Krieg in der Ukraine: Die Stimmung ist gekippt

T agtäglich weitere Tote, Verletzte, Verstümmelte und Traumatisierte, dazu fortlaufend gezielte massive russische Angriffe auf die kritische Infrastruktur – vorzugsweise auf Einrichtungen der Energieversorgung. Seit fast drei Jahren herrscht in der Ukraine das Grauen. Für viele in Europa ist dieser von Russland entfesselte Krieg, so zynisch es klingt, zu einer Art business as usual geworden, Nachrichtenwert null. Also abhaken und zur Tagesordnung übergehen?

Auf keinen Fall. Denn wer genau hinsieht, kommt nicht umhin festzustellen, dass sich die Tonlage in der Ukraine merklich zu verändern beginnt. Die Stimmung in der Bevölkerung kippt. Die Zahl der Ukrainer*innen, die ein Ende dieses Gemetzels – auch um den Preis schmerzhafter territorialer Verluste – herbeisehnen, wächst.

Immer seltener sind Stimmen zu vernehmen, die unbeirrt den Sieg beschwören und damit noch die letzten Kraftreserven ihrer zusehends ausgezehrten Landsleute zu mobilisieren versuchen. Lauter hingegen werden diejenigen, die offen zum „Angriff“ übergehen: auf die Regierung unter Präsident Wolodymyr Selenkyj und die Führung des Militärs. Das kam bislang einer Art Vaterlandsverrat gleich.

Jüngstes Beispiel dafür ist die Debatte über eine teils in Frankreich ausgebildete Brigade, der die ihr angehörenden Soldaten gleich scharenweise den Rücken kehrten, um einem Einsatz an der Front zu entgehen.

Europas Unterstützung bröckelt

Aus nachvollziehbaren Gründen. Denn dort ist die Lage aus ukrainischer Sicht gelinde gesagt desolat. Im Osten haben ukrainische Streitkräfte dem russischen Aggressor faktisch nichts entgegenzusetzen. Es ist keinesfalls un­rea­lis­tisch, dass die noch teilweise völkerrechtswidrig russisch besetzten Gebiete perspektivisch in Gänze an Russland fallen. Ob eine neue Offensive in der russischen Region das Geschehen zugunsten Kyjiws beeinflussen kann, ist mehr als fraglich.

Wie lautete doch gleich das Mantra der westlichen Verbündeten? Die Ukraine dürfe diesen Krieg nicht verlieren. Wirklich? Die Realität sieht leider anders aus. Mit Donald Trump wird bald ein neuer US-Präsident im Weißen Haus sitzen, der außenpolitisch unberechenbarer nicht sein könnte.

Auch die Unterstützung für die Ukraine in Europa bröckelt. Zu Putin-Freunden wie Viktor Orbán und Robert Fico dürfte sich in Bälde auch noch Österreichs rechtslastiger FPÖ-„Volkskanzler“ Herbert Kickl gesellen. Was Deutschland betrifft, so könnten weitere dringend benötigte Ukrainehilfen einem Njet von Noch-Kanzler Olaf Scholz zum Opfer fallen. Der Wahlkampf der SPD ist eben wichtiger.

Aus all dem folgt: Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird sich die Ukraine wohl doch einem Diktatfrieden unterwerfen müssen. Was das für die Menschen in den russisch besetzten Gebieten bedeutet, ist bereits jetzt zu besichtigen und mit dem Wort Tragödie noch unzureichend beschrieben. Business as usual? Leider ja. Aber da sage später bitte keine/r, man habe das nicht wissen können.

  • informationsspiegel

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