Der Wahlsieg von Brasiliens linkem Präsidenten zeigt, was digitale Massenmobilisierung bewirken kann. Das macht Hoffnung in Zeiten des Rechtsrucks.
L ula macht’s noch einmal: Der fast 81-jährige linke Staatschef von Brasilien hat mit seinem überraschenden Sieg über den ultrarechten Autokraten und Milizenfreund Flávio Bolsonaro seine vierte Amtszeit gesichert und damit wieder einmal die Demokratie im größten südamerikanischen Land gerettet.
Aber Lulas Sieg weist weit über Brasiliens Grenzen hinaus. Er erhält das Land als Bollwerk gegen den von den USA unterstützten Rechtsruck in Lateinamerika. Er kann eine Inspiration für die Midterms in den USA Anfang November sein. Er hat gezeigt, dass die alternde Arbeiterpartei PT – oder zumindest ihre Themen – massenweise junge Leute auf die Straßen locken kann.
Und er ist ein Beweis dafür, was eine gleichzeitig digitale und analoge Massenmobilisierung bewirken kann: mehr als zehn Millionen Stimmen mehr in nur drei Wochen und die niedrigste Enthaltungsrate seit 20 Jahren. Die Mobilisierung hat nicht nur den politischen Gegner besiegt, sondern auch die Taktik der Falschmeldungen, die mögliche Einmischung der Big-Tech-Unternehmen und die tendenziöse Berichterstattung in Print und TV.
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Bei den TV-Auftritten der Kandidaten war der Unterschied zwischen einstudierter Marketingperformance und authentischer Begeisterung für das eigene Land offensichtlich. Und auf den Demonstrationen für den Erhalt der Demokratie im Vorfeld der Wahl war die Kraft, die entsteht, wenn Hunderttausende für die gleiche Sache kämpfen, deutlich zu spüren. Dass im Jahrhundert der Individualisierung so noch ein Wahlkampf gewonnen werden kann, weckt Hoffnung.
Lula wird es nicht leicht haben. Er wird mit einem Kongress regieren, der zu zwei Dritteln rechts dominiert ist und seine Vorhaben leicht aushebeln kann. Und er hat so viele Sozialprogramme angekündigt, dass er wirtschaftlich unter Zugzwang gerät.
Andererseits hat der Amtsinhaber in den vergangenen Wochen reichlich Gelegenheit gehabt, dazuzulernen. Digitale Kommunikation lehnt er nach dem Erfolg seiner Whatsapp-Kampftruppe nicht mehr ab. Seit weniger als einer Woche besitzt der Oldschool-Kommunizierer sogar ein eigenes Handy. In Zukunft will er mehr auf die Jugend hören, sagt er, und die Bevölkerung mehr in Entscheidungen einbeziehen. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für einen Wandel.
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