Nahrungsergänzungsmittel: Ashwagandha: beliebt, unkontrolliert, gefährlich

In­flu­en­ce­r:in­nen loben die Schlafbeere als Wundermittel. Doch Leberschäden, dünne Studienlage und fehlende Regulierung erzählen eine andere Geschichte.

„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch harmlos. Während In­flu­en­ce­r:in­nen die Schlafbeere Ashwagandha als Wunderpflanze anpreisen, wurden in den Niederlanden 12 Fälle von Leberschäden im Zusammenhang mit einem Präparat gemeldet. Doch bisher sind weder die Werbung für solche Produkte noch ihre Inhaltsstoffe ausreichend reguliert.

Ashwagandha-Präparate sollen für innere Balance sorgen, den Cortisolspiegel senken und den Stoffwechsel fördern. Doch dafür gibt es keine Belege. Tatsächlich beziehen sich die Werbeaussagen von Ashwagandha-Herstellern oft auf weitere Zutaten wie Vitamine, für die entsprechende gesundheitsbezogene Angaben zulässig sind.

Im Vergleich zu Arzneimitteln, die eine jahrelange Zulassungsprozedur durchlaufen müssen, können Nahrungsergänzungsmittel beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit lediglich per Formular „angemeldet“ werden. Die Behörde prüft die Präparate nicht, auch nicht deren Wirksamkeit oder Sicherheit – der Hersteller ist für die Sicherheit verantwortlich. Zudem dürfen Mengenangaben auf der Verpackung bis zu 50 Prozent von der tatsächlichen Menge abweichen.

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In Deutschland existieren bislang keine verbindlichen Höchstdosierungen für Ashwagandha-Präparate. Als Orientierung dienen die in Polen festgelegten Höchstmengen: 10 mg Withanolide bzw. 3.000 mg Ashwagandha pro Tag. Ein im April 2026 veröffentlichter Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW zeigt: Am deutschen Markt überschreiten zahlreiche Produkte diese Werte. Die höchste gefundene Tagesdosis lag bei 6.000 mg Ashwagandha – dem Doppelten der polnischen Höchstmenge. Die höchste beobachtete Dosis an Withanoliden betrug sogar das 15-fache des Grenzwertes.

Dünne Evidenz

Der wirksamste Bestandteil von Ashwagandha sind Withanolide. In Zellkultur-Experimenten waren sie aktiv gegen Tumorzellen – klinische Studien am Menschen gibt es bislang keine. Kleine Studien zeigen, dass Ashwagandha Stress und Angst reduzieren kann; die Pro­ban­d:in­nen nahmen es über sechs bis acht Wochen ein. Weitere kleine Studien deuten darauf hin, dass sich auch die Schlafqualität verbessern kann, besonders bei einer Tagesdosis von 600 mg oder mehr über mindestens acht Wochen. Insgesamt ist die Evidenz dünn: Die Studien sind klein und aufgrund unterschiedlicher Dosierungen und Designs nur bedingt vergleichbar.

Mit höheren Dosen steigt die Gefahr für Nebenwirkungen. Fallberichte aus Europa und Deutschland dokumentieren Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Hautausschläge – und Leberschäden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und andere europäische Behörden empfehlen daher, keine Ashwagandha-haltigen Präparate einzunehmen. Da Daten zur Sicherheit für Schwangere, Stillende und Kinder fehlen, wird diesen Gruppen besonders eindringlich davon abgeraten.

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