Der Ballsaal am Weißen Haus: Tanzen auf dem Präsidentenbunker

Seit dem Irankrieg wirken Trumps Baupläne für einen Ballsaal neben dem Weißen Haus noch pervertierter als schon zuvor. Und das nicht nur, weil er bei Pressekonferenzen kaum über Krieg und Bombardierung sprechen wollte, sondern stattdessen vom pompösen Ballsaal schwärmte. Monströse Drohungen, den Iran in Schutt und Asche zu legen und eine ganze Zivilisation auszulöschen plus ein kolossal hässliches Bauprojekt – das ergibt eine verstörende Verbindung von Wort- und Bildgewalt.

Der Ballsaalbau wurde von einem US-Bundesrichter vorerst gestoppt, fortgesetzt werden darf er nur, wenn das Parlament zustimmt. Sich juristischen Entscheidungen zu beugen, passt natürlich nicht zum Herrschaftsstil von Trump. Das Berufungsschreiben kam prompt: Es braucht den Ballsaal für die nationale Sicherheit. Denn im Untergeschoss soll ein militärischer Komplex entstehen, ein Bunker für Trump und seinen Stab. Vor ein paar Monaten war da noch von einem Besucherzentrum im Keller die Rede gewesen.

Trump will seinen Ballsaal unbedingt, und zwar nicht nur, weil er es gewohnt ist, dass alle nach seiner Pfeife tanzen. Herrschaftsarchitektur ist ein probates Mittel zur Machtinszenierung. Als Trump im Herbst für den Ballsaalanbau den Ostflügel des Weißen Hauses abreißen ließ, war das bereits eine Machtdemonstration.

Von Einschüchterung bis Käuflichkeit

8.400 Quadratmeter soll er umfassen und höher werden als das Weiße Haus. Heißt auch: Wer vor einem solchen Koloss steht, ist eingeschüchtert. Kitsch gehört natürlich auch dazu, außen Säulen, innen Golddekor. Dass Kitsch und Tyrannei gern Hand in Hand gehen, kennt man ja aus der Geschichte von Palästen. Die Symbolwirkung der Machtarchitektur entfaltet sich unmittelbar, deshalb ist sie bei Autokraten so beliebt.

Der Ballsaal illustriert Trumps Methoden von der Einschüchterung bis zur Käuflichkeit. Trump betont dabei stets, das Projekt belaste keine Steuerzahler, es sei spendenfinanziert. Nun berichtet die New York Times, dass ein Stahlkonzern mit Sitz in Europa den Stahl für den Ballsaal gestiftet habe. So können Deals in Zeiten von Strafzöllen aussehen. Nur dürfte bei Stahl aus Europa selbst bei MAGA-Fans die Begeisterung für den „schönsten Ballsaal der Welt“ arg abflauen.

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Er brauche den Saal für feierliche Staatsbankette mit bis zu 1.000 Gästen, sagt Trump. Ganz so viele Staatenlenker fallen einem dann doch nicht ein, bei denen die Aussicht auf eine Audienz oder ein Tänzchen mit Trump für Feierlaune sorgt. Und plötzlich tauchen vor dem inneren Auge groteske Bilder auf, auf denen Trump, Orbán, Milei und Netanjahu zu YMCA performen.

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