
Der Fußball hat sich zum Ganzjahressport gemausert. Doch er ignoriert, dass auch der Rasen einmal eine Pause braucht. Eine Branche übernimmt sich.
Eine Entwicklung ist im deutschen und internationalen Fußball der vergangenen Jahre zu registrieren. Er dehnt sich immer mehr über das gesamte Kalenderjahr aus. Wenn nicht gerade Bundesliga ist, dann wird irgendein Pokal ausgespielt. Oder die Fifa oder die Uefa lassen zu irgendeinem Klub- oder Nationalmannschaftsturnier oder Ligabetrieb antanzen. Ganzjahressport.
Lange hatte der Fußball geglaubt (und einige glauben sogar heute noch daran), dass das Spiel komplett von allen gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Entwicklungen unabhängig sei. Eine Welt, deren Spielgerät zwar rund sein mag, aber deren Grenzen ein Rechteck sind, dessen Basis aus grünem Rasen besteht. Ganzjährig immergrüner Rasen, denn die Vereine haben ja Rasenheizungen eingebaut. Fußball kann sein.
Doch ab und an stören fußballfremde Faktoren diese Illusion. An diesem Wochenende war es der Winter. Mag sein, dass der Rasen benutzbar ist, weil da geräumt und gewärmt werden kann, aber die Tribünen und Zufahrtswege sind es nicht, und Fans gehören halt auch zum Fußball.
Der Rasen bildet die physische Grundlage dieses Sports. Aber er wird malträtiert, dass es nicht mehr lange gut gehen kann
Warum Rasen wichtig ist
Doch sogar der Rasen, der ja die physische Grundlage dieses Sports bildet, wird seit Jahren aus kurzfristigen Gewinnerwägungen malträtiert, dass es nicht mehr lange gut gehen kann. Dass Schnee auch Schutz für geschundenes Gras sein kann, wird schlicht ignoriert. Keine Stadionverwaltung lässt das Gras mehr wachsen, sondern es wird Rollrasen verlegt. Taugt der alte nichts mehr, wird halt ein neuer hertransportiert.
Gerade, weil der Fußball sich nicht bescheiden mag, weil er nicht ausruhen und warten kann und weil die im modernen Sport dominierenden kurzfristigen Renditeerwartungen so partout nichts Nachhaltiges haben, wird ihm langfristig seine Existenzbedingung entzogen.
Das sind halt so Gedanken, die einem kommen, wenn weder St. Pauli noch Werder Bremen spielen.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!
Jetzt unterstützen







