Wirtschaftsprobleme in Argentinien: Tierische Befindlichkeiten

D ie Collie-Dame Reina ist die liebste Freundin meiner Hündin Pinky. Entsprechend schnell wedeln jetzt beide zur Begrüßung mit dem Schwanz. „Bellt Ihre Hündin, wenn Sie den Namen Lula hört?“, fragte mich neulich Reinas Frauchen. Ein Journalist, erzählt sie, habe Präsident Javier Milei beim Weltwirtschaftsforum in Davos gefragt, ob seine Hunde bellen, wenn sie den Namen des brasilianischen Präsidenten hören, oder ob er nicht vielleicht sogar einen Lula nennen wolle. Und Milei antwortete grimmig Miene: „Niemals würde ich meine Hunde mit dem Namen eines Linken beleidigen.“

Milei hat vier englische Mastiffs und gerade wieder einmal gezeigt, wie sehr er seine Hunde liebt. Er ist aus der Präsidentenresidenz in das umgebaute alte Zeughaus gezogen, um näher bei seinen „vierbeinigen Kindern“ (O-Ton Milei) zu sein, die Milton, Murray, Robert und Lucas heißen, nach den liberalen Ökonomen Milton Friedman, Murray Rothbard und Robert Lucas.

„In Sachen Freihandel hat Milei aber mehr mit Lula gemeinsam als mit den europäischen Rechtsextremen oder US-Präsident Donald Trump“, gebe ich zu bedenken. In Davos sei Milei schließlich erst richtig sauer geworden, als im Europaparlament das Mercosur-EU-Abkommen mit nur wenigen Stimmen Mehrheit zur Überprüfung an den Europäischen Gerichtshof weitergereicht wurde.

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„Einige der entscheidenden Stimmen kamen von den spanischen Rechtsextremen der VOX“, sage ich. „Das stimmt“, meint das Herrchen des Boxer-Rüden aus der Parallelstraße, dessen Hund von Reina und Pinky zur Begrüßung beschnuppert wird. Schließlich hatte Milei nach der Unterzeichnung des Abkommens dessen rasche Ratifizierung angekündigt. Und was den libertären Präsidenten immer besonders stört, ist, dass sich seine vermeintlichen internationalen Verbündeten stets als überzeugte Protektionisten entpuppen und ihn mit seiner Freihandelsrhetorik allein lassen.

„Das ist wahrscheinlich der Grund, warum er sich jetzt mit Paolo Rocca anlegt“, meint das Boxer-Herrchen. Paolo Rocca ist nicht nur der zweitreichste Mann Argentiniens. Er ist vor allem CEO der Techint-Gruppe. Der italienisch-argentinische Mischkonzern ist die tragende Säule der argentinischen Industrie und weltweit führend bei nahtlosen Stahlrohren. Auch im Bergbau- und Energiesektor sowie im Baugewerbe und im Gesundheitsbereich spielt Techint eine wichtige Rolle.

Bellt nur, wenn es drauf ankommt: Pinky aus Buenos Aires

Foto: Jürgen Vogt

Als „Don Schrotthändler mit den teuren Rohren“ hatte Milei Rocca beschimpft. „Diejenigen, die teurere Produkte von geringerer Qualität anbieten, verdienen es nicht, vom Markt bevorzugt zu werden, und wenn sie dies durch zwielichtige Geschäfte mit dem Staat erzwingen wollen, müssen sie verschwinden und in Konkurs gehen“, hatte der Präsident nachgelegt. Es geht um den Auftrag über Stahlrohre für eine Pipeline, durch die einmal Gas aus dem Fracking-Gebiet Vaca Muerta in Patagonien zu einem Hafen an der Atlantikküste strömen soll, wo es dann als Flüssigerdgas auch nach Deutschland verschifft werden soll. Und obwohl es eine geschäftliche Angelegenheit privater Unternehmen ist, verkündete Javier Mileis Deregulierungsminister Federico Sturzenegger in aller Öffentlichkeit, dass Techint mit seinem Angebot 40 Prozent über dem des indischen Unternehmen Welspun liege, weshalb der Auftrag nach Indien gehe.

Bisher hatte Techint jeden Auftrag für den Pipeline-Bau in Argentinien bekommen. „Jetzt ist Schluss mit den jahrzehntelangen Mauscheleien nationaler Unternehmen und den jeweiligen Regierungen“, meint dazu das Herrchen von dem Boxer-Rüden aus der Parallelstraße. Reinas Frauchen zeigt sich dagegen nachdenklich. „Wir kaufen billige Stahlrohre in Indien, und gleichzeitig hat Trump einen Zoll von 20 Prozent auf argentinische Stahlrohre verhängt. Das kann auf Dauer nicht gutgehen“, sagte sie. Und jetzt haben unsere Hunde genug und ziehen uns an den Leinen auseinander.

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