Comedy-Serie „BFF – Best Family Forever“: Viele verschiedene Happy Ends

Lena (Anna Schimrigk) und Nikita (Karmela Shako) sind unzertrennlich. Langzeitjurastudentin Lena wird schwanger, als Nikita, deren Kinderwunsch groß ist, von der Unmöglichkeit einer natürlichen Schwangerschaft bei sich selbst erfährt. Frisch getrennt und kinderlos, findet sie sich am emotionalen Abgrund wieder.

Nach dem ersten Schock zählt Lena eins und eins zusammen: Wenn sie mit ihrer besten Freundin Nikita alles teilen kann, und die gemeinsame Freundschaft jede Liebe überdauert hat – warum nicht zusammen ein Kind großziehen? Diese Frage beantwortet „BFF – Best Family Forever“ in acht kurzweiligen Folgen.

Das Regenbogen-Elterncafé wird zum Aushandlungsort verschiedener Co-Parenting-Modelle: Im Gesprächskreis sitzen neben Lena und Nikita Flo und Raúl, ein Paar, das mit der gemeinsamen Freundin Juli ein Kind erwartet, und Milan, der der großen Liebe nicht traut und pragmatisch für die Erfüllung seines Kinderwunsches eine Co-Mutter sucht.

Hier werden Probleme diskutiert, die außerhalb vom klassischen Mutter-Vater-Kind-Modell auftreten können: Flo und Raúl stürzt es in Verlustängste, als Juli wieder mit ihrem Ex-Freund zusammenkommt und sie ihre eigene Rolle in der Elternschaft infrage gestellt sehen.

Besonders thematisiert wird die romantische Paarbeziehung als bedrohliche Blaupause von Co-Parenting

Ähnliche Sorgen plagen auch Nikita: Könnte sie ersetzt werden, sobald ein „echter Vater“ in Lenas Leben tritt? Können solche Abbiegungen des Schicksals vertraglich geregelt werden?

Besonders thematisiert wird die romantische Paarbeziehung als bedrohliche Blaupause von Co-Parenting. Das gelingt differenziert – die Headautorinnen Nina Rathke und Anna Schimrigk vermeiden eine Idealisierung von Co-Parenting: Lena und Nikita können als Freundinnen sachlicher über so manche Erziehungsfragen reden als ein romantisches Paar.

Sehnsucht nach Verlässlichkeit ohne Drama

Das ist als mitunter sehr witzige Kontrastfolie von Flo und Raúl dargestellt, das nebenbei noch Eifersüchteleien und Beziehungsstress navigieren muss. Freundschaften können, bei all ihren Herausforderungen und Emotionen, im Gegensatz zu Liebesbeziehungen eine gemäßigtere Beständigkeit, eine verlässlichere Kontinuität bieten – es geht nicht immer ums große Ganze, das Schreckgespenst der Trennung schwebt nicht in anstrengenden Schwangerschaftsnächten und ersten Babymonaten mit im Raum.

Gleichzeitig kann Nikita als Lenas verlässliche Begleiterin, Tee und Gemüsepfannen kochend, natürlich nicht ersetzen, was Lena Milan gegenüber empfindet, wenn sie seine Blicke im Regenbogen-Café bemerkt. Oder Tamer gegenüber, wenn sie ihn auf Universitätsfluren sieht und weiß, dass er für die Überraschung in ihrem Bauch verantwortlich ist.

Diese Gleichzeitigkeit der Sehnsucht nach Verlässlichkeit ohne Drama, wohl das wertvollste Geschenk von Freundschaft, und der Schwierigkeit, wenn die romantische Liebe doch an einem unschuldigen Dienstag ungeplant ins Leben platzt, zeigt „BFF“ gelungen. Auch das Emanzipieren von Fehlern der eigenen Eltern, ungewollte Kinderlosigkeit und den sexistischen Mythos vom perfekten Lebenslauf, für den ein Kind nur eine Karriereunterbrechung darstellt.

Unterlegt mit feministischem Hip-Hop und stets witzig, nie didaktisch, wird „BFF“ zu einer originellen Stimme in Debatten rund um postkernfamiliäre Elternschaftskonzepte. „Nikita, du bist mein Happy End“, sagt Lena und behält recht: Es gibt viele Arten von Happy End. Die Schwierigkeit ist nur, sich für eines zu entscheiden.

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