Sprachenvielfalt beim ESC: Montenegrinisch und Hebräisch und Finnisch und Lettisch

M it „Baller“ von Abor & Tynna tritt Deutschland beim diesjährigen Eurovision Song Contest das erste Mal seit vielen Jahren mit einem deutschsprachigen Song an. Zuletzt gab es das 2007, als Roger Cicero mit „Frauen regier’n die Welt“ für Deutschland in Muttersprache auf der ESC-Bühne sang. Michelle schaffte es mit „Wer liebe lebt“ im Jahr 2001 sogar auf einen für Deutschland erstaunlichen achten Platz. Abgesehen von Cicero gab es aus Germany ab 2002 nur Beiträge auf Englisch.

Auch Schweden blieb der englischen Sprache seit der Jahrtausendwende fast komplett treu, mit einer Mini-Ausnahme 2009, als Malena Ernman „La voix“ auf Englisch und Französisch performte. Mehr als 20 Jahre hörte man Schwedisch von den Schweden auf der ESC-Bühne nicht. Dieses Jahr brechen aber auch sie mit der Weltsprachentradition und schicken KAJ mit „Bara Bada Bastu“ ins rennen.

Mit einem nicht-englischsprachigen Auftritt sind die Schweden und Deutschen in diesem Jahr jedoch nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel: Insgesamt 20 Sprachen sind dieses Jahr in Basel zu hören – ein Allzeitrekord: So eine Sprachenvielfalt wie 2025 gab es beim ESC noch nie.

Zwei Drittel der Länder, die mindestens am Halbfinale teilnehmen, singen entweder komplett oder zum Teil in einer anderen Sprache als Englisch. Vier Songs enthalten Lyrics in zwei Sprachen: Yuval Raphael singt in „New Day Will Rise“ für Israel auf Englisch, Französisch und Hebräisch. Die Esten haben die Italiener verärgert, weil sie ihren Song „Espresso Macchiato“ in einem parodiehaften Italo-Englisch performen.

Nur Songs auf Englisch haben es nicht ins Finale geschafft

Das kommt an, auch beim Publikum. Im ersten ESC-Halbfinale waren alle fünf Songs, die sich nicht für des große Finale am Samstag qualifizierten, englischsprachig.

Die Gewinner-Songs wurden zwischen 1999 und 2024 bis auf wenige Ausnahmen – Serbien (2007), Italien (2021) und Ukraine (2004, 2016, 2022) – trotzdem alle auf Englisch gesungen. Knapp wurde es 2023, als Käärijä mit dem finnischen Song „Cha Cha Cha“ zumindest den Publikumsvote gewann, dann jedoch kombiniert mit dem Jury-Vote nur auf Platz zwei landete.

Ein wenig anders sah die Sprach-Gewinn-Verteilung vorher aus. Da gab es jedoch noch andere Regeln: Als der ESC im Jahr 1956 erstmals stattfand, konnte jedes teilnehmende Land in beliebiger Sprache singen. Dennoch sangen alle in der jeweiligen Landessprache, bis sich Schweden 1965 dazu entschied, mit einem englischsprachigen Song anzutreten.

Daraufhin führte der ESC im darauffolgenden Jahr die Regel ein, dass jedes Land in einer dort offiziell anerkannten Sprache singen muss. In den 1970ern wurde die Regel kurzzeitig gekippt und wenige Jahre später wieder eingeführt.

1999 kam dann der endgültige Lift: Jedes Land durfte nun in jeder Sprache singen. Die Zahl der Song auf Englisch nahm daraufhin drastisch zu. Im Jahr 2007 gab es nur vier Lieder, die keine englischen Texte hatten.

Auch Fantasiesprachen sind erlaubt

Die einzige Regel, die seit der Geburtsstunde des ESCs ununterbrochen gilt: Jeder Song muss Gesang enthalten. Nachdem die Länder die freie Sprachwahl hatten, traten sogar Acts in Fantasiesprachen auf. Im Jahr 2006 schickten die Niederlande Treble mit dem Song „Amambanda“ ins Rennen, der zu großen Teilen in einer ausgedachten Sprache gesungen wurde. Belgien trat 2003 mit „Sanomi“ von Urban Trad komplett in Fantasiesprache an und schaffte es damit auf Platz zwei.

Zurück zum diesjährigen ESC in Basel: Gesungen wird auf Albanisch, Armenisch, Englisch, Finnisch, Französisch, Georgisch, Deutsch, Griechisch, Hebräisch, Isländisch, Italienisch, Lettisch, Litauisch, Montenegrinisch, Polnisch, Portugiesisch, Serbisch, Spanisch, Schwedisch und Ukrainisch. Ob im heutigen zweiten Halbfinale, das ab 21 Uhr ausgestrahlt wird, wohl wieder nur englischsprachige Songs rausfliegen?

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