen Streitkräfte haben die ukrainische Hauptstadt Kyjiw ukrainischen Angaben zufolge erneut massiv angegriffen. Bei den Angriffen auf fünf Regionen in Kyjiw in der Nacht zum Samstag seien mindestens neun Menschen getötet und 28 weitere verletzt worden, teilte der staatliche ukrainische Rettungsdienst mit. Die Angriffe seien „mit ballistischen Raketen“ erfolgt, teilte Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko im Onlinedienst Telegram mit. Klitschko schrieb bei Telegram von „Explosionen in der Stadt“. Die Bewohner forderte er auf, in den Schutzräumen zu bleiben. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, waren mehr als zehn Explosionen hintereinander zu hören. Die Wucht der Explosionen ließ demnach zahlreiche Autoalarmanlagen anspringen.

In dem Bezirk Darnytsky in der ukrainischen Hauptstadt wurden Behördenangaben zufolge bei den Angriffen sieben Menschen getötet und 14 weitere verletzt. Mehrere Gebäude seien zudem beschädigt worden. In dem Bezirk Solomiansky wurden demnach zwei Menschen getötet und acht weitere verletzt. Die Angriffe hätten zudem ein fünfstöckiges Wohnhaus beschädigt. Unter den Verletzten befanden sich den Behörden zufolge auch vier Kinder. Anwohner berichteten von Verwüstung durch die russischen Angriffe. „Alles war zertrümmert, die Fenster, alles“, sagte die 75-jährige Kateryna Krawtschenko AFP mit Blick auf ihre Wohnung. „Ich kann kaum stehen. Ich weiß nicht, wie ich das alles durchstehen soll.“ Die 46-jährige Oksana erklärte derweil, sie plane zu gehen. „Nach so etwas kann man hier nicht bleiben“, sagte sie AFP. „Was garantiert mir, dass es nicht wieder passiert?“

Auf Telegram veröffentlichte Fotos des staatlichen Rettungsdienstes zeigten Feuerwehrleute, die Löscharbeiten an einem Gebäude vornahmen, bei dem es sich offenbar um ein Wohnhaus handelte. Andere Aufnahmen zeigten Rettungskräfte mit Taschenlampen, die Trümmer durchsuchten. Der Rettungsdienst erklärte, dass 105 Menschen aus den betroffenen Gebieten in Kyjiw gerettet worden seien. (afp)

Russische Luftabwehr schießt vier Drohnen ab

Auch die Ukraine griff wieder Ziele in Russland.an. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, vier Drohnen seien zerstört worden. Über mögliche Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Das ukrainische Militär nimmt regelmäßig auch Ziele in Russland ins Visier, um den Krieg weiter in das Land des Angreifers zu tragen. Das Ausmaß der durch ukrainische Angriffe verursachten Schäden und die Zahl der Opfer sind aber nicht mit den von Russland angerichteten Zerstörungen in der Ukraine zu vergleichen. (dpa)

Moskau: Haftbefehl gegen Tochter von getötetem Kremlkritiker Nemzow

Ein russisches Gericht hat gegen die Oppositionelle Schanna Nemzowa, Tochter des 2015 in Moskau ermordeten Kremlkritikers Boris Nemzow, in Abwesenheit Haftbefehl erlassen. Nemzowa sei als Mitglied in einer in Russland für unerwünscht erklärten deutschen Organisation zur Fahndung ausgeschrieben, teilte das Gericht in der russischen Hauptstadt mit. Es sei eine Untersuchungshaft für zwei Monate angeordnet worden für den Fall ihrer Festnahme und die Übergabe an die russischen Sicherheitsorgane. Im April 2024 nahm das Justizministerium Moskau die von Nemzowa gegründete deutsche Boris-Nemzow-Stiftung für Freiheit in die Liste der ausländischen und internationalen Nichtregierungsorganisationen auf, deren Tätigkeit auf dem Gebiet der Russischen Föderation als unerwünscht eingestuft wurde. Im Fall einer Verurteilung drohen ihr bis zu sechs Jahre Haft.

Nemzowa veröffentlichte bei Instagram ein Foto von sich vor der Zentrale der Deutschen Welle, dem Auslandssender der Bundesrepublik Deutschland. „Ich bin jetzt berühmt“, teilte sie mit. Sie sei gerade in Bonn angekommen, wo sie 2015 die Stiftung zur Erinnerung an ihren in Kremlnähe erschossenen Vater gründete. In einem Kommentar für die Deutsche Welle meinte sie, dass der russische Machtapparat seine Anstrengungen intensiviere, unabhängige Stimmen zum Schweigen zu bringen. „Die derzeitige russische Führung geht gegen alle Organisationen und Menschen vor, die sich gegen den Krieg aussprechen und die Ukraine unterstützen sowie für Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten eintreten“, sagte sie. Der Machtapparat gehe gegen jene Werte vor, die Kremlchef Wladimir Putin unterdrücke. (dpa)

Russische Getreidelobby warnt vor Stopp der Exporte im Schwarzen Meer

Russlands wichtigste Getreidelobby hat ‌am Freitag vor einem Stopp der Getreideexporte über das Schwarze Meer gewarnt und dies mit ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Schiffe und Häfen begründet. Die Angriffe könnten bald zu einer „vollständigen Blockade der Exportkorridore“ führen, teilte der Verband der Getreideexporteure der Nachrichtenagentur Reuters ‌mit. Dies könne zu einem Ausfall von 30 bis 35 Millionen Tonnen russischen Weizens führen, was etwa 15 Prozent des weltweiten Weizenhandels entspreche. Die Störung der Schifffahrt stelle „eine direkte Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit“ dar und könne zu Hungersnöten in Afrika und dem Nahen Osten führen.

Russland, der weltgrößte Weizenexporteur, und die Ukraine, ebenfalls ein bedeutender Agrarexporteur, haben in den vergangenen ‌Wochen die Verladeanlagen und Handelsschiffe des jeweils anderen im Schwarzen Meer angegriffen. Die Sorgen um die Lieferungen aus der Region haben ⁠die Weizenpreise bereits in die Höhe getrieben. Auch der größte ukrainische Bauernverband hatte gewarnt, dass russische Angriffe in der Nähe des Hafens von Odessa ‌die ukrainischen ‌Exporte einschränkten. Ein von den Vereinten Nationen ⁠vermitteltes Getreideabkommen, das der Ukraine Exporte ermöglichte, ist in den vergangenen Wochen durch den russischen Beschuss ‌faktisch zum Erliegen gekommen. (rtr)

Trump verhalten zu Patriot-Lizenzen für Ukraine

US-Präsident Donald Trump hat sich zurückhaltend zu einer möglichen Vergabe von Lizenzen an die Ukraine zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen geäußert. „Wir haben dem nicht zugestimmt. Wir sprechen darüber“, sagte der Präsident in einer Kabinettsitzung auf eine entsprechende Journalistenfrage. Man müsse besonnen und vorsichtig vorgehen. Es sei eine schwierige Entscheidung, eine solche Technologie aus der Hand zu geben. Anfang Juli hatte Trump am Rande des Nato-Gipfels in Ankara der Ukraine die Vergabe einer Lizenz in Aussicht gestellt.

In dieser Woche hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dann nach einem weiteren Gespräch mit Trump im Weißen Haus in Washington im Interview mit dem Fox-News-Moderator Sean Hannity gesagt: „Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen.“ Die ukrainischen Streitkräfte beklagen, dass ihnen Flugabwehrraketen fehlten, um feindliche Geschosse vom Himmel holen zu können. Zur Hilfe aufgerufen sind die USA und andere Länder, die über moderne Patriot-Systeme verfügen – die einzigen wirklich wirksamen Mittel gegen Russlands ballistische Raketen. (dpa)

Polen: Abgestürztes Geschoss war russische Rakete

Bei einer über Polen abgestürzten Rakete handelt es sich nach Angaben der Regierung in Warschau tatsächlich um einen russischen Marschflugkörper. „Ich habe mit dem Einsatzleiter, General Ireneusz Nowak, gesprochen, und wir können mit voller Verantwortung bestätigen, dass es sich um eine russische Ch-101-Rakete handelt“, sagte Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk am Donnerstagabend dem Radiosender Rmf.fm. Dies sei ein Marschflugkörper, der potenziell sehr gefährlich sei und auch Atomsprengköpfe transportieren könne. Die Rakete sei beim Aufprall explodiert.

Aus Protest gegen den Vorfall bestellte das polnische Außenministerium den russischen Botschafter in Warschau ein, wie Regierungschef Donald Tusk mitteilte. In Polen und den baltischen Staaten gibt es Befürchtungen, dass Russland wegen seiner Probleme im Ukraine-Krieg Provokationen gegen Nato-Gebiet unternehmen könnte. (dpa)

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