Ende des Brics-Gipfels: Guterres diskreditiert die Vereinten Nationen

O b in Kasan die Häppchen besser schmecken als woanders? Süßer, sahniger, deliziöser als in der Schweiz? Dorthin, auf den Bürgenstock, wo in diesem Juni knapp 60 Staaten zusammenkamen, um über Wege aus dem Krieg in der Ukraine zu beraten, hat sich der UN-Generalsekretär Antonío Guterres nämlich nicht begeben. Wie auch der, der diesen Krieg überhaupt in Gang gesetzt hatte: Russlands Präsident Wladimir Putin. Er bezeichnet diesen Krieg, bei dem die russische Armee seit fast 980 Tagen sein Nachbarland zerstört, weiterhin als „militärische Spezialoperation“.

Nun treffen sich Guterres und Putin aber in Kasan. Der höchste Repräsentant des Völkerrechts kostet tatarisches Süßgebäck bei einem Verächter des Völkerrechts. „Ja, schmeckt“, nickt er. Was für ein Geschenk für Putin! Zumal Guterres ganz vertrauensselig in die Kameras blickt und seinen Sprecher ausrichten lässt, es sei „Standardpraxis“, zu Brics-Gipfeln zu reisen. Schließlich kämen in Kasan wichtige Staaten zusammen.

Standardpraxis, das Völkerrecht ad absurdum zu führen? Standardpraxis, den völkerrechtswidrigen Krieg, den Putin gegen die Ukraine führt, mit seinem Besuch am runden Tisch der Brics-Gruppe in Russland zu normalisieren? Damit hat Guterres die UN diskreditiert. Er findet offenbar nichts dabei. Und er findet nichts dabei, wenn Staaten wie Iran, China und Russland auf offener Bühne vom „diktatorischen Westen“ faseln, wenn sie verlogen von einem „demokratischen wie transparenten System“ sprechen, das „Menschenrechte fördert“, und welches sie innerhalb der Brics-Gruppe aufgebaut hätten.

Er findet offenbar nichts dabei, dass die Ukrai­ne in der Abschlusserklärung noch weit hinter dem Schutz von Großkatzen auftaucht. Er sitzt da, bohrt sich im Ohr und sagt: „Wir brauchen Frieden.“ Kein Staatenlenker, der am Tisch in Kasan Platz nimmt, der fröhlich mit dem Fuß wippend den Klängen von „Kalinka“ im Kasaner Kreml zuhört, verurteilt Putin für das, was der Diktator der Ukraine und auch seinem eigenen Land antut. Auch Guterres tut das nicht, mag er auch auf die UN-Charta samt territorialer Integrität aller Länder hinweisen. So spielt er das Propagandaspiel Putins mit und lässt sich von staatstreuen russischen Medien vorführen.

Guterres liefert autoritären Staaten, die sich in der Putin-Show sonnen, die Bestätigung für all das, was diese Staaten ohnehin genüsslich von sich geben: Der Westen sei am Ende. In Kasan wird dem Westen demonstrativ die Tür gewiesen. Und der einzige anwesende Vertreter des Westens lässt sich das gefallen.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Grundsatzurteil Marokko gegen „SZ“: Ehrenlose Staaten
    • February 24, 2026

    Marokko scheitert mit Klagen gegen „SZ“ und „zeit.de“, weil ein Staat keine Persönlichkeitsrechte haben kann. Eine Grundsatzentscheidung aus Karlsruhe. mehr…

    Weiterlesen
    Merkel-Klatscher an falscher Stelle: Das kann die ARD besser
    • February 24, 2026

    Jetzt also auch noch das Erste. Es sendete zwar einen echten Fernsehausschnitt, aber an einer zeitlich falschen Stelle. Das ist unverantwortlich. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Grundsatzurteil Marokko gegen „SZ“: Ehrenlose Staaten

    • 3 views
    Grundsatzurteil Marokko gegen „SZ“: Ehrenlose Staaten

    Merkel-Klatscher an falscher Stelle: Das kann die ARD besser

    • 3 views
    Merkel-Klatscher an falscher Stelle: Das kann die ARD besser

    Epstein-Skandal in Norwegen: Ex-Regierungschef liegt im Krankenhaus

    • 2 views
    Epstein-Skandal in Norwegen: Ex-Regierungschef liegt im Krankenhaus

    Trotz US-Sanktionsliste: Rote Hilfe darf Konto bei GLS-Bank behalten

    • 5 views
    Trotz US-Sanktionsliste: Rote Hilfe darf Konto bei GLS-Bank behalten

    Schwarz-Rot will auf die Tube drücken: Infrastruktur in Zukunft ohne Naturschutz

    • 3 views
    Schwarz-Rot will auf die Tube drücken: Infrastruktur in Zukunft ohne Naturschutz

    Rücktrittsforderung an AfD-Personalchef: Vetternwirtschaft ist der gordische Knoten

    • 3 views
    Rücktrittsforderung an AfD-Personalchef: Vetternwirtschaft ist der gordische Knoten