
V om Eingang Sternwarte aus führt ein Asphaltweg in den Babelsberger Park. Es ist quasi sein Hintereingang. Wer hineingeht, wähnt sich in einem Laubmischwald, kein Schlossblick, kein blumenbekränzter Pleasureground, kein golfrasengrünes Bowlinggreen, nur Bäume. Die Bäume stehen da, weil sie es müssen, nicht, weil sie es können, die eiszeitliche Endmoräne ist kein idealer Grund für Buchen und Eichen. Aber so ist das nun mal im Pflanzgeschäft, der Zweck heiligt die Baumart.
Auf dem Asphaltweg geradeaus lässt es sich bequem und jeden Wetters sauberen Fußes in den Park spazieren. Links und rechts verwandeln Dürre und Hitze den dichten Laubwald Jahr für Jahr mehr in eine Savannenlandschaft. Zum Glück sind aber noch genügend Bäume da, um die Attraktion ganz am Ende des Weges einzurahmen, die nach einer scharfen Linkskurve und einem sanften Rechtsschwung, leicht bergauf, erreicht wird: die Siegessäule.
Anmutig steht sie auf dem Babelsberg und blickt über Baumwipfel, Wege und Wiesen weit hinunter auf die Havel, seit 1866. Wer sich ihr von hinten nähert, vom Eingang Sternwarte, oder aber von der Nordseite, vom Schloss kommend, sieht sie auf den gewundenen Wegen immer wieder durch die Bäume blitzen, zart und zauberhaft. Geschaffen vom Bildhauer Christian Daniel Rauch, ließ sie der Herr des Schlossparks, König Wilhelm I., aufstellen, um den militärischen Sieg Preußens über die Österreicher zu feiern.
kolumne parkmöglichkeiten
Heike Holdinghausen schreibt in dieser Kolumne über Natur und darüber, wie der Mensch sie gestaltet sowie zerstört. Schauplatz ist der Schlosspark Babelsberg, in dem sie seit Jahren fast jeden Tag spazieren geht. Das ist nie langweilig, denn der Park ist 124 Hektar groß, sein Wegenetz umfasst über 20 Kilometer. Das ist zwar nur halb so groß wie der Berliner Tiergarten, aber fast dreimal größer als der Vatikan.
Ihr zu Füßen liegt eine kleine Aussichtsplattform, von der verschiedene Sichtachsen den Blick über Potsdam leiten, zum Beispiel zum Belvedere auf dem Pfingstberg, dem Brauhausberg und, aus Versehen, auch auf die Plattenbauten im Zentrum Ost. Dem Blick verborgen bleibt das neogotische Dampfmaschinenhaus an der Glienicker Lake. Ihm ist anzusehen, dass es lange im Schatten der Mauer stand, es ist recht runtergekommen. 1843 war es der letzte Schrei, verbarg es doch hinter seinen mittelalterlich anmutenden Mauern eine hochmoderne 40-PS-Dampfmaschine, die Wasser von der Havel auf den Babelsberg pumpte, um den sandigen Hügel zu begrünen.
Das Gebäude „zelebrierte die zentrale Rolle der Maschine innerhalb der organischen Einheit von Schloss und Park“, schwärmt Norton Wise in seinem Aufsatz „Mit Dampfkraft und Ingenieurskunst zum blühenden Landschaftsgarten“. Fenster gaben den Blick frei auf Schwungrad, Kolben, Zahnräder. Moderne Technik und liebliche Landschaft, das ging zusammen, wenn es mittelalterlich verpackt war. In den Vorstellungen des Parkschöpfers Hermann Fürst zu Pückler-Muskau war alles Panorama, Perspektive, Oberfläche. Er gestaltete mit Gelände, Gebäuden und Pflanzen – die Natur interessierte ihn dabei wenig, und damit wäre er doch, so scheint es, ganz ein Kind unserer Zeit.
Technik darf das Klima und den Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen zerstören – nur das Bild der Landschaft nicht
Technik darf das Klima und den Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen zerstören – nur das Bild der Landschaft nicht. Heimat, das ist ein Panorama, kein Ökosystem. Aber lassen sich Bildwelten, lässt sich ein neuer Blick auf Schönheit nicht trainieren? Hat nicht vielleicht irgendein Künstlerkollektiv Lust, der Siegessäule einen neuen Platz im Park zu suchen, sie zu verfremden und ihr einen anderen Sinn zu geben, auch im Sinne Österreichs? Auf dem frei gewordenen Platz ließe sich ein Windrad errichten, stolz hoch oben über der Stadt könnte es seine Flügel in den Wind spannen. Da würden die Besucher:innen aus der Uckermark staunen: Ein Windrad im Schlosspark – da geht das also auch.







