Streit zwischen Trump und Musk: Kampf der Alphamännchen

E s ist noch nicht so lange her, da saßen US-Präsident Donald Trump und sein Buddy Elon Musk samt Sohn gemeinsam am Oktagon. Durchs Käfiggitter schauten sie zu, wie sich drinnen die Kämpfer einer Veranstaltung von Trump-Günstling und UFC-Chef Dana White nach allen Regeln der Mixed Martial Arts tüchtig einschenkten. Seit dieser Woche, so scheint es, sind Trump und Musk eher inner- als außerhalb des Oktagons zu finden. Und die halbe Welt schaut zu.

Was sich die beiden gegenseitig auf ihren jeweiligen Social-Media-Plattformen an den Kopf werfen, wie sie sich gegenseitig verfluchen und bedrohen, ist natürlich ganz großes Kino. Politik und Inszenierung, Ego und Inhalt, Ursache und Wirkung – nichts ist mehr eindeutig auseinanderzuhalten in diesem Clash zwischen dem reichsten Mann der Welt und demjenigen, dem er geholfen hat, der mächtigste zu werden.

Aber über all dem, über all der – vermutlich sogar angebrachten – küchenpsychologischen Binsenweisheit, dass an er Spitze der US-Regierung eben nur Platz für ein Alphamännchen ist, geht die politische Betrachtung ein wenig verloren. Denn Elon Musk hat mindestens dreifachen Schaden angerichtet: Erst hat er mit über 280 Millionen Dollar in den Wahlkampf eingegriffen und nicht nur Trumps, sondern auch weiteren MAGA-Kandidaten zum Sieg verholfen.

Dann hat er als Leiter des Staatszerstörungskommandos DOGE dafür gesorgt, dass gut funktionierendes kaputtgeht, Datenschutzregeln ausgehebelt werden und nach der Zerschlagung von USAID Millionen Menschen weltweit ohne Lebensmittel- und medizinische Versorgung dastehen. Und schließlich bietet er Trump sogar noch die Möglichkeit, Verantwortung für das angerichtete Desaster von sich selbst auf Musk abzuwälzen – Schuldabwehr wie immer bei Trump.

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Tesla und Trump in den Abgrund?

Es wird spannend zu sehen, ob mit diesem öffentlich ausgetragenen Bruch das gesamte Bündnis zwischen Trump und den Tech-Milliardären wieder vorbei ist – und wenn, was das heißt. MAGA-Ideologen wie dem ehemaligen Chefstrategen Stephen Bannon war Musk und sein rasanter Bedeutungsaufstieg schon immer ein Dorn im Auge: dieser Novice müsse erstmal den politischen Kampf und seine Ziele verstehen lernen, hatte Bannon schon vor Monaten geätzt.

Jetzt legt er nach und fordert Musks sofortige Abschiebung, weil sich der Südafrikaner illegal im Land aufhalte. Und so könnte der Abgang von Musk bedeuten, dass sich Trump wieder auf die Kernklientel der MAGA-Bewegung fokussiert statt auf ihre Financiers. Allerdings dürfte das lediglich das Erscheinungsbild betreffen, nicht den Kern der Politik. Was Musk mit DOGE zumindest in Teilen umgesetzt hat, Staatszerstörung, ist immer zentraler Bestandteil von Bannons Doktrin gewesen.

Das wird auch genau so bleiben. Musk kritisiert ja auch nicht, was an Trumps Politik tatsächlich abscheulich ist, von rassistischer Anti-Migrationspolitik bis zum Kampf gegen Rechtsstaat, Wissenschaft und Arbeitnehmer*innenrechte. Und für den von Trump beförderten antifeministischen Backlash in allen Bereichen steht Musk geradezu prototypisch.

Ein paar spannende Fragen gibt es. Auf welche Seite etwa schlägt sich Joe Rogan, der erfolgreichste Podcaster aller Zeiten, der kurz vor der Wahl im November im Anschluss an eine Folge mit Elon Musk eine viel beachtete Wahlempfehlung für Donald Trump aussprach?

Irgendwie bleibt ja die Hoffnung, dass die Wäh­le­r*in­nen von dem Chaos um Trump bald die Nase voll haben, so dass die lethargischen De­mo­kra­t*in­nen bei den midterm elections im November kommenden Jahres womöglich doch Teile der Macht zurückerobern können. Wenn Musks rumpolterndes Auftreten wenigstens dazu beiträgt, dass er nicht nur die eigenen Unternehmen, sondern auch Trump mit in den Abgrund zieht, dann, aber nur dann, könnte man doch noch ein herzliches Dankeschön sagen.

  • informationsspiegel

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