Neue „Tatort“-Doppelfolge mit Falke: Drei Stunden Langeweile

Dinge, die ich gemacht habe, statt endlich diese Kolumne fertig zu schreiben: das Internet gefragt, wie lange ausgestochene Springerle trocknen müssen vor dem Backen (über Nacht reicht offenbar). Bei LinkedIn rumgesurft. Balkontür geschlossen. Rob-Reiner-Clips angeschaut, hach, iconic. Zu Albert Einsteins letzten Wochen in Berlin 1933 recherchiert.

Die Kurzfassung, falls das nicht eh schon klar ist – Der „Tatort“ lohnt nicht. Schmücken Sie lieber drei Stunden lang abends Ihren Weihnachtsbaum, wird eh langsam Zeit. Oder sortieren die Esel und Schafe und drei Könige und all die anderen Krippenfiguren um. Oder wischen Staub.

Die längere Fassung, weil muss ja: Stellen Sie sich vor, Sie behaupten – ja, wissen von sich –, dass Sie sich nie langweilen. Und dann kommt dieser deutsch-holländische NDR-Doppel-„Tatort“ kurz vor den Feiertagen und zeigt Ihnen: Doch, ja, Langeweile, das Phänomen existiert tatsächlich. Der Beweis: Diese Dreistundentortur aus „Ein guter Tag“ und „Schwarzer Schnee“, um Thorsten Falkes (Wotan Wilke Möhring) neuen Ermittlungspartner einzuführen, den IT-Spezialisten Mario Schmitt (Denis Moschitto).

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Die Story ist randvoll mit Typen: ranzigen, schreienden, alternden, testosteron­strotzenden Männern

Also: zwei Folgen hintereinander, die einen einzigen Fall abdecken. Und das, obwohl Alexander Adolph (mit Eva Wehrum) das Buch geschrieben und Hans Steinbichler Regie geführt hat, eigentlich verlässliche Bänke. Und nun das: grenzüberschreitende Mafia, Drogenpolitik, junge Auftragsmörder, Handgranaten. Mittendrin ein verdeckter Ermittler unter Mordverdacht, der in der Doppelrolle schizophren geworden ist. Aufgepimpt mit dem Zusatz, die Story basiere auf Spiegel-Recherchen. Es ist viel, vielsprachig, unübersichtlich und auch sehr egal.

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Der Film

Deutsch-niederländischer „Tatort“: „Ein guter Tag“ und „Schwarzer Schnee“, Sonntag 21. 12, 20.15 Uhr und 21.45 Uhr, ARD

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Vom Fall selbst abgesehen: Der Neue ist IT-Spezialist für Cyber-Kriminalität. Sprich, seine Arbeit ist kaum in Action darstellbar. Der sitzt im Büro eines Verdächtigen vorm Rechner oder mit Tablet auf der Autorückbank und deutet auf Dinge, die auf Bildschirmen zu sehen sind. Und nun ist der Neue zwar gespielt vom nicht ganz unbekannten Moschitto (etwa aus Fatih Akins „Aus dem Nichts“), aber außer, dass seine Figur irgendwo auf dem Neurodivergenten-Spektrum steht, ist erst mal nichts weiter dazu zu sagen. Sogar dem Presseheft fällt dazu nur „kongenial“ ein.

Was nicht hilft. Der ganze Langfilm ist visuell dämmrig bis dunkel. Nicht nur, weil er in der kalten Jahreszeit spielt, also viel nach Sonnenuntergang passiert – Observationen, Befragungen, Verfolgungsjagden. Auch diverse Szenen in Büros und Wohnungen sind so schlecht ausgeleuchtet, als wollte man Strom sparen. Und das, obwohl wir hier seit Wochen gefühlt nonstop im Dunkeln sitzen und den 21. Dezember herbeisehnen, auf dass die Tage wieder länger werden.

Was erst recht nicht hilft: Von der niederländischen Kollegin (Gaite Jansen) abgesehen ist diese Story randvoll mit Typen – ranzigen, ungekämmten, schreienden, alternden, testosteronstrotzenden Männern.

Und um es an dieser Stelle noch einmal zu wiederholen: Das geht zwei Folgen lang! Zwei 90-Minüter! Es war schon seit ihrem Tod klar, dass die Ermittlerinnenfigur Julia Grosz (Franziska Weisz) in der Hamburg-Umgebungs-Filiale fehlt. Aber meine Güte, die Lücke ist nun unermesslich. Machen Sie was mit dieser geschenkten Zeit, irgendwas. Bitte, gern geschehen.

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