Erinnerung an Stalins Opfer: Kreml schafft Gulag-Museum ab

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Das Gulag-Museum in Moskau galt lange Zeit als eine der wenigen institutionellen Zufluchtsstätten, die an die Opfer Stalins erinnern. Künftig soll es abgeschafft und in ein „Museum der Erinnerung“ umgewandelt werden. Im Mittelpunkt soll dann nicht mehr die Erinnerung an die Verbrechen des Stalinismus stehen, sondern der vom Kreml sogenannte „Völkermord am sowjetischen Volk“ durch Nazi-Deutschland.

Die Umgestaltung ist kein Zufall, sondern Teil eines größeren Projekts. Statt die historische Erinnerung zu verdrängen, will der Kremls sie vollständig durch eine konkurrierende Erzählung ersetzen, analysiert „Meduza“. Eine Erzählung, die politisch anschlussfähig ist und den mittlerweile seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg gegen die Ukraine ideologisch stützt.

Das „Museum der Erinnerung“ soll in jenes Gebäude ziehen, in dem sich bis zur Schließung im November 2024 das Gulag-Geschichtsmuseum befand. Offiziell wurde es wegen „Verstößen gegen Brandschutzvorschriften“ geschlossen. Erste Repressionen begannen, nachdem der Direktor, Roman Romanov, sich geweigert hatte, eine Ausstellung über sowjetische Repressionen zu zensieren, berichtet „Meduza“.

Die Sammlungen der alten Einrichtung sollen eingelagert werden. Die neue „Genozid-Ausstellung“ soll sich Berichten zufolge auf Archive aus dem Projekt „No Statute of Limitations“ stützen, das bereits in russischen Klassenzimmern angekommen ist. Dort haben Schulen inszenierte Gedenkfeiern organisiert, bei denen Schü­le­r:in­nen auch für die Opfer der Nazis niederknien mussten.

Putin schafft sich seine eigene Geschichtsschreibung

Das Konzept des „Völkermords am sowjetischen Volk“ entbehrt in der offiziellen Geschichtsschreibung über die Sowjetzeit und im etablierten Völkerrecht jeglicher Grundlage. Im Juli 2020 führte Wladimir Putin ihn willkürlich in den öffentlichen Diskurs ein. Die Verbrechen der Nazis gegen sowjetische Bür­ge­r:in­nen hätten, so sagte er in einer Rede, „keine Verjährungsfrist“. Sie sollten sowohl im Inland als auch weltweit als Genozid anerkannt werden.

Die russischen Gerichte handelten prompt: Noch im Oktober 2020 erkannte ein Gericht die Massenmorde während des Zweiten Weltkriegs erstmals als Völkermord an. Zwei Jahre später erhielt auch die Belagerung von Leningrad diese Einstufung. Im April 2025 folgte schließlich das Gesetz zur „Bewahrung der Erinnerung an die Opfer des Völkermords am sowjetischen Volk“. Seitdem haben Abgeordnete der Staatsduma strafrechtliche Sanktionen für die „Leugnung des Völkermords“ vorgeschlagen.

Natalja Kalaschnikowa wird die Leitung des neuen Museums übernehmen. In Russland gilt sie als Kriegsveteranin; sie trägt mehrere Medaillen, weil sie an der „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine teilnimmt. Fast monatlich reist sie an die Front in dem überfallenen Land. Was sie dort genau macht, ist unbekannt.

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