Prinzip Hoffnung: Die Welt wird nicht besser, wenn wir sie nicht besser machen

Vielleicht wird Ungarn ganz bald nicht mehr von Orbán regiert. Und vielleicht steht auch in Israel ein Machtwechsel an. Es gibt Gründe zur Hoffnung.

W ir leben in fantastischen Zeiten, nur werden wir unseren Möglichkeiten nicht immer gerecht. Niemals etwa hätte ich gedacht, dass ich einmal dank Internet morgens in Berlin Rai 3 hören kann, den linken Sender im nach Proporz aufgeteilten italienischen Rundfunk. Und dann beantwortet auch noch Cinzia Sciuto, Chefredakteurin der linken italienischen Zeitschrift MicroMega, Fragen der Hörerschaft.

MicroMega feiert gerade den 40. Geburtstag. Gratulation! Eine Frage, die Cinzia gestellt wurde, ist die nach doppelten Standards in Bezug auf Israel. Im Gespräch mit der taz hat sie dazu mal gesagt, in Italien falle es vielen Linken schwer, nicht nur die Regierung von Benjamin Netanjahu zu verurteilen, sondern auch die Barbarei der Hamas. In Deutschland hingegen werde Kritik an Israel oft mit Antisemitismus gleichgesetzt. Doppelte Standards überall – müssen wir damit leben?

Ich denke, wir haben die Verpflichtung zur Klärung und Anlass zur Hoffnung. Am Sonntag könnte sich Viktor Orbán von der Präsidentschaft in Ungarn verabschieden. Und auch Netanjahu wird sich nicht mehr lange den Wahlen entziehen können und dann in den Knast oder zu seinem Freund Donald Trump wandern. Und der US-Präsident wiederum – aber lassen wir die Politwahrsagerei!

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Vor zwei Wochen war ich im Italienischen Kulturinstitut bei der Präsentation des Buches „Die andere Wahrheit“. Die großartige italienische Dichterin Alda Merini legt hier Zeugnis ihrer jahrelangen Zwangsaufenthalte in der Psychiatrie ab. Das ist eine sperrige, eben poetische Lektüre, die sich weder mit einfachen Wahrheiten zufriedengibt noch mit tröstlichen Resümees. Eines lautet: „Die wahre Hölle ist draußen, hier, im Kontakt mit den anderen, die über dich urteilen, dich kritisieren und dich nicht lieben.“

Die Psychiatrie mit ihren Elektroschocks und ihrem Sadismus nennt Merini „Konzentrationslager“, aber auch „Heiliges Land“, weil hier „der kranke Geist keine Schuld verspürte“. Und doch hat das 1978 in Italien beschlossene Gesetz zur schrittweisen Schließung der gefängnisartigen psychiatrischen Krankenhäuser Epoche gemacht. Wir hier draußen machen uns und anderen bestimmt oft immer noch das Leben zur Hölle. Aber wir haben Möglichkeiten, die Welt besser zu machen. Wir müssen ihnen nur gerecht werden.

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