Gewalt in Syrien: In Suweida ruhen die Waffen

Beirut taz | Am Dienstag hat Syriens Verteidigungsminister Marhaf Abu Qasra einen Waffenstillstand für die Region Suweida im Süden des Landes verkündet. Bei Gefechten zwischen drusischen und sunnitisch-beduinischen Kämpfern waren am Sonntag und Montag rund 100 Menschen getötet und 200 verletzt worden, darunter Kinder, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) meldete. Drusische Anführer erklärten nun, ihre Waffen ans Militär abzugeben.

Das lokale Medium Suweida24 berichtete von Flucht aus der gleichnamigen Hauptstadt der Region. Ein Video der Plattform zeigt eine Autoschlange. Lokale Initiativen richteten Notfallunterkünfte ein. Seit der Ankunft syrischer Soldaten soll die Lage nun jedoch ruhig sein, berichten Anwohnende der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. Die Regierungstruppen würden respektvoll mit den Anwohnenden umgehen, die sich zurückziehenden beduinischen Kämpfer aber weiter verfolgen.

„Suweida war besonders“, erklärt eine lokale Aktivistin vergangene Woche der taz. „Es blieb lange Zeit verschont von Gewalt und Morden und diente als sicherer Hafen für Menschen, die aus anderen Teilen des Landes fliehen mussten, weil ihre Häuser bombardiert wurden.“

In Suweida leben mehrheitlich Drusen, aber auch Christen und Muslime. In den vergangenen Jahren wurde hier für den Sturz des Regimes protestiert. Männer griffen zu den Waffen, um ihre Gemeinschaft zu schützen – vor Soldaten des Assad-Regimes und Kämpfern des IS. Sie bewachen auch heute noch die Stadteingänge.

Syrien

Die über 50-jährige Gewaltherrschaft der Assad-Familie ist seit 2024 Geschichte. Baschar al-Assad ist nach Russland geflüchtet, nachdem Rebellen das Regime gestürzt haben. Derzeit amtiert die Übergangsregierung von HTS-Führer al-Scharaa.

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Fraktionen sehen Einmischung von Außen

Sesshafte Beduinen machen knapp drei Prozent von Suweidas Bevölkerung aus. „Diese Gruppen haben lange Zeit koexistiert, weil sie durch Handel und gemeinsame Sicherheitsvorkehrungen voneinander profitierten“, erklärt Haian Dukhan, Politikdozent an der britischen Teesside University, der arabischen Zeitung The New Arab. Angehörige beider Gemeinschaften machen nun Außenstehende für die Ausschreitungen verantwortlich.

Welche das sein sollen, ist unklar. Die syrische Übergangsregierung könnte die Gewalt als Vorwand nehmen, um ihren Einfluss auf die Selbstverwaltung Suweidas zu vergrößern. Suweida gehört zu den letzten Gebieten mit autonomen lokalen Kämpfern. Nach dem Fall des Regimes hatten örtliche Behörden ein Abkommen mit der Regierung geschlossen, welches vorsieht, die bewaffneten Drusen in den Staat einzugliedern.

Einer der drei einflussreichen lokalen Scheichs, Hikmat al-Hijri, weigert sich jedoch, dem nachzukommen. Er glaubt nicht an den staatlichen Schutz der Minderheit, warf der Übergangsregierung am Dienstag Gewalt gegen Zivilisten vor. Diese habe die Stationierung ihrer Truppen „erzwungen“. Der Scheich ist umstritten, nicht alle Drusen teilen seine Position.

Auch die israelische Regierung stellt sich gern als Schutzmacht der Drusen dar. Laut SOHR griff Israel am Montag syrische Panzer in der Region Suweida an. Israels Armee teilte mit, sie habe Militärfahrzeuge angegriffen, um die Ankunft eines Konvois der syrischen Führung zu stören – angeblich, um die Drusen vor diesem zu schützen.

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