Zeremonie am Holocaust-Gedenktag: „Wir müssen die Erinnerung hochhalten“

Berlin dpa/rtr | Mit einer zentralen Gedenkzeremonie am Ort des früheren deutschen Vernichtungslagers Auschwitz wird am Montag in Polen der Befreiung vor 80 Jahren gedacht (16.00 Uhr). Deutschland wird bei der Veranstaltung in der Gedenkstätte unter anderem von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vertreten. Erwartet werden zudem dutzende weitere Staats- und Regierungschefs aus aller Welt sowie 40 bis 50 Auschwitz-Überlebende.

Polens Präsident Andrzej Duda eröffnet das Gedenken mit einem Grußwort, darüber hinaus sind keine politischen Reden geplant. Im Mittelpunkt der Zeremonie sollen die Überlebenden stehen. Bundespräsident Steinmeier will nach einem Rundgang über das einstige Lagergelände ein kurzes Statement vor der Presse geben (gegen 14.00 Uhr).

Bundeskanzler Scholz ruft in einem Interview mit mehreren Zeitungen dazu auf, sich stärker um die Erinnerung der jüngeren Generation an den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden zu bemühen. „Es muss uns bedrücken, wie viele junge Menschen in Deutschland kaum noch etwas über den Holocaust wissen“, sagte Scholz. Der Kanzler sieht einen „Auftrag an uns alle, daran etwas zu ändern“.

Scholz nannte es „wichtig, dass wir möglichst vielen jungen Menschen ermöglichen, mit den noch lebenden Zeitzeugen zu sprechen. Und wir müssen die Erinnerung hochhalten, wenn die letzten Zeugen einmal nicht mehr leben.“ Das Interview führten die Neue Berliner Redaktionsgesellschaft, die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“.

Im Konzentrationslager Auschwitz wurden zwischen 1940 und 1945 rund 1,1 Millionen Menschen ermordet. Das Lager wurde zum Symbol der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Am 27. Januar 1945 wurden die letzten Gefangenen, die nicht auf die Todesmärsche getrieben wurden, von der sowjetischen Roten Armee befreit. Der 27. Januar ist seit 2005 internationaler Holocaust-Gedenktag. Insgesamt ermordete Nazi-Deutschland etwa sechs Millionen Juden*Jüdinnen.

Dazu ermordeten die Deutschen weitere Millionen sowjetischer Kriegsgefangener sowie nichtjüdische Zi­vi­lis­t*in­nen oder ließ sie bewusst zugrunde gehen. Vorangegangen war der Mordpolitik in Osteuropa die sogenannte Aktion T4, bei der Nazi-Deutschland gezielt Menschen mit Behinderung und psychischen Krankheiten ermordete.

Die Verfolgung von Menschen mit Behinderung wird nach Ansicht des Sozialverbandes VdK beim Gedenken noch immer nicht hinreichend berücksichtigt. „Die systematische Ermordung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung war eine der dunkelsten Stunden in der Geschichte, geprägt von unermesslicher Behindertenfeindlichkeit“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Montag).

Es sei wichtig, die Vielfalt der Opfergruppen des Nationalsozialismus im Gedenken abzubilden. Das verdeutliche die allgemeine Menschenfeindlichkeit des Systems und halte alle wachsam „für neu aufkeimende Menschenfeindlichkeit in der Gesellschaft“.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung
    • July 10, 2026

    Christine Wunnicke hat den diesjährigen Büchnerpreis verliehen bekommen. Federleicht verbindet sie mikroskopisch genaue Erkundungen mit Humor. mehr…

    Weiterlesen
    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“
    • July 10, 2026

    In Deutschland soll die Teilzeitkrankschreibung eingeführt werden, Vorbild ist Schweden. Wie funktioniert es dort? mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung

    • 10 views
    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung

    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“

    • 13 views
    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“

    Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“

    • 10 views
    Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“

    Neuer Job für Tübinger OB: Palmer macht den Musk

    • 11 views
    Neuer Job für Tübinger OB: Palmer macht den Musk

    Hitze, Klima, Wohnen: Was das Kapital nicht schafft

    • 9 views
    Hitze, Klima, Wohnen: Was das Kapital nicht schafft

    Wahlarena in Mecklenburg-Vorpommern: Wie will die CDU im Osten ohne AfD und Linke regieren?

    • 11 views
    Wahlarena in Mecklenburg-Vorpommern: Wie will die CDU im Osten ohne AfD und Linke regieren?