
Bremen taz | Bierbrauen kostet viel Energie: Es wird heiß gekocht, kühl gelagert – und alles muss immer haargenau zu seiner Zeit erfolgen, weiß Yannik Schädler. Er arbeitet am Institut für Messtechnik, Automatisierung und Qualitätswissenschaft der Universität Bremen. Sein Projekt Brew-Flex – er nennt es „Brauereiprojekt“ – steht kurz vor dem Abschluss. Gemeinsam mit der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin und der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler erforscht Schädlers Institut anhand kleiner und mittelständischer Brauereien, wie eine flexiblere Herstellung Kosten sparen kann.
Hintergrund ist der zeitvariable Strompreis: Wenn Strom an der Börse gehandelt wird, variieren die Preise. Dank der erneuerbaren Energien sinkt oder steigt der Preis je nach Tageszeit oder Wetter mit entsprechend hoher oder niedriger Stromproduktion. Strom, der an einem sonnigen Mittag verkauft wird, ist also günstiger. Meist würden diese Schwankungen nicht an die Endkunden weitergegeben, sagt Schädler. Doch ab Januar 2025 müssen Stromanbieter laut Energiewirtschaftsgesetz auch einen dynamischen Tarif anbieten. Wer das nutzen will, um Geld zu sparen, hat also einen hohen Anreiz, Strom flexibel einzusetzen.
In Brauereien wird das Getreide mit Gas gekocht, nicht mit Strom. Dies ist also nicht Teil der aktuellen Forschung. Aber weil Gas relativ günstig ist, sorgt der Stromverbrauch dennoch für höhere Kosten. So verbrauche das Mahlen des Getreides zu Beginn des Brauprozesses viel Energie, sagt Schädler. „Die Mühle mittags einzuschalten, wenn die Sonne auf die PV-Anlage auf dem Dach scheint, wäre gut.
Aber die Brauer mahlen zeitlich exakt im Rahmen ihres Brauprozesses, denn die Qualität des Malzes sinkt bereits etwa eine halbe Stunde nach dem Mahlen.“ Perfektes Timing ist gefragt, während der gesamten Produktion. Ein Ergebnis der Forschung ist daher: Die meisten Teilprozesse lassen sich nicht wesentlich flexibilisieren.
Lagerung des Biers hat Potential
Großes Potenzial biete allerdings die Lagerung des Biers. Die erfolge zwischen einem und minus einem Grad. „Innerhalb dieses Intervalls gibt es keinen Qualitätsverlust“, sagt Schädler. Auch wegen der gut isolierten Tanks bleibt das Bier also kalt, selbst wenn der Kühlkompressor mal aus ist. „Man kann den also an die PV-Anlage anschließen, die die meisten Brauereien inzwischen haben.“
Die meisten Teilprozesse lassen sich kaum flexibilisieren. Potenzial bietet aber die Lagerung
Wer in einem dynamischen Stromtarif oder mit eigener PV-Anlage flexibel kühlt, spart also Geld. Aber sinkt auch der Energieverbrauch? Allein mit der Flexibilisierung nicht. „Wir können aber einen Beitrag dazu leisten, dass die Erneuerbaren besser genutzt werden“, sagt Schädler. „Heute werden Windräder manchmal abgeschaltet, wenn es nicht hinreichend viele Abnehmer für die Windenergie gibt. Das könnte vermieden werden.“
Investitionen in Maschinen nötig
Ein weiterer Teil des Projekts zielt auf die Effizienz. „Wir haben gesehen, wo Potenzial ist, beispielsweise bei alten Kompressoren“, erklärt Schädler. Eine kürzlich freigeschaltete Website stellt den Brauereien nun eine niederschwellige Hilfestellung bereit. „Es gibt ein Unternehmen, das Vergleiche zwischen den Brauereien verkauft. Diesen Service stellen wir im Projekt kostenfrei zur Verfügung. So können die Brauereien schauen, wo sie im Vergleich zu anderen in ihrer Größenklasse stehen, natürlich anonym.“
Das Ganze dient als erster Anhaltspunkt für Investitionen in effizientere Maschinen. Wer es genauer wissen will, kommt an einer Energieberatung aber nicht vorbei.
Inwieweit die Ergebnisse auf andere Branchen übertragbar sind, ist noch nicht klar. Aber bis zum Projektabschluss im Januar ist noch ein wenig Zeit. Schädler und seine Kolleg*innen planen schon ein Folgeprojekt in der Ernährungsindustrie. „Sie verbraucht viel Energie, hat viele Prozesse und unausgeschöpftes Potenzial.“







