
V atertag in Berlin. „Nieder mit dem Patriarchat“ ist zu lesen und „Wie gut kennst du deine Jungs?“. In Hamburg das gleiche Bild. Tausende demonstrieren gegen Gewalt an Frauen. In der Hauptstadt war ich dabei und merkte, dass dieser Anblick etwas mit mir macht: ein kleines bisschen Erleichterung.
Frauen protestieren von jeher gegen Gewalt, und meistens stehen sie und queere Menschen damit ziemlich allein da. Deshalb ist es wichtig, wenn Männer jetzt auf die Straße gehen. Nicht weil sie plötzlich die feministische Bewegung „retten“. Vielmehr zeigen diese Demonstrationen, dass jahrelanger feministischer Widerstand Wirkung zeigt. Frauen haben die Männer nicht „mitgenommen“: Sie haben Druck gemacht, waren immer wieder laut, nervig und konsequent, bis irgendwann auch manche Männer anerkennen mussten, dass Gewalt gegen Frauen eben kein „Frauenthema“ ist, sondern ein gesellschaftliches.
Und trotzdem reicht eine Demonstration noch lange nicht aus. Es reicht nicht, einmal im Jahr am Vatertag ein Schild hochzuhalten und danach wieder in den Alltag zurückzukehren, in dem sexistische Sprüche unkommentiert bleiben, Freunde ihre Freundinnen kontrollieren oder Gewalt relativiert wird. Männer müssen nicht nur gegen Gewalt demonstrieren, sie müssen andere Männer stoppen, und das genau dort, wo Gewaltkultur entsteht und geschützt wird: im Freundeskreis, im Büro, in der Familie – im Alltag.
Vielleicht liegt darin auch die eigentliche Hoffnung dieser Proteste: dass manche Männer langsam verstehen und aussprechen, dass Neutralität eben keine Neutralität ist. Dass ein „ich würde so was nie tun“ nicht genug ist in einer Gesellschaft, in der fast jeden Tag ein Mann versucht, seine (Ex-)Partnerin zu töten.
Ich habe oft das Gefühl, dass wir gesellschaftlich abstumpfen. Wieder ein Femizid, wieder Gewalt, wieder eine Frau tot … Die Nachrichten ziehen vorbei wie schlechtes Wetter. Aber dann sieht man die Bilder vom Vatertag und von Männern, die sich öffentlich gegen patriarchale Gewalt positionieren. Vielleicht bewegt sich ja doch etwas. Viel zu langsam, aber immerhin genug, um Hoffnung nicht komplett lächerlich wirken zu lassen. Aus Prinzip Hoffnung zu haben, bedeutet manchmal nicht, große Siege zu feiern, sondern kleine Verschiebungen ernst zu nehmen. Auch wenn sie längst überfällig sind.






