Social-Media-Verbot für Jugendliche: Sehr vernünftig und sehr hilflos

Familienministerin Karin Prien will die Debatte über Social Media versachlichen. Gut so. Dann reden wir mal über die drängendsten Punkte.

S o sieht das also aus, wenn eine Ministerin eine Debatte einfangen möchte. Karin Prien muss sich darüber geärgert haben, dass SPD und Union zuletzt mit Forderungen nach einem Social-Media-Verbot ab 14 Jahren vorgeprescht sind. Und jetzt lädt auch noch Jens Spahn zu einem Kongress rund um digitalen Jugendschutz. Seit Monaten redet sich die CDU-Familienministerin den Mund fusselig: Erst wenn die Ex­per­t:in­nen­kom­mis­si­on ihre Empfehlungen vorstellt, will sie handeln. Es ist kein Zufall, dass Prien ihr Basta ausgerechnet am Tag vor der Spahn-Tagung am Dienstag noch mal untermauert.

Es ist ein interessanter Move. Ihr Ministerium veröffentlicht, was die Kommission bislang an Erkenntnissen zusammengetragen hat. Die lauten, salopp formuliert: Wer Kinder und Jugendliche vor Gefahren in der digitalen Welt schützen möchte, muss vieles tun – ein mögliches Social-Media-Verbot allein wird wenig bringen. Prien spielt also die Anti-Populismus-Karte, die sie – Stichwort „Demokratie Leben“ – gerne öfter spielen darf.

Sie hat ja recht: Wer Social Media verteufelt, verkennt, wie wertvoll digitale Räume für Jugendliche sein können. Gleichzeitig ist der Handlungsdruck – die Stichwörter sind Suchtverhalten und problematische Inhalte – offensichtlich. Eine möglichst frühe Begleitung in Elternhaus und Schule ist also zentral, das betont auch die Kommission. Doch nun muss sie dafür auch handfeste Vorschläge liefern. Und da liegt das Problem. Es wäre überfällig, dass es Medienkunde als Pflichtfach ab Klasse fünf gäbe – das aber kann Prien nicht über die Länder hinweg anordnen. Und wie der Staat Eltern dazu bringen möchte, über die Gefahren von Smartphones und ihre eigene Rolle als Vorbilder zu reflektieren, ist völlig unklar.

So vernünftig Priens Intervention ist – so hilflos wirkt sie. Mal sehen, was die Ex­per­t:in­nen empfehlen. Wenn aber bis auf ein – leicht zu umgehendes – Social-Media-Verbot alles beim Alten bleibt, wäre das ein fatales Zeichen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Parlamentswahl in Marokko: Fußballmanager könnte der nächste Premier werden
    • September 24, 2026

    Die wirtschaftsliberale PAM geht als Sieger aus den Parlamentswahlen in Marokko hervor. Die Wahlbeteiligung war historisch niedrig. mehr…

    Weiterlesen
    Zylinder oder kein Zylinder: Die richtige Tracht am richtigen Ort
    • September 24, 2026

    Beim berühmtesten deutschen Erntedankfest – dem Oktoberfest – laufen inzwischen viele in Landmode herum. Anders in Castell. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Parlamentswahl in Marokko: Fußballmanager könnte der nächste Premier werden

    • 8 views
    Parlamentswahl in Marokko: Fußballmanager könnte der nächste Premier werden

    Zylinder oder kein Zylinder: Die richtige Tracht am richtigen Ort

    • 9 views
    Zylinder oder kein Zylinder: Die richtige Tracht am richtigen Ort

    Aufregung in Irland vor Duell mit Israel: Unerwünschter Gegner

    • 8 views
    Aufregung in Irland vor Duell mit Israel: Unerwünschter Gegner

    Immer weniger Streuobstwiesen: Das Paradies macht Arbeit

    • 8 views
    Immer weniger Streuobstwiesen: Das Paradies macht Arbeit

    Sensationsfund in Maastrichter Kirche: Der Musketier vor dem Altar

    • 9 views
    Sensationsfund in Maastrichter Kirche: Der Musketier vor dem Altar

    Comedy-Serie „Brothers“ bei Apple TV: Sich halb feiern und sich halb aufs Korn nehmen

    • 8 views
    Comedy-Serie „Brothers“ bei Apple TV: Sich halb feiern und sich halb aufs Korn nehmen