D er neue Präsident des Reservistenverbandes Bastian Ernst forderte in einem Interview mit dem RND, die Altersgrenze für Reservist:innen von bisher 65 auf 70 Jahre anzuheben. Reservist:innen, oftmals ehemalige Bundeswehrsoldat:innen, ergänzen im Kriegsfall die aktiven Streitkräfte und sind auch für den Schutz der kritischen Infrastruktur verantwortlich. Für den Sommer plant das Verteidigungsministerium ein Reservestärkungsgesetz vorzulegen.
Danach gefragt, was darin stehen sollte, sagte der 39 Jahre alte CDU-Bundestagsabgeordnete, dass er eine Erhöhung der Altersgrenze für sinnvoll erachte, da das Renteneintrittsalter steige und die Menschen länger fit blieben.
„Und wenn wir auf Seite der Jungen ein Nachwuchsproblem beklagen, dann sollten wir an der anderen Seite der Alterspyramide ebenfalls nachbessern“, so Ernst. Er hält außerdem Bürokratieabbau und Digitalisierung für notwendig, denn man müsse mehr junge Leute erreichen, allen voran junge Frauen.
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Proaktiv erscheinen die Aussagen des neuen Präsidenten des Reservistenverbands vor dem Hintergrund, dass das Verteidigungsministerium sich bislang schlecht vorbereitet zeigte. Über viele Jahre sei eine Neuordnung des Reservistenwesens verschleppt worden, schreibt die FAZ.
Am Mittwoch möchte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nun ein neues Konzept für die Reserve vorstellen, auf dem das künftige Reservestärkungsgesetz beruhen soll. Dem Reservistenverband lag das Konzept wohl schon vor, im Gespräch mit der FAZ zeigte sich Ernsts Vorgänger Patrick Sensburg sehr verbittert darüber.
Die Strategie sei voller Redundanzen und erscheine „zumindest in Teilen so, als wäre sie mithilfe einer künstlichen Intelligenz erstellt worden.“ Der Reservistenverband komme darin nicht einmal vor. Ernsts Forderungen waren also ziemlich konstruktiv – vielleicht in der Hoffnung, das könnte das Verteidigungsministerium zu besseren Leistungen als bisher ermuntern.
Vernünftige Forderungen
Wichtig ist: Was Ernst fordert, ist überaus vernünftig. Wenn russische Drohnen Ziele in Deutschland ansteuern sollten, wer schießt sie dann ab? Am 15. April hatte das russische Verteidigungsministerium in einer Drohgebärde Adressen von europäischen Rüstungsfirmen veröffentlicht, darunter auch von deutschen. Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew schrieb auf X gewohnt aggressiv, es handele sich um eine Liste potenzieller Ziele, woraufhin die Bundesregierung den russischen Botschafter einbestellte.
Den Fall mysteriöser unbemannter Luftfahrzeuge über unserer kritischen Infrastruktur hatten wir bereits im vergangenen Herbst, doch in nur wenigen Fällen konnten sie vom Himmel geholt werden. Glücklicherweise handelte es sich nur um Überwachungs- und nicht um Angriffsdrohnen. Doch spätestens seitdem müsste allen klar sein, wie besorgniserregend die Lage ist.
Anders als die ewigen Debatten rund um die Wehrpflicht suggerieren mögen, handelt es sich bei der Verteidigung um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der sich auch Linke beteiligen sollten. Durch TikTok und deutsche Talkshows geisternde Influencer wie Ole Nymoen liegen vollkommen falsch, wenn sie meinen, es gehe hier um die Verteidigung „des“ – vermeintlich kriegstreiberischen – „Staates“.
Das ist ein Hirngespinst. Wer würde schon auf die Idee kommen, jemandem, der an einem Selbstverteidigungskurs teilnimmt, Gewaltbereitschaft zu unterstellen? Es geht hier darum, dass eine demokratische Gesellschaft sich im Ernstfall verteidigen können muss. Sonst hört sie schlicht auf zu existieren.
Es ist wichtig, dass es genügend engagierte Menschen – Junge und Ältere – gibt, die im Ernstfall Drohnen abschießen und andere Verteidigungsaufgaben, viele davon auch Schreibtischjobs im Hinterland, übernehmen können. Dafür würden ihnen auch alle, die sie zuvor bei Markus Lanz verspottet hatten, hoffentlich dankbar sein.







