
afp/dpa/taz | Die Gewerkschaft IG Metall hat einen Medienbericht, wonach der VW-Vorstand das Aus von vier Werken in Deutschland bereits beschlossen hat, scharf zurückgewiesen. „Alles Unsinn, Unfug, Kokolores“, erklärte die Gewerkschaft am Mittwoch. Für derartige Entscheidungen brauche es stets die Zustimmung des Aufsichtsrats.
Die Wirtschaftswoche hatte am Dienstag berichtet, der VW-Konzernvorstand plane, die Produktion in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm ab 2031 wegen fehlender neuer Aufträge enden zu lassen. Nur falls es die Werke schafften, ihre Fabrikkosten bis Ende Juni 2027 auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken, würde eine weitere Belegung zumindest geprüft, berichtete die Zeitung unter Verweis auf ein Papier des Vorstands, das mit Blick auf eine Sitzung des Aufsichtsrates am Freitag vorbereitet und beschlossen worden sei. Für das „Leerlaufen“ der Produktionen brauche es keine Zustimmung des Aufsichtsrates.
Dem widerspricht die IG Metall vehement: Der Vorstand könne das Schließen von Werken nicht am Aufsichtsrat vorbei durchsetzen. „Was derzeit aus dem Umfeld von Volkswagen zu vernehmen und in den Medien zu lesen ist, lässt zumindest den Schluss zu, dass der Vorstand weitreichende strukturelle Veränderungen vorbereitet“, erklärte der IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger. Bei strategischen Weichenstellungen dieser Größenordnung führe an den Kontroll- und Zustimmungsrechten des Aufsichtsrats aber „kein Weg vorbei“.
Gröger warf dem Konzernvorstand vor, „neue Eskalationsszenarien über die Medien zu kommunizieren und damit Beschäftigte, Standorte und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu verunsichern“. Derzeit entstehe der Eindruck, dass die Chefetage zunehmend den Konflikt suche. „Wir wollen ihn ausdrücklich nicht. Aber wir werden keine Maßnahmen akzeptieren, die kurzfristige Entlastungen bedeuten und am Ende zur Abrissbirne für ganze Werke werden“, sagte der Gewerkschafter.
Land Niedersachsen will Standorte retten
Volkswagen steckt wie auch die anderen deutschen Autobauer in einer Absatzkrise. Konzernchef Oliver Blume hatte deshalb schon im Juli weitere Sparbemühungen angekündigt und weitere 50.000 Stellenstreichungen und Werksschließungen in den Raum gestellt. Genannt werden immer wieder die Standorte in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm, für die Anfang der 2030er Jahre die Belegungen auslaufen.
Landesregierung Niedersachsen
Auf einer Reise zu verschiedenen deutschen VW-Standorten im Laufe der vergangenen Woche dann hatten sich Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz hingegen bemüht, ihre Pläne zu verharmlosen und Werksschließungen als „letzte und teuerste“, aber längst nicht beschlossene Maßnahme zu präsentieren.
Niedersachsens Landesregierung bekräftigte derweil am Mittwoch, sich für den Erhalt aller deutschen Standorte einsetzen zu wollen. „Wir werden uns als Landesregierung um jeden Standort bemühen – nicht nur in Niedersachsen, sondern auch bundesweit“, betonte ein Sprecher von Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt. „Ein Standort in Neckarsulm ist genauso wichtig wie ein Standort in Zwickau, wie ein Standort in Hannover, wie ein Standort in Emden.“
Vor der möglicherweise wegweisenden Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag zu den Sparplänen ringe die Landesregierung nun weiter um eine Verständigung zwischen Unternehmen und Belegschaft.
Verunsicherung unter den VW-Mitarbeiter:innen
Konzepte, die Werksschließungen, einen massiven Rückbau der Beschäftigung und die Aushöhlung des VW-Gesetzes in den Mittelpunkt stellten, seien für die Landesregierung aber nicht zustimmungsfähig. Das VW-Gesetz sichert dem Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Anteile an VW hält, maßgeblichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen bei Volkswagen.
Gleichzeitig bedauerte die Landesregierung, dass die Beratungen zum weiteren Kurs von VW nicht komplett vertraulich liefen. „Es ist nicht hilfreich, wenn da von interessierter Seite immer wieder Dinge in die Öffentlichkeit gespielt werden“, sagte der Sprecher. Bei den Mitarbeiter:innen von VW und ihren Familien führe das zu einer massiven Verunsicherung.






