Rechter Terror in Itzehoe: Geistlicher erhält Drohbrief mit AfD-Logo

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“, rief Steffen Paar den rund 4.000 Menschen zu, die sich Mitte Februar 2024 in der Kreisstadt Itzehoe zu einer Demonstration gegen rechts versammelten hatten. Er selbst, sagte der Propst des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf, sei als bekennender Homosexueller eine der Personen, die „Ausgrenzung, Anfeindung und Herabwürdigung“ treffen würde, wenn rechte Kräfte noch mehr Auftrieb erhielten.

Fast auf den Tag genau ein Jahr später ist genau das eingetreten: Der Kirchenmann gehört zu einer Reihe von Personen im Kreis Steinburg im Südwesten von Schleswig-Holstein, die Drohbriefe einer rechten Gruppe erhielten.

„Mein Mann und ich sind achtsam, aber ohne Angst“, teilt das Paar in einem Schreiben mit, das an die „lieben anonymen Briefschreibenden“ gerichtet ist. Er und die Nordkirche, vertreten durch Bischöfin Nora Stehen, haben Anzeige erstattet. „Der Drohbrief hat für uns eine neue Dimension“, heißt es in einer Stellungnahme der Kirche. „Wir halten zusammen und lassen uns nicht einschüchtern.“

Paar bedankt sich für zahlreiche Nachrichten, in denen Menschen ihre Fassungslosigkeit und Unterstützung versichert hätten. Auch der Bundesgeschäftsführer der AfD habe sich gemeldet und von dem Schreiben distanziert, das das Logo der AfD trägt.

Abgesandt wurde der anonyme Brief von einer Person oder Gruppe, die sich „Sturmfront Schleswig-Holstein“ nennt und sich als „patriotischer Untergrund der AfD und Bauernschaft“ bezeichnet. Außer dem Logo der AfD und dem Bild eines Gewehres ist auch das Zeichen der Landvolkbewegung zu sehen, einer bäuerlichen Protest-Bewegung der 1920er-Jahre, die antisemitische und antiparlamentarische Parolen verbreitete.

In dem wenige Absätze kurzen Text beziehen sich die Schreibenden auf seine Homosexualität ebenso wie auf angebliche „Lügen zu Klimawandel und Migration“. Künftig würden solche „Fehldarstellungen konsequent verfolgt“, heißt es weiter. Die Drohungen richten sich gegen Paar und seinen Ehemann.

Steffen Paar ist seit 2022 Propst des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf, zu der 38 Kirchengemeinden gehören. Zuvor arbeitete der Theologe, der 1980 in Böblingen geboren wurde, als Gemeindepastor im 3.300-Seelen-Ort Sülfeld. Bei seiner Wahl lobte Bischof Gothart Magaard Paars „vielfältige kreative Ansätze“.

Tatsächlich sucht der Back- und Schokoladenfan die Öffentlichkeit: Beim Christopher-Street-Day in Hamburg trat er mit roten Engelsflügelchen auf, am Valentinstag verteilte er Herzchen in der Itzehoer Fußgängerzone, auf Social Media ist er ebenfalls aktiv. Politisch und gesellschaftlich bezieht er klar Position, stellt sich – wie bei den großen Demonstrationen der vergangenen Monate – gegen den Rechtsruck und setzt sich innerhalb seines Zuständigkeitsbereiches dafür ein, dass kirchliche Gebäude saniert werden, damit die Kirche plangemäß klimaneutral werden kann.

Von dem Brief lasse er sich nicht beeindrucken, schreibt er: „Eure Forderungen berühren und verändern mich nicht.“ Dennoch sei jetzt Haltung gefragt: „Wenn Parteien wie die AfD an Macht gewinnen, ist niemand mehr sicher. Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.“

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