Wirtschaftsweise für Tempolimit: Sparen drückt die Preise nicht

Langsamer und überhaupt weniger Auto zu fahren, ist in vieler Hinsicht sinnvoll. Nur reicht es als Mittel gegen die hohen Spritpreise nicht aus.

E ndlich mal ein guter Vorschlag aus der marktradikalen Ecke: Die Ökonomin Veronika Grimm, eine der Lieb­lings­be­ra­te­r:in­nen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), plädiert für ein temporäres Tempolimit, um den Bür­ge­r:in­nen zu signalisieren, die Lage ernstzunehmen und Sprit zu sparen. Doch anders als die üblichen Vorschläge mit sozialer Schlagseite, die sonst von Grimm kommen, findet dieser leider nicht den Beifall der Ministerin.

Käme ein Tempolimit, hätte die Energiekrise wenigstens einen Kollateralnutzen. Dass es wegen des Klimas und weniger Unfalltoten nötig ist, liegt auf der Hand. Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland will ohnehin ein Tempolimit. Aber die Christ­de­mo­kra­t:in­nen nicht. Vorläufig jedenfalls. Denn die jetzige Ölkrise könnte auch die hartgesottenen Geschwindigkeits-Junkies zum Umdenken zwingen.

Entspannt sich die Lage am Persischen Golf in den kommenden Wochen nicht, werden nicht nur die Preise weiter steigen. Früher oder später wird es dann einen Mangel geben. Für diesen Fall muss die Bundesregierung Vorbereitungen treffen – tritt er nicht ein, umso besser. Kommt aber ein echter Ölschock, ist eine schnelle Senkung des Verbrauchs wichtig. Geschwindigkeitsbegrenzungen sind sofort umsetzbar, autofreie Sonntage oder Homeoffice-Angebote ebenfalls.

=”” span=””>

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

=”” div=””>

Auch die Halbierung der Ticketpreise für den Fernverkehr und eine Preissenkung für das Deutschlandticket sind schnell machbar und sinnvoll. Allerdings: Die „Wirtschaftsweise“ Grimm fordert ein Tempolimit, um gleichzeitig Maßnahmen zur Preiskontrolle zu verdammen. So einfach ist die Sache aber nicht. Die hohen Preise sind wegen der damit verbundenen Inflationsgefahr und der finanziellen Folgen für Gering- und Durchschnittsverdienende ein Problem, das die Bundesregierung lösen muss.

Das ist komplex, wenn es nicht auf eine bloße Subventionierung der Mineralölkonzerne hinauslaufen soll. Eine kluge Kombination von Preisdeckel und Übergewinnsteuer könnte eine Lösung sein.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Odessa unter den russischen Angriffen: Der Feind spricht Russisch. Ist Russisch ein Feind?
    • April 6, 2026

    Die ukrainische Metropole am Schwarzen Meer ist Ziel intensiver russischer Angriffe. Der Umgang mit allem Russischen ist Dauerstress. Oder doch nicht? mehr…

    Weiterlesen
    Krieg USA–Iran: Nachtschicht für die Waffenruhe
    • April 6, 2026

    Ein Waffenstillstand zwischen Iran und den USA hat als vorrangiges Ziel, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Iran will einen Nichtangriffspakt. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Odessa unter den russischen Angriffen: Der Feind spricht Russisch. Ist Russisch ein Feind?

    • 2 views
    Odessa unter den russischen Angriffen: Der Feind spricht Russisch. Ist Russisch ein Feind?

    Krieg USA–Iran: Nachtschicht für die Waffenruhe

    • 3 views
    Krieg USA–Iran: Nachtschicht für die Waffenruhe

    Wehrpflichtdebatte: Willkommen in Absurdistan

    • 3 views
    Wehrpflichtdebatte: Willkommen in Absurdistan

    Männer zur Meldepflicht beim Militär: „Ich würde mich nicht bei denen melden“

    • 2 views
    Männer zur Meldepflicht beim Militär: „Ich würde mich nicht bei denen melden“

    Männer müssen sich bei Militär melden: Einfach Eier schaukeln im Ausland ist nicht

    • 2 views
    Männer müssen sich bei Militär melden: Einfach Eier schaukeln im Ausland ist nicht

    Feministische Architekturliteratur: Das erfundene Genre

    • 3 views
    Feministische Architekturliteratur: Das erfundene Genre