Wissenschaft auf Tiktok: Prof gefeuert, Unterricht läuft

Dass auch heute noch so viele „Der Club der toten Dichter“ schauen, das habe Professor John Friedman nicht gewusst. Noch weniger hat er damit gerechnet, in den vergangenen Wochen mit dem von Robin Williams gespielten Lehrer John Keating verglichen zu werden.

Dabei ist es naheliegend: Wer Friedman von seinem Fach, der Anthropologie, sprechen hört, hört Leidenschaft.

Und zugehört wird ihm: Sein meistgeklicktes Tiktok-Video erreichte über 36 Millionen Menschen. „Sie haben unseren Prof gefeuert, aber der Unterricht ist noch nicht vorbei“, heißt es dort. Im Hintergrund läuft ein Zusammenschnitt des Dozenten, der seine Vorträge draußen hält – teils bei Regen, immer umringt von interessierten Studierenden.

Friedman ist nicht der Einzige, der nach Semesterende nicht mehr am niederländischen University College Roosevelt angestellt sein wird. Laut ihm wurden 30 Prozent der Fakultät entlassen, die Universität spricht von 25 Prozent. Grund dafür sei das fehlende Budget. Die Regierung habe Förderungen gestrichen und plane ein Gesetz, das die Anzahl internationaler Studierender reduzieren soll. Leidtragende seien laut Friedman überwiegend die Human- und Sozialwissenschaftler:innen.

Komplexes Denken bitte

Dass andere Fächer mehr Geld einbringen könnten, wisse auch er. Dennoch könne die Lösung nicht darin liegen, eine öffentliche Bildungseinrichtung wie ein profit­orientiertes Unternehmen zu führen.

Denn es brauche in unserer Gesellschaft neben den Naturwissenschaften eben auch Köpfe, die andere Fragen stellen. Die Anthropologie helfe, „aufzuzeigen, dass Dinge, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, sehr viel komplexer sind“, so Friedman. Donald Trump, der das Bildungsministerium auflösen will und eine Alice Weidel, die davon fantasiert „alle Genderstudies [zu] schließen“ und „diese Professoren raus[zu]schmeißen“, bedrohen das komplexe Denken.

Gerade auf Tiktok, der Plattform, die oft und teils auch zu Recht kritisiert wird, einen so konstruktiven und leidenschaftlichen Austausch von Menschen zu sehen, die sich für die Wissensvielfalt einsetzen (Tiktok: „jtfriedman1“), macht Mut. Friedmans Vorlesungen gibt es auch in voller Länge auf Youtube.

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