
Ausländerfeindlichkeit gilt als Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus
Laut den Studientautor:innen hat sich die „Ausländerfeindlichkeit“ damit zu einem bundesweit geteilten Ressentiment entwickelt. „Und die ist eine Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus“, sagt Mitautorin Ayline Heller. Die Zahl der Westdeutschen mit manifesten „ausländerfeindlichen“ Einstellungen ist demnach von 12,6 Prozent im Jahr 2022 auf 19,3 Prozent in diesem Jahr gestiegen. Im Osten ist die Quote weiterhin hoch, wenn auch leicht von 33,1 Prozent auf 31,5 Prozent gesunken.
Die repräsentative Studie des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung erfasst seit 2002 die Einstellungen der Bevölkerung zu autoritären und demokratiefeindlichen Tendenzen. Sie entsteht in Kooperation mit der Heinrich-Böll- und der Otto-Brenner-Stiftung. Für die Ergebnisse 2024 wurden 2.504 Menschen mithilfe eines schriftlichen Fragebogens befragt.
Antimoderne Ressentiments nehmen auch im Westen zu
Auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung beobachten die Sozialwissenschaftler:innen Unterschiede in den Einstellungsentwicklungen von Ost und West. Im Westen Deutschlands ist auch die Zustimmung zu antimodernen Ressentiments wie Antisemitismus, Chauvinismus, Muslimfeindschaft und Antiziganismus stark angestiegen. Die Zustimmungsrate im Osten blieb annähernd gleich.
Der Antisemitismus drohe dabei zur Brückenideologie zu werden, der sich in unterschiedlichen Formen in allen politischen Lagern wiederfinde, so die Autor:innen. Die erstmalige Erhebung von Transfeindlichkeit ergab außerdem eine manifeste transfeindliche Einstellung bei rund 39 Prozent der Befragten in ganz Deutschland.
In Ostdeutschland stiegen insbesondere antifeministische Tendenzen. „In den jüngeren Generationen sehen wir eine Retraditionalisierung“, sagt Heller. So stimmten etwa 31 Prozent der Ostdeutschen der Aussage zu: „Die Frauen sollen sich wieder mehr auf die Rolle als Ehefrau und Mutter besinnen.“ 2022 waren es noch rund 25 Prozent. In Anbetracht der Rolle der Frau in der DDR sei das eine interessante Entwicklung.
„Personalisierung gesellschaftlicher Konflikte“
Unter Druck ist die Demokratie in Deutschland auch ganz generell. Zwar befürworten laut Studie rund 90 Prozent die „Idee der Demokratie“, doch nur rund 42 Prozent sind mit der Alltagsdemokratie zufrieden. In Ostdeutschland sind es sogar nur rund 30 Prozent. Das sei ein massiver Rückgang, so Studienleiter Oliver Decker. „Diese Unzufriedenheit macht sich dann in einer Personalisierung von gesellschaftlichen Konflikten bemerkbar, in dem sie Politiker:innen angelastet werden.“ Antiparlamentarismus korreliere dabei stark mit autoritären Bedürfnissen.
Die Ergebnisse in Ostdeutschland wiesen darüber hinaus auf unterschiedliche politische Kulturen hin. „Die Idee der repräsentativen Form der Demokratie ist eher westdeutsch, während in Ostdeutschland eher die Vorstellung einer direkten Demokratie vorherrscht“, so Decker.
Generell suchten Wähler:innen nach Orientierung. „Es gibt den Wunsch nach einer ‚starken Partei‘ für die homogene ‚Volksgemeinschaft‘“, so Decker. Insbesondere eine wirtschaftliche Krisenwahrnehmung wirke sich stark auf die Akzeptanz von Demokratie aus.
Das schlägt sich auch in den Wähler:innenpräferenzen nieder. Während Menschen mit rechtsextremen Einstellungen 2006 noch mehrheitlich CDU und SPD wählten, wählen sie heute tendenziell seltener. Falls sie jedoch wählen, wählen sie ganz übermäßig die AfD. Eine weitere Erkenntnis der Studie: Solide demokratische Wähler:innen hingegen finden sich derzeit oft ohne politische Heimat wieder.







