Stimme aus Brasilien: Ihr werdet euch in Belém verlieben!

D ie UN-Klimakonferenz findet dieses Jahr in Belém statt, einer brasilianischen Millionenstadt im Amazonas-Regenwald. Die taz Panter Stiftung hat zu diesem Anlass zehn Jour­na­lis­t*in­nen aus allen acht Staaten in Amazonien nach Berlin eingeladen, um sich zu vernetzen, an Seminaren teilzunehmen und voneinander zu lernen. In der Kolumne „Stimmen aus Amazonien“ berichten sie davon, wie sie und ihre Landsleute auf den Gipfel in Belém blicken.

Unterkünfte für Delegierte, Journalisten und Zivilgesellschaft in Belém sind sehr teuer – die Stadt ist für eine solch große Menge von Menschen nicht ausgelegt. Eine Frau wurde im Internet zum Meme, nachdem eine Journalistin der TV-Sendung „Profissão Repórter“ von TV Globo ihr Haus am Rande der Landeshauptstadt besucht hatte.

Ohne mit der Wimper zu zucken, wurde sie von der Reporterin gefragt, wie viel das Zimmer an normalen Tagen kostet: 300 Reais (fast 50 Euro). Die Reporterin fügte hinzu: „Und wie viel kostet es während der Konferenz?“. Sie antwortete schnell: 6.000 Reais (fast 1.000 Euro).

Daraufhin gab es eine Flut von Beschwerden von Einwohnern aus Pará und Menschen, die auf der Suche nach Unterkünften während der Klimakonferenz der Vereinten Nationen waren. Ein weiteres symbolträchtiges Beispiel für die Realitätsferne einiger war das Hotel Nota 10, das gekauft, renoviert und in Hotel COP30 umbenannt wurde. Auch der Preis wurde angepasst: Die Tagespreise von etwa 200 Reais (30 Euro) stiegen auf 6.000 Reais (fast 1.000 Euro).

Kirchen haben sich für Wohnraum zusammengetan

Das Ergebnis: Etwas mehr als einen Monat vor der Veranstaltung war kein einziges Zimmer vermietet. Der Eigentümer senkte den Preis auf 1.900 Reais (275 Euro), was jedoch nicht viel half. Damit sich die Renovierung irgendwie lohnt, hat der Eigentümer das gesamte Gebäude an eine große ausländische Delegation vermietet, die das Gebäude wollte.

Nach Protesten von Brasilianern im ganzen Land haben sich die katholische Kirche und einige evangelikale Konfessionen zusammengetan, um 3.000 Betten zu symbolischen Preisen anzubieten, ähnlich wie beim Círio de Nazaré, dem wichtigsten katholischen Fest, das den Tourismus in Pará ankurbelt. Dadurch sind die Preise erheblich gesunken.

Ein weiterer Punkt, der ebenfalls etwas zu wünschen übrig lässt, ist die Frage des Umweltschutzes. Es wurden einige Bauarbeiten rund um die Igarapés (kleine Flüsse) in Belém eingeleitet. Allerdings sind die Gewässer stark verschmutzt und riechen unangenehm. Seit der Ankündigung, dass die Klimakonferenz in der Stadt stattfinden würde, hätten die Landesregierung und die Stadtverwaltung ein Programm zur Reinigung der Gewässer starten können, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Das wird – wenn überhaupt – wohl erst nach der Konferenz geschehen.

Nichtsdestotrotz: Ich war bereits zweimal in Belém. Und ich kenne die Gastronomie: Dank Tacacá (eine Art Suppe aus Jambu-Blättern und Garnelen), Açaí (das beste der Welt), Maniçoba (Eintopf aus Pará mit Maniva-Blättern und Schweinefleisch), Vatapá (Creme mit Garnelen) und Pato no Tucupi (ähnlich wie Tacacá, nur mit Ente) und so vielen anderen Köstlichkeiten werden die Besucher sich sofort in die Stadt verlieben.

Hinzu kommen noch Carimbó-Musik und -Tanz, die Naturschönheiten, historische Gebäude und Orte, die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Einwohner von Pará. All das wird die Schwierigkeiten, denen wir dort begegnen werden, wieder wettmachen. Und ich bin mir sicher: Wenn Sie einmal in Belém waren, werden Sie immer wieder zurückkommen – und vielleicht sogar dort leben wollen.

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