Öl-Konzern muss CO₂-Ausstoß nicht senken: Shell hat Recht

Shell ist nicht an das Pariser Klimaabkommen gebunden, urteilte ein Gericht – zu Recht. Denn für die Einhaltung müssen die Regierungen sorgen.

K eine Frage, dieses Urteil ist bitter für die Klimabewegung: Der Energiekonzern Shell ist rechtlich nicht dazu verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß drastisch zu senken. Jedenfalls nicht in dem Maße, in dem es die niederländische Umweltorganisation Milieudefensie als Klägerin gefordert hatte. So entschied am Dienstag ein Gericht in Den Haag. Und obwohl es Kli­ma­ak­ti­vis­t*in­nen schmerzen wird – mehr als eine symbolische Wirkung hätte ein anderes Urteil wohl sowieso nicht gehabt.

Shell hat Recht: Würde Shell weniger Öl liefern, würden Wohnungen eben mit dem Öl von einem anderen Konzern geheizt. Würde Shell Tankstellen dicht machen, führen die Leute halt zu Aral. So argumentierte der Konzern schon vor dem Prozess.

Milieudefensie hatte Shell auf die Einsparung von 45 Prozent der im Jahr 2019 verursachten CO2-Emissionen bis 2030 verklagt. Die NGO hatte 2021 in erster Instanz Recht bekommen, doch das Berufungsverfahren hat Shell nun gewonnen. Die Begründung: Für eine konkrete Einsparungsforderung gebe es keine Grundlage.

Ursprünglich hatte die NGO die Klage damit untermauert, dass der Konzern sich an die Verpflichtungen des Pariser Klimaschutzabkommens halten müsse. Aber dieses Abkommen haben nun mal Re­gie­rungs­che­f*in­nen unterschrieben, keine CEOs. Und das ist der entscheidende Punkt.

Eigentlich nicht ihr Job

Mit der Bemühung, Unternehmen zu verklagen, versuchen NGOs wie Milieudefensie, eine Lücke zu füllen, die die politischen Ent­schei­dungs­trä­ge­r*in­nen offen lassen. Nämlich die, Klimaschutzverpflichtungen direkt für Konzerne festzulegen und durchzusetzen. Und zwar nicht nur für einen, sondern für alle.

Zum Beispiel mithilfe einer Steuer auf die Förderung fossiler Brennstoffe. Regierungen müssten dafür sorgen, dass die nicht an Ver­brau­che­r*in­nen weitergegeben wird. Dann könnte eine solche Steuer den sozial gerechten Ausstieg aus fossiler Energie und den Umstieg auf erneuerbare beschleunigen. Und die Unternehmen ließen sich dann auch auf juristischem Wege dazu verpflichten.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Grundsatzurteil Marokko gegen „SZ“: Ehrenlose Staaten
    • February 24, 2026

    Marokko scheitert mit Klagen gegen „SZ“ und „zeit.de“, weil ein Staat keine Persönlichkeitsrechte haben kann. Eine Grundsatzentscheidung aus Karlsruhe. mehr…

    Weiterlesen
    Merkel-Klatscher an falscher Stelle: Das kann die ARD besser
    • February 24, 2026

    Jetzt also auch noch das Erste. Es sendete zwar einen echten Fernsehausschnitt, aber an einer zeitlich falschen Stelle. Das ist unverantwortlich. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Grundsatzurteil Marokko gegen „SZ“: Ehrenlose Staaten

    • 2 views
    Grundsatzurteil Marokko gegen „SZ“: Ehrenlose Staaten

    Merkel-Klatscher an falscher Stelle: Das kann die ARD besser

    • 1 views
    Merkel-Klatscher an falscher Stelle: Das kann die ARD besser

    Epstein-Skandal in Norwegen: Ex-Regierungschef liegt im Krankenhaus

    • 1 views
    Epstein-Skandal in Norwegen: Ex-Regierungschef liegt im Krankenhaus

    Trotz US-Sanktionsliste: Rote Hilfe darf Konto bei GLS-Bank behalten

    • 1 views
    Trotz US-Sanktionsliste: Rote Hilfe darf Konto bei GLS-Bank behalten

    Schwarz-Rot will auf die Tube drücken: Infrastruktur in Zukunft ohne Naturschutz

    • 2 views
    Schwarz-Rot will auf die Tube drücken: Infrastruktur in Zukunft ohne Naturschutz

    Rücktrittsforderung an AfD-Personalchef: Vetternwirtschaft ist der gordische Knoten

    • 1 views
    Rücktrittsforderung an AfD-Personalchef: Vetternwirtschaft ist der gordische Knoten