Verbot von Kaiserschnitten in der Türkei: Autoritäre Machtdemonstration

Präsident Erdoğan will Kaiserschnitte verbieten, um damit die Geburtenrate zu erhöhen. Das ist keine sinnvolle Familienpolitik, sondern Willkür.

W ährend landesweit Menschen gegen die Festnahme des beliebten Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu und gegen die AKP-Regierung protestieren, verlagert sich der politische Schauplatz auf den weiblichen Körper. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat 2025 zum „Jahr der Familie“ erklärt – eine Rhetorik, die mehr nach Kontrolle als nach Fürsorge klingt. In dieser angespannten Lage erlässt die Regierung ein Verbot für Kaiserschnittgeburten ohne medizinische Notwendigkeit in privaten Kliniken. Die entsprechende Verordnung wurde im Amtsblatt veröffentlicht.

Was als gesundheitspolitische Maßnahme erscheint, entpuppt sich schnell als autoritäre Machtdemonstration – und als durchschaubarer Versuch, von den Protesten und politischen Spannungen im Land abzulenken. Die Entscheidung, wie eine Frau gebären darf, wird zur Staatsangelegenheit erklärt, und ihre körperliche Selbstbestimmung wird gezielt eingeschränkt. Besonders bezeichnend dafür ist die PR-Kampagne des Gesundheitsministeriums in der Fußballliga: Spieler liefen mit dem Slogan „Natürliche Geburt ist natürlich“ aufs Spielfeld. Ausgerechnet Männer erklären Frauen, wie sie gebären sollen – ein Eigentor in Sachen Gleichberechtigung.

Dieser Bauchentscheid zeigt, wie der Staat mal wieder die Realität der Frauen ignoriert. Die Regierung argumentiert, man wolle das Bevölkerungswachstum nachhaltig fördern. Dieser Anspruch wirkt zynisch: Dieselben Politiker, die sich als „Geburtshelfer“ inszenieren, schaffen wirtschaftliche Unsicherheit und erschweren eine Familiengründung. Auch der unterschwellige Vorwurf, Frauen würden sich leichtfertig für einen Kaiserschnitt entscheiden, offenbart ein tiefes Misstrauen gegenüber weiblicher Entscheidungsfähigkeit. Ein patriarchales Narrativ eben, welches sich wie ein roter Faden durch die Sozial- und Familienpolitik der vergangenen AKP-Jahre zieht.

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In einer Zeit, in der Demokratie, Presse­freiheit, Justiz unter Druck stehen, wirkt dieser Eingriff in das intimste aller Rechte wie ein chirurgischer Präzisionseingriff in die Selbstbestimmung. Ganz ohne Narkose, versteht sich.

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