Sternenmarkt in Otterndorf: Nazi-Rock auf dem Weihnachtsmarkt

Aufregung in Otterndorf: Beim beschaulichen Glühweintrinken dröhnt plötzlich Rechtsrock aus der Musikanlage. Jetzt hat die Polizei einen Verdächtigen.

Eigentlich ist der „Sternenmarkt“ in Otterndorf (Landkreis Cuxhaven) eine ganz beschauliche, familienfreundliche Angelegenheit, die seit vielen Jahren immer am dritten Adventswochenende stattfindet.

Doch in diesem Jahr war die Aufregung groß: Anstelle des saisonüblichen Hintergrundgedudels kam plötzlich Nazi-Rock aus den Lautsprechern. Darunter waren Lieder der verbotenen Band „Landser“ und eine Umdichtung von „An der Nordseeküste“ der Zillertaler Türkenjäger.

„Darauf haben etliche Besucher sehr schnell reagiert und Mitarbeiter der Stadt, die vor Ort waren, angesprochen, die dann auch prompt reagiert haben“, sagt der zuständige Polizeisprecher, Stephan Hertz. Am Montag gingen dann Anzeigen bei der Polizei ein.

Die ist seither unter anderem damit beschäftigt, Zeugenaussagen und Videos aus den sozialen Netzwerken auszuwerten. Außerdem hat man die USB-Sticks analysiert, die in der Musikanlage steckten, die ein externer Dienstleister im Auftrag der Stadt aufgestellt und betrieben hatte.

40-jähriger Beschuldigter ermittelt

Dabei hat man nun einen ersten Ermittlungserfolg erzielt: Aufgrund der enthaltenen persönlichen Daten konnten sie eindeutig einem 40-Jährigen aus dem Landkreis Stade zugeordnet werden, der nun als Beschuldigter vernommen wird. Er soll bisher nicht als Rechtsextremist in Erscheinung getreten sein.

Offen ist noch, ob und wie es zu weiteren musikalischen Angriffen an den folgenden Tagen, am Samstag und am Sonntag kam. „Da wird noch ermittelt, erläutert der Polizeisprecher. „Uns liegen Zeugenaussagen und Tiktok-Videos vor, die darauf hindeuten. Allerdings war die Anlage da schon außer Betrieb genommen beziehungsweise abgebaut. Möglicherweise handelt es sich um Trittbrettfahrer, die eine eigene Lautsprecherbox benutzt haben.“

Die Stadt hatte sich umgehend von den Vorfällen distanziert, der Bürgermeister Claus Johanßen äußerte sich in lokalen Medien erschüttert. Unter einem entsprechenden Post der Nordsee-Zeitung auf Facebook tummeln sich allerdings sofort die entsprechenden Trolle: Was denn hier überhaupt als rechts gelte, wollen einige wissen. Und warum diese Veranstaltung denn „Sternenmarkt“ heiße – und nicht „Weihnachtsmarkt“, wie es sich gehört.

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