Verleihung der Europäischen Filmpreise: Beim Film fällt Zustimmung leichter als in der Politik

Braucht man den Begriff des „anderen“? Bei der Verleihung der 38. European Film Awards am Samstagabend in Berlin wurde diese Frage mehrfach gestellt. Bereits bei seiner Begrüßung sprach der scheidende Vorsitzende der Europäischen Filmakademie Mike Downey über die Kraft der Kultur, „aus dem anderen ein Wir“ zu machen.

Die norwegische Ehrenpreisträgerin Liv Ullmann, die mit den Worten „ich zittere nicht, weil ich nervös bin, sondern wegen meines Alters“ nonchalant 87 Jahre Erfahrung präsentierte, sah es ähnlich: „There are no ‚the Others‘ in this world. We are all together“, sagte sie, und kommentierte spitz die Schenkung der Nobelpreismedaille an Trump durch die venezolanische Oppositionsführerin. Auch Joachim Trier, dessen sensibles Familiendrama „Sentimental Value“ mit sechs Preisen geehrt wurde, nahm den Gemeinschaftsgedanken auf: „The other ist not our enemy.“

Aber in der „Filmfamilie“ fällt Zustimmung generell leichter als in der Politik. Gestritten wird hier stattdessen über Geschmack. Dass die knapp 5.400 Mitglieder der Akademie Triers wunderbaren Film zum Gewinner des Abends machten, aber den erzählerisch noch ungewöhnlicheren, vielfach nominierten, am Ende für das beste Kostüm ausgezeichneten „In die Sonne schauen“ ein wenig zu ignorieren schienen, ist bezeichnend für die Crux mit Akademiepreisen: Man weiß nie, wie viel Zeit die Mitglieder wirklich für das Filmegucken aufbringen können.

Schließlich haben sie (hoffentlich) noch andere Jobs. Und für die visuelle Brillanz von Oliver Laxes Wüstentrip „Sirāt“, der mit fünf Gewerkepreisen bedacht wurde, ist eine riesige Leinwand elementar.

Neben dem Trump-Seitenhieb blieb vom ansonsten eher unpolitischen Abend vor allem eine eindringliche Rede des iranischen Regisseurs Jafar Panahi im Gedächtnis: „Die ganze Welt steht auf dem Spiel“, sagte er und rief die Filmschaffenden zu Solidarität auf. Seine Beschreibung der Gewalt, die die iranische Regierung ausübt, wirkte beängstigend: „Sie löschen das Licht, damit sie im Dunkeln agieren können.“

Die Untertitelung stimmte nicht

Ansonsten war der Abend im Haus der Kulturen der Welt von ungewöhnlichen cineastischen Elementen wie einem Daumenkino mit Filmausschnitten geprägt, das jeder Gast in seiner Sitztasche fand. Und dass die 2025 geehrte Komponistin Dascha Dauenhauer die Anwärter für die „Beste Musik“ live auf dem Klavier anspielte und erklärte, gehörte zu den Höhepunkten: So konzentriert und exzellent wird bei Preisshows selten agiert.

Nur die Untertitelung stimmte hinten und vorne nicht, sodass man zuweilen weder wusste, wer spricht, noch, was er oder sie sagte. Angesichts der Diskussionen um jobvernichtende KI hoffte man da im Stillen auf menschliches Versagen. Und wollte einem solchen am liebsten gleich noch die teilweise schauderhaften Bühnenhintergrundbilder unterschieben, die aussahen, als ob ein Progrock-Plattencover sich mit einer Raffaello-Werbung gepaart und Slops geboren hat: Eine zarte rote Stoffschärpe flattert durch ein Abbruchhaus … auf einem Feld leuchten Kartoffeln von innen … in einem Mid-Century-Designwohnzimmer steht eine schleudernde Waschmaschine …. Hoffentlich wäscht sie nicht die europäische Weste weiß.

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