Streit um Taiwan: Japan wirft China gefährliche Provokation mit Kampfjets vor

dpa/afp | Chinesische Militärflugzeuge sollen japanische Kampfjets mit einem speziellen Radar zur Zielverfolgung ins Visier genommen haben. Die chinesischen Flugzeuge hätten ihren sogenannten Feuerleitradar am Samstag nahe der südjapanischen Inselgruppe Okinawa in zwei Fällen eingesetzt, teilte Japans Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi bei einer Pressekonferenz mit. Er nannte die Vorfälle „gefährlich und äußerst bedauerlich“. Japan habe scharfen Protest eingelegt und China aufgefordert, sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederhole. Eine Stellungnahme aus Peking lag zunächst nicht vor.

Die Vorfälle ereigneten sich vor dem Hintergrund eines eskalierenden Streits zwischen den beiden Nachbarstaaten um Aussagen der japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi zu Taiwan. Takaichi hatte Anfang November im Parlament gesagt, dass ein chinesischer Angriff auf das demokratische Taiwan für Japan eine „existenzbedrohende Situation“ darstellen würde, was dazu führen könne, dass Japan sein Recht auf Selbstverteidigung ausübe.

Peking fordert, dass Takaichi ihre Aussagen zurücknimmt und erhöhte den Druck unter anderem mit Reisewarnungen, gestrichenen Flugverbindungen und einem Importverbot für japanische Meeresfrüchte. Auch Japans Plan, Raketen auf der nur knapp 110 Kilometer von Taiwan entfernten Insel Yonaguni zu stationieren, stieß bei der chinesischen Regierung auf deutliche Kritik. Chinas Außenamt erklärte, Japan erzeuge damit bewusst Spannungen in der Region.

China betreibt einen Expansionskurs im pazifischen Raum, der für Spannungen mit mehreren Staaten der Region sorgt. Japan setzt vor diesem Hintergrund auf einen Ausbau seiner Sicherheitskooperation mit anderen Staaten der Region, darunter Australien. Der australische Verteidigungsminister Richard Marles hielt sich am Wochenende zu einem Besuch in Japan auf und zeigte sich „tief besorgt“ über die vom japanischen Verteidigungsministerium bekanntgegebenen Vorfälle vor Okinawa.

China betrachtet das demokratische und selbstverwaltete Taiwan als abtrünnige Provinz, die wieder mit dem Festland vereint werden soll – notfalls mit militärischer Gewalt. Japan hatte die Insel Taiwan, die nur rund 60 Kilometer von der nächstgelegenen japanischen Insel entfernt liegt, bis 1945 jahrzehntelang besetzt gehalten.

China erhöht Druck auf Japan

Zu den Vorgängen am Samstag südöstlich von Okinawa erklärte das japanische Verteidigungsministerium, bei dem ersten der Vorfälle habe ein vom Flugzeugträger „Liaoning“ der chinesischen Marine gestartetes J-15-Kampfflugzeug wiederholt für kurze Zeit seinen Feuerleitradar auf ein japanisches F-15-Kampfflugzeug gerichtet. Der japanische Jet sei zuvor wegen des Eindringens des chinesischen Flugzeugs in den Luftraum alarmiert worden.

Der zweite Vorfall habe sich etwa zwei Stunden später ereignet. Dabei habe ein ebenfalls von der „Liaoning“ gestarteter J-15-Jet ein anderes japanisches Kampfflugzeug mit seinem Feuerleitradar erfasst, erklärte das Verteidigungsministerium. Der Feuerleitradar dient Kampfjetpiloten dazu, sich bewegende Ziele im Visier zu behalten – und gibt ihnen die Möglichkeit, auf sie zu feuern. Moderne Kampfflugzeuge können über Bordsysteme erkennen, wenn sie ein anderes Flugzeug mit dem Feuerleitradar erfasst.

Japans Verteidigungsminister Koizumi gab vor Journalisten bekannt, dass seine Regierung gegenüber Peking ihren „energischen Protest“ gegen das Vorgehen der chinesischen Armee zum Ausdruck gebracht habe. Die chinesische Marine bezeichnete die japanischen Darstellungen jedoch als „komplett unvereinbar mit den Fakten“. Sie forderte die Regierung in Tokio auf, „unverzüglich die Verunglimpfungen und Verleumdungen zu beenden“.

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