Israelische Armee zerstört Jesus-Statue: Wenn ein Stück Holz mehr wert ist als ein Mensch

Der Vandalismus eines israelischen Soldaten im Südlibanon sorgt für so große Empörung, dass Netanjahu Konsequenzen verspricht. Das ist ein Symptom.

D ie Welle der Empörung ist so groß, dass sich Israels Premier Benjamin Netanjahu persönlich bemüht sah, die Wogen zu glätten. Er zeigte sich auf X „fassungslos und traurig“ über den Vorfall und kündigte „harte Maßnahmen“ gegen jenen israelischen Soldaten an, der im Süden des Libanon ein Kruzifix niedergerissen und mit einem großen Hammer den Kopf einer Jesus-Figur zertrümmert hat. Ein Foto dieser Szene ging weltweit viral und sorgte in vielen christlich geprägten Ländern, von Polen bis zu den USA, für Entsetzen.

Das ist bemerkenswert: Die israelische Armee hat, seit sie ihre jüngste Offensive begann, mehr als eine Million Menschen aus dem Südlibanon vertrieben und die Region vom Rest des Landes abgeschnitten. Sie hat die Hauptstadt Beirut bombardiert und mehr als 2.200 Menschen getötet, darunter Kinder, Sanitäter und Journalisten. Im Süden des Libanon wurde im März Pierre al-Raï, der wichtigste Priester der Region, von einer israelischen Granate getötet. Doch all das hat keinen vergleichbaren Sturm der Empörung hervorgerufen wie dieser eine Fall von Vandalismus.

Dabei ist er nicht überraschend: In Jerusalem werden christliche Mönche und Pilger inzwischen regelmäßig von jüdischen Extremisten angespuckt, die Übergriffe auf Kirchen in Israel haben zugenommen. Das ist zwar kein Vergleich zu dem, was Muslime erdulden müssen: im Gazastreifen wurden über 100 Moscheen zerstört, extremistische Siedler greifen im Westjordanland immer wieder Moscheen an, die Besucher der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem werden schikaniert. Aber es fügt sich in einen Trend religiöser Intoleranz in Israel, der sich gegen alle Andersdenkenden und Andersgläubigen richtet. Die Kruzifix-Schändung ist nur ein Symptom für diese Entwicklung.

Netanjahus Entschuldigung ist aber auch symptomatisch. Der Premier versucht damit, die wachsende Entfremdung zwischen Israel und seinen wichtigsten Verbündeten zu kitten. Denn die Sympathien für Israel sind selbst in den USA stark zurückgegangen – sogar unter konservativen Christen und Evangelikalen, die noch die treuesten Freunde sind. Der symbolische Akt eines Soldaten im Südlibanon führt den christlichen Israel-Freunden nun vor Augen, dass ihre Liebe zu Israel nicht immer auf Gegenseitigkeit beruht. Das macht den Fall für Netanjahu so alarmierend.

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