
L ange Zeit dachte man, Konservative hassen nur DIE GRÜNEN, in Berlin zeigt sich: Sie hassen das Grün.
Bestimmt nicht jedes! Konservative Politik richtet sich schließlich an Menschen am Stadtrand mit Gärtchen ums Häuschen und an solche, die ihre Freizeit gerne mal auf dem Golfplatz verbringen.
Die CDU hasst also nicht das Grün. Sie gönnt es uns nur nicht. Sie hasst das öffentliche Grün. Spielt Kai Wegner eigentlich auch Rasentennis? Ich weiß es nicht.
Was ich weiß, ist: Der schwarz-rote Berliner Senat hat es auf die Grünflächen abgesehen. So wurde der Görlitzer Park in Kreuzberg gegen den Willen des Bezirks und trotz massiven Protests der Anwohnenden umzäunt, um ihn nachts zu schließen.
Was Feldlerchen nicht können
Aus Naturschutzgründen nachts geschlossen ist das Tempelhofer Feld. Das ergibt durchaus Sinn. Falls ihr den Unterschied zwischen Drogendealern und Feldlerchen nicht kennt: Dealer können in Seitenstraßen ausweichen, wenn eine Grünanlage geschlossen wird. Feldlerchen können das nicht. Auch deswegen kritisiert der Nabu die nun wieder diskutierte Randbebauung des Tempelhofer Felds.
Gegen eine Bebauung haben die Berliner*innen bereits 2014 gestimmt. Wieso will dieser Senat unbedingt das Grün nehmen, das Menschen und Feldlerchen offensichtlich sehr wichtig ist?
Der Entzug des Grüns ist eine Machtdemonstration. Sie richtet sich gegen arme Menschen, wobei Armut immer diverser wird. Da sind die, die abends keine Wohnung haben, in die sie zurückgehen können, wenn der Park abgeschlossen wird. Und diejenigen, die den Sommer draußen verbringen, weil daheim nicht genug Platz ist.
Und die, an die wir nicht denken, wenn wir „arm“ sagen und die sich selbst nicht so bezeichnen würden, die sich aber den Sommerurlaub seit ein paar Jahren nicht mehr leisten können und neuerdings auch nicht mehr das Glas Wein in der Außengastronomie. Je höher die Mieten, je teurer die Stadt, desto mehr brauchen wir kostenlose Orte zum Joggen und Lesen, zum Menschen treffen oder Alleinsein. Wir brauchen sie zum Atmen.
Diese dritten Orte
Aufgescheucht am Abend werden nicht die, die in ihrer Hollywoodschaukel hinterm Haus sitzen, sondern die, die sich gerade zwischen überquellenden Mülleimern und Trampelpfaden mit nem Spätigetränk auf ein Handtuch gesetzt haben. Sperrstunde für den Pöbel.
Görlitzer Park und Tempelhofer Feld haben gemeinsam, dass ihre Nutzung als Freizeiträume, als sogenannte dritte Orte, an denen nicht gewohnt oder gearbeitet, sondern kostenlos rumgehangen wird, von Anwohner*innen und Bürgerinitiativen hart erstritten wurde.
Aus einem stillgelegten Bahnhof und einem stillgelegten Flughafen, aus Orten, die für Hektik und Betriebsamkeit stehen, wurden Orte der Begegnung und Erholung. Das sind kollektive Erfolge, die für eine solidarische lebendige Zivilgesellschaft stehen. Der Moment, in dem man das Tempelhofer Feld betritt und die Augen sich neu justieren, weil der Blick nicht an der nächsten Hauswand abprallt, ist nicht nur jedes Mal aufs Neue besonders, weil die Aussicht frei ist, sondern auch, weil man Freiheit spürt.
Schließung und Randbebauung, das ist keine Symbolpolitik, die der konservativen Wählerschaft signalisieren soll, „Wir greifen durch im Kampf gegen Kriminalität“ oder wir „bauen, bauen, bauen“.
Es ist ein Signal an alle, die ein Recht auf Stadt fordern: „Euer Engagement lohnt sich nicht. Wir können euch alles wieder nehmen.“






