Neuer A24-Film „The Drama“: Der gefährlichste Gedanke ist nie passiert

O bacht: Jetzt geht es um „The Drama“, einen Kinofilm, dessen Plot von der momentan wohl gefragtesten Produktionsfirma der westlichen Welt „A24“ vor dem Start tunlichst geheimgehalten wurde, inklusive dementsprechender Presse-Instruktionen. Aber das Drama (sic) läuft schon seit einer Woche, die Katze ist somit aus dem Sack und maunzt in sozialen und sämtlichen anderen Medien, und wer plant, sich im Kino überraschen zu lassen, sollte jetzt aufhören zu lesen.

Abgesehen davon ist der Twist von „The Drama“ ohnehin nicht das Beeindruckendste am Film. Insofern: Die glücklich Verlobten Charlie (Robert Pattinson) und Emma (Zendaya) trinken gemeinsam mit einem befreundeten Paar beim Prä-Hochzeits-Testessen mehrere über den Durst und gestehen einander – Schnapsidee – „schreckliche“ Dinge aus der Vergangenheit. Das „Schrecklichste“ hat Emma zu bieten: Die fast 30-Jährige war mit 15 Jahren in einer verstörenden depressiv-destruktiven Phase und plante einen Amoklauf an ihrer Schule.

Den sie, und das müsste dick unterstrichen sein, nicht ausführte. Aufgrund von Zufällen und schicksalhaften Parallelitäten kann man, das insinuiert der Film in flott editierten Rückblenden, sogar sagen, dass diese monströse Fast-Katastrophe der Außenseiterin Emma einen Platz in einer funktionierenden Sozialkonstellation, irrerweise einer Anti-Waffen-Aktivist:innengruppe, und in letzter Konsequenz eine funktionierende Beziehung bescherte, die bis dato eine Zukunft zu haben schien.

Der Rest des Films, die Reaktion ihres verunsicherten Partners Charlie, der entsetzten Brautjungfer Rachel (Alana Haim), deren Cousine bei einem tatsächlichen school shooting verwundet wurde und seitdem querschnittsgelähmt ist, und Emmas eigene Coping-Mechanismen versinken ein wenig im Schauspiel-Battle.

Die relevantesten Fragen werden kaum gestellt

Die relevanten psychologischen und moralischen Fragen – darf man das Verhalten eines/einer 15-Jährigen wie das einen Erwachsenen beurteilen? Kann sich jemand zu einem liebenswerten, zufriedenen Menschen entwickeln, der einst derartig kaputt/nihilistisch/vernichtend/verzweifelt war? Macht jemanden bereits eine verabscheuenswürdige Fantasie zu einem verabscheuenswürdigen Individuum? – werden zudem nur ansatzweise gestellt. Und das Kernthema des Films, der in Zeiten nie verebbender Hatespeeches notwendige Diskurs darüber, inwiefern das, was man ankündigt, weniger schlimm ist als das, was man im Endeffekt tut, steht ebenfalls eher am Rande der Geschichte.

In den USA trifft das in der Presse als „feelbad movie“-titulierte Werk dennoch einen Schmerzpunkt: Die den Film angeblich als „süße Rom Com“ vorstellenden Trailer bezeichnen viele Menschen als irreführend und verharmlosend, ihnen fehlen Triggerwarnungen, und dass ausgerechnet „Euphoria“-Superstar Zendaya eine gedankliche Amokläuferin spielt, „vermenschliche“ echte Täter.

Die Diskussion dampft also. Was gut ist – reden ist immer besser als nicht reden. Und wischt man die heißen Topoi beiseite, bleibt immer noch eine Menge Interessantes übrig. So wie die anbiedernd-wurmige Lüge, mit der Charlie seine Bekanntschaft mit Emma begann – er behauptet, ein Buch gelesen und geliebt zu haben, das sie liest. Oder die Schattierungen der gekünstelten Hochzeitskonventionen zwischen Foto-Shooting (!!) und Tafelreden, von denen sich Emma und Charlie nicht befreien können.

Oder die archetypische Gewaltreaktion eines Mannes, der hört, dass seine Freundin und Charlie sich geküsst haben. Oder der vom Briten Charlie gemurmelte Einwand, das mit dem Amoklauf sei „irgendwie in der US-Kultur verwurzelt“, der bei den anderen auf Empörung stößt. Oder überhaupt der Anspruch, jemanden, wie Charlie es zunächst in seiner Hochzeitsrede formuliert, „bedingungslos und ohne Einschränkung“ zu lieben – ja WTF!? Später redigiert er diese Rede. Ist vielleicht auch ganz gut so.

Jenni Zylka schreibt hier regelmäßig über Film.

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