Sicherheitskonferenz, Epstein Files, AfD: Rubio und der nördlichste Beitrag zu Olympias Eiskunstlauf

t az: Herr Küppersbusch, was war schlecht diese Woche?

Friedrich Küppersbusch: Chatbots können Wahnvorstellungen befeuern. (Spiegel)

taz: Und was wird diese besser?

Küppersbusch: Menschen auch.

taz: Die Sicherheitskonferenz in München hat diesmal ohne J. D. Vance stattgefunden. War trotzdem ein Aufreger dabei?

Küppersbusch: US-Außenminister Rubio performte den nördlichsten Beitrag zum olympischen Eiskunstlauf, lieferte krude Übungen ab und bekam aber Standing Ovations in der B-Note für den künstlerischen Eindruck. Europa möge Menschen getrennt sortieren, den Freihandel abschaffen und militärisch eskalieren. Als käme der Serienmörder nochmal als Tatortreiniger vorbei, um feucht durchzuwischen. Die Speisenfolge in der Hausbar Trader Vic’s oder ob in Davos jemand Blähungen hatte, ist inzwischen meldungsrelevanter als, sagen wir mal, Verhandlungen vor den UN. Chuzpe hätte die Zwei-Satz-Antwort „Danke, sehr interessant. Ich antworte die Tage in New York.“

taz: Die AfD in Sachsen-Anhalt steht im Verdacht der Vetternwirtschaft und Tino Chrupalla beschäftigt die Ehefrau eines sächsischen AfD-Politikers. Ein Problem für die Partei?

Küppersbusch: Sicher auch nicht leicht, mit lauter Leuten verwandt zu sein, die woanders keine Arbeit finden. Nach einer ersten Insa-Umfrage für Bild finden 28 Prozent die schrecklich rechte Familie völlig ok und so dürfte also auch dies der Partei kaum schaden. In einer autoritären Denke ist weniger relevant, welche Missetaten begangen werden, als dass die Richtigen sie richtig begehen. Es ist die kindliche Logik des „wenn ich groß bin, verprügle ich auch alle“, und das kann man glauben.

taz: Die Deutschen errodeln sich eine Goldmedaille nach der nächsten bei Olympia. Kann Rodeln die deutsche Wirtschaft retten?

Küppersbusch: Das „Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten FES“ wurde 1963 in der DDR gegründet und lieferte dort futuristische Zeitfahrräder, später umstrittene Bobs und die nun gefeierten Rodelschlitten. Gib Deutschen ein sauschnelles und im Alltag erlesen nutzloses Gerät und staune, was wir für einen Spaß damit haben.

taz: Die Einsätze von ICE scheinen erst mal auf Eis gelegt zu werden. Ist Trump innenpolitisch auf dem Rückzug?

Küppersbusch: Nö, kurz in der Maske, um sich ein leutseliges Daddygrinsen draufschminken zu lassen. „Ich habe gelernt, dass wir vielleicht etwas sanfter vorgehen können“, sagte er bei NBC. Hieß bei uns früher „Wenn das der Führer wüsste“. 2.000 ICE-Personen bleiben in Minnesota und die minimalen Standards „keine Maske“ und „Durchsuchung nur mit richterlicher Anordnung“ verweigern die Republicans den Democrats. Folge: Shutdown. Trump sieht das wie eine Folge von „The Apprentice“, wo nette Leute erschossen wurden. War einen Versuch wert, schade, aber die Serie geht eh weiter.

taz: Wie politisch fanden Sie die Superbowl-Halftime-Show?

Küppersbusch: 2017 machte der DFB einen auf Kinder-NFL und warf in der Halbzeit des Pokalfinales Sängerin Helene Fischer den Fans zum Niederbuhen vor. Klappte prima, es war umfassend peinlich. Die maximal konsensfähige Künstlerin hatte keine Chance gegen ein schräges Reinlichkeitsbefinden des Publikums, wonach es im Sport um Sport gehen sollte. Und die Frankfurter fanden Fischer doof, weil ihr BVB-Nähe nachgesagt wird. Klar kann man jetzt „Bad Bunny“ und den antitrumpistischen Tenor seiner Einlage feiern. Andersrum wäre schlimmer gewesen. Doch ich spüre sachte Sympathien für Wurst, Pinkeln, Bier.

taz: Wie sähe die Pappmaché-Figur aus, die Sie für Ihren diesjährigen Karnevalswagen basteln?

Küppersbusch: Lustig.

taz: Auf welche politische Aschermittwochsrede sind Sie besonders gespannt?

Küppersbusch: Markus Söder meint, dass er es kann. Friedrich Merz meint, dass er es muss. Gemessen an der so zu erlangenden Fremdscham plädiere ich für Verzicht, um mehr Menschen aus der Mitte der Gesellschaft für politisches Engagement zu begeistern.

taz: Dunkelfeldstudie, Epstein Files und nächste Woche veröffentlicht Vergewaltigungsopfer Gisèle Pelicot ihre Memoiren. Gibt es noch Aussicht darauf, dass Frauen vor sexualisierter Gewalt besser geschützt werden?

Küppersbusch: Männliches Minderheitenvotum: Ja, wenn es gelingt oder doch mehr angestrebt wird, Gewalt und sexuelle Macht als Geißel des Menschen und damit auch des Mannes zu verstehen.

taz: Gehen Sie noch zum Zahnarzt?

Küppersbusch: Unbedingt. Andere Fernsehproduzenten fahren Jaguar, ich hab einen im Mund. Mein Zahnarzt erläutert mir immer, was meine gesetzliche Kasse zahlt – und dann erklärt er, was medizinisch gut für mich wäre. Das kaufe ich dann und wenn wieder wer von „mehr selbst bezahlen“ schwadroniert, steht mir der Mund weit offen. Passt.

taz: Und was macht der RWE?

Küppersbusch: Sehr schöne Geste, wie Trainer Koschinat beim Siegesjubel den Torwart feiert, der sich nach 14 Sekunden einen Ball halb selbst ins Tor gelegt hatte. RWE-Jahn Regensburg 3–1, und das „zu 1“ vergessen wir damit.

Fragen: Doris Akrap

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