Shutdown in USA: Endlich ein Aufbäumen

D en De­mo­kra­t*in­nen im US-Senat blieb diesmal nichts anderes übrig, als Nein zu sagen. Noch einmal einen republikanischen Haushaltsentwurf durchzuwinken, ohne Verhandlungen erzwungen oder auch nur den Hauch eines Zugeständnisses vonseiten der Re­pu­bli­ka­ne­r*in­nen zu haben, wäre politischer Suizid gewesen. Der Shutdown der US-Regierung, also die jetzt in Kraft getretene Haushaltssperre, ist nur folgerichtig.

Noch im März, bei der letzten Verabschiedung eines temporären US-Haushalts, hatte Chuck Schumer gekniffen. Der Minderheitsführer im Senat hatte dafür gesorgt, dass ausreichend demokratische Se­na­to­r*in­nen für den von der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus vorgelegten Haushaltsplan stimmten, sodass eine Haushaltssperre vermieden wurde. Schumers damaliges Einknicken wurde zum Sinnbild demokratischer Orientierungs- und Rückgratlosigkeit, ja Feigheit.

Die 60-Stimmen-Erfordernis im Senat ist das einzige Vehikel, über das die De­mo­kra­t*in­nen in Washington überhaupt noch verfügen, um ein winziges Quäntchen Macht abzubekommen. Lassen sie dieses letzte verbliebene Instrument ungenutzt, stellen sie ihre eigene Daseinsberechtigung als Oppositionspartei und -fraktion infrage. Dabei geht es nicht um billiges politisches Posing.

Der Bereich, den sich die De­mo­kra­t*in­nen herausgesucht haben, betrifft Millionen US-Amerikaner*innen, deren Gesundheitsversicherung in den nächsten Jahren teurer wird oder ganz wegfällt. Denn die Re­pu­bli­ka­ne­r*in­nen haben nie damit aufgehört, das unter Barack Obama eingeführte ACA (Affordable Care Act, bekannt als Oba­macare) wieder abschaffen zu wollen. Weil das unpopulär ist, verschlechtern sie die finanziellen Rahmenbedingungen so, dass das System von innen erodiert.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

=”” div=””>

Das kleinere Risiko

Eben dagegen wollten die De­mo­kra­t*in­nen vorgehen und eine Fortsetzung staatlicher Versicherungssubventionen in den Haushalt hineinverhandeln. Jetzt kommt es aufs Durchhalten an und darauf, sich gegen die Schmierenkampagne und alle weiteren Drohungen Donald Trumps zu immunisieren. Ja, das birgt Risiken. Shutdowns sind unpopulär und bringen ihrerseits soziale Härten – und wer dafür verantwortlich gemacht wird, erhält oft bei der nächsten Wahl die Quittung.

Für die De­mo­kra­t*in­nen ist das das kleinere Risiko gegenüber dem, als zahnloser Hamster angesehen zu werden. Angesichts des fortschreitenden autoritären Staatsumbaus von oben müssen sie jetzt endlich ins Kämpfen kommen. Sonst nimmt sie bald überhaupt niemand mehr ernst – weder im Kapitol noch in der Wahlkabine.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung
    • July 10, 2026

    Christine Wunnicke hat den diesjährigen Büchnerpreis verliehen bekommen. Federleicht verbindet sie mikroskopisch genaue Erkundungen mit Humor. mehr…

    Weiterlesen
    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“
    • July 10, 2026

    In Deutschland soll die Teilzeitkrankschreibung eingeführt werden, Vorbild ist Schweden. Wie funktioniert es dort? mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung

    • 4 views
    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung

    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“

    • 6 views
    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“

    Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“

    • 5 views
    Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“

    Neuer Job für Tübinger OB: Palmer macht den Musk

    • 7 views
    Neuer Job für Tübinger OB: Palmer macht den Musk

    Hitze, Klima, Wohnen: Was das Kapital nicht schafft

    • 5 views
    Hitze, Klima, Wohnen: Was das Kapital nicht schafft

    Wahlarena in Mecklenburg-Vorpommern: Wie will die CDU im Osten ohne AfD und Linke regieren?

    • 5 views
    Wahlarena in Mecklenburg-Vorpommern: Wie will die CDU im Osten ohne AfD und Linke regieren?