Persönliche Daten für KI-Nutzung: Nein, ich will das nicht!

W illkommen beim Auffrischungskurs „Neinsagen“. Sicherlich haben viele von euch sich in den ersten Lebensjahren bereits ein gehöriges Wissen durch Bücher wie „Alex lernt Neinsagen“, „Geh nie mit einem Fremden mit“ oder „Das Neinhorn“ angeeignet und Praxis­erfahrung gesammelt.

Doch leider tendieren viele von uns dazu, das alles mit dem Erwachsenwerden ein wenig zu vernachlässigen. Dabei ist Neinsagen nicht nur wichtiger Selbstschutz (für Menschen jeden Alters), sondern auch demokratische Handlung. Arbeitszeitbetrug ist ein Nein gegen kapitalistische Hierarchien. Eine Demo gegen rassistische Polizeigewalt ist ein Nein … gegen rassistische Polizeigewalt. Die Brandmauer ist ein Nein gegen rechts.

An der sehen wir momentan auch, dass einige ihr Nein-Training doch stark vernachlässigt haben. Das ist schlimm und faul und mit Blick auf die Wahlergebnisse der AfD und die nächste Bundestagswahl beängstigend. Aber: Es ist nie zu spät, wieder ins Training einzusteigen. Wundervoll also, dass ihr dabei sind!

Die erste Einheit wird zur Verfügung gestellt von: Meta! Mark ­Zuckerberg plant nämlich, dass Meta ab dem 27. Mai Daten von europäischen Facebook- und Instagram-User*innen nutzt, um damit seine KI zu trainieren: öffentliche Posts, Fotos, Videos, Storys als Futter für die Maschine. Und weil Meta findet, dass das ein „berechtigtes Interesse“ des Konzerns ist, sagt es, die Use­r*in­nen würden dem gar nicht erst zustimmen müssen. Es wird einfach gemacht, außer sie widersprechen.

Bei der – eben doch hackbaren – elektronischen Pa­ti­en­t*in­nen­ak­te hat Deutschland selbst die Widerspruchslösung genutzt, die beim Thema Organspende seit Jahren diskutiert wird. Dort würde sie sich wirklich anbieten. Aber Posts und Storys sind nicht Herz und Niere.

Kaum Aufwand, versucht es jetzt!

Still auf Gegenwehr warten, das ist geschickt. Vielen Menschen dürfte es zu viel Aufwand sein, sich dagegen zu wehren, dass ihre Inhalte zum Menü der KI werde. Dabei ist es ganz einfach. Und es ist dringend notwendig! Denn die Verbraucherzentrale NRW hat zwar beim Oberlandesgericht Köln eine einstweilige Verfügung beantragt, über die in den nächsten Tagen entschieden werden dürfte, aber der Sieg ist nicht sicher. Bis zum 26. Mai haben wir noch Zeit zu widersprechen, aber sind wir ehrlich: Wenn wir etwas nicht direkt machen, vergessen wir es. Also: Widersprecht jetzt!

1. Loggt euch bei Instagram und Face book ein.

2. Klickt auf das Widerspruchsformular von Instagram und Facebook

2. b) Falls euch der Link direkt in die App leitet oder ihr die Dienste nur am Desktop nutzt: Geht in euer Profil und dort in die Einstellungen. Klickt auf „Privacy Center“ und sucht dort nach dem Wort „widersprechen“. Klickt auf den Link, der euch zum Formular führt.

3. Gebt die Mail-Adresse ein, mit der das Konto verknüpft ist.

4. Ignoriert gerne das Freifeld, in dem ihr eintragen könnt, warum ihr widersprecht. Es ist optional und sollte euch nicht abschrecken.

5. Klickt oder tippt auf „Senden“.

Fertig. Ihr habt Nein gesagt. Merkt ihr eure Handlungsmacht? Seid ihr erleichtert?

Noch mehr Neinsagen

Wenn ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid, trainiert weiter. Übt im Privaten und sagt eurer Oma Nein, wenn sie den Kaffee bezahlen will, obwohl ihr sie doch eingeladen habt (absolviert diese Einheit nur, wenn ihr gerade viel Zeit habt). Übt im Job und sagt euren Che­f*in­nen Nein, wenn die fragen, ob ihr noch drei zusätzliche Aufgaben übernehmen könnt (absolviert diese Einheit, wenn ihr eh wenig Zeit habt).

Geht rein, wenn Nazis im Internet oder der U-Bahn Nazisachen verbreiten (jederzeit). Und widersprecht, wenn Tech-Konzerne eure Daten nutzen wollen, um mit euren Gedanken und Bildern eine KI zu füttern, die sicher nicht euch, sondern nur den Konzernen nutzen wird.

  • informationsspiegel

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