Gaza-Tagebuch: Wasser aus Pfützen, Trump und der Tod

W ir sind in unsere Häuser zurückgekehrt – nach anderthalb Jahren der Vertreibung. Aber wir alle haben unzählige Sorgen mitgebracht und Szenen, die wir nicht vergessen können, Szenen, die uns wohl ein Leben lang in Erinnerung bleiben werden. Jedes Haus hat mindestens einen Märtyrer verloren, und es gibt keinen einzigen Haushalt, in dem es keine Kriegsverletzten gibt. Die Familien sind zurückgekehrt, aber viele ihrer Kinder haben sie unter der Erde zurückgelassen.

Wie das Leben im nördlichen Gazastreifen nach anderthalb Jahren unerbittlichen Tötens weitergehen soll, ist unklar. Die Abwassersysteme sind völlig zerstört, und es gibt keinen Strom, der den Menschen hilft, so zu leben, wie sie es einst taten. Die Beschaffung von Wasser für den täglichen Gebrauch ist schwierig, genauso die Beschaffung von Trinkwasser.

Die Menschen legen weite Strecken zurück, um in den Trümmern ihrer Häuser zu überleben und Wasser zu besorgen, einige mit Eimern in den Händen, andere ziehen kleine Karren hinter sich her. Im Viertel Shuja’iyya, in dem ich wohne, gibt es nur eine einzige Verteilerstelle für Wasser. Viele sind gezwungen, unbehandeltes Wasser zu trinken, das sie aus Regenpfützen sammeln. Meine Familie und ich trinken oft von diesem Wasser, weil wir keine andere Wahl haben.

Mein Bruder Ahmed zieht jeden Tag eine halbe Stunde lang einen Karren, um Wasser für uns zu holen. Ahmed ist ein junger Mann, er kennt nur den Krieg. Er versucht, für seine Schulabschlussprüfungen im Juli zu lernen, während er sich um den Haushalt kümmert, in einer Umgebung, die nahezu unbewohnbar ist. „Ich weiß nicht, was ich tun soll“, sagt er. „Nichts hier ist in Ordnung. Sogar Wasser zu bekommen, ist ein Kampf.“

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Zelte auf den Trümmern des zerstörten eigenen Hauses

Die Straßen sind zerstört und die meisten Häuser sind unbewohnbar. Diejenigen, deren Häuser zerstört wurden, haben ihre Zelte auf den Trümmern aufgeschlagen und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Sie haben ihre Zelte im Süden verlassen, um sie hier neu aufzuschlagen – diesmal auf ihrem eigenen Land, was ihnen den kleinen Trost bietet, wieder zu Hause zu sein.

Die zweite Phase des Abkommens ist noch nicht umgesetzt worden, und die Menschen haben große Angst. Diesmal sind sie jedoch entschlossen, ihre Häuser nicht mehr zu verlassen. Die Menschen hier sagen: „Was kann die Besatzung noch tun? Sie haben alles zerstört und unsere Familien getötet.“

Jeder hört von Trumps Plan, die Menschen in Gaza zu vertreiben. Wir glauben nicht an dieses Schreckensszenario und wir haben auch keine Angst davor. Die meisten Menschen hier sagen: „Gibt es einen größeren Schmerz als den Tod, nach allem, was wir erlebt haben?“

Einige sind völlig erschöpft, ihre Lebensgeister sind zerrüttet. Ihr einziger Gedanke gilt dem Überleben. Sie würden den Gazastreifen verlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten, sagen sie.

Die Besatzung fügt dem palästinensischen Volk absichtlich Leid zu und sorgt dafür, dass es in ständigem Elend und Angst lebt. Aber diejenigen, die solche Gräueltaten an unschuldigen Menschen begehen, werden ins Höllenfeuer kommen.

Esam Hani Hajjaj (27) kommt aus Gaza-Stadt, ist Schriftsteller und Dozent für kreatives Schreiben für Kinder. Nach Kriegsausbruch ist er innerhalb des Gazastreifens mehrfach geflohen.

Internationale Jour­na­lis­t*in­nen können seit dem Beginn des Krieges nicht in den Gazastreifen reisen und von dort berichten. Im „Gaza-Tagebuch“ holen wir Stimmen von vor Ort ein. Die Texte geben ausschließlich die persönlichen Meinungen der Au­to­r*in­nen wieder.

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