Weltmeisterschaft und Weltpolitik: Ein Trikot ist nicht das letzte Hemd

A ls der deutsche Bundeskanzler dem amerikanischen Präsidenten am Rande des G7-Gipfels ein Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft übergab, als er es ihm hinhielt wie ein unbeholfener Verkäufer, waren Spott und die Scham mal wieder XXL.

Ehrenlos!, hieß es, wie kann er sich nur so kleinmachen? Kritisiert wurde auch, dass Friedrich Merz die Bilder der Geschenkübergabe auf seinen Kanälen mit dem Satz garnierte: „After all, we are on the same team.“

Tatsächlich könnte die Nationalmannschaft einen energischeren Rechtsaußen vertragen, aber darum soll es hier nicht gehen. Denn diese Woche lief für Friedrich Merz ausnahmsweise ziemlich gut – was in der Häme über sein Geschenk beinahe unterging.

Da steht über allem das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran. Das Abkommen, unterzeichnet in Versailles, ist fatal für die USA und stärkt das iranische Terrorregime. Die Kriegsziele der USA, ein Regime-Change und ein Ende des Atomprogramms, wurden verfehlt. Für die Bundesregierung ist das Abkommen trotzdem ein Glück. Denn es hat direkte ökonomische und indirekte politische Folgen, von denen Deutschland profitieren könnte.

Vielleicht einfach nur eine peinliche Geste

Die direkte ökonomische Folge: Der Ölpreis sinkt, die Straße von Hormus ist befahrbar. Davon profitieren die Weltwirtschaft, aber auch Unternehmen und Menschen in Deutschland. Dass die Bundesregierung innenpolitisch so schlecht dasteht, dass die extreme Rechte in Umfragen so erfolgreich ist, liegt wesentlich an den hohen Preisen, der Verunsicherung und dem Gefühl, dass es bergab geht. Sollte das Abkommen halten, die Preise in den Supermärkten und an den Tankstellen sinken und die Wirtschaft so wachsen, wie es sich vor Beginn des Irankriegs abzeichnete, wäre das wohl das beste Mittel, um die Regierung zu stabilisieren und die Umfrageerfolge der extrem Rechten einzudämmen.

Eine weitere Folge könnte die Stärkung Europas sein. Das Abkommen mit Iran zeigt, dass sich Großmächte nicht die Welt unterwerfen können, wie es ihnen gefällt. USA und Israel haben ihre Ziele nicht erreicht. Das stärkt jene Staaten des Westens, die auf Verhandlungen, auf ein gemeinsames Vorgehen und Regeln setzen.

Zeitgleich, und das ist die andere gute Nachricht für Friedrich Merz in dieser Woche, wird deutlich wie nie, dass auch Russlands Krieg in der Ukraine nicht erfolgreich ist. Die Ukraine hat die russische Hauptstadt angegriffen, eine Ölraffinerie wurde getroffen. Die Bewohner Moskaus müssten im Wortsinne die Augen verschließen, wenn sie die Rauchschwaden und diesen Krieg weiterhin ignorieren wollten. Und in den russisch besetzten Gebieten wird schon das Benzin knapp.

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Friedrich Merz und seine Verbündeten haben es vermieden, Trump sein schlechtes Abkommen mit Iran unter die Nase zu reiben. Sie haben sogar ihre Bereitschaft für eine Minenräumungsmission in der Straße von Hormus bekräftigt; auch wenn nicht absehbar ist, ob es dazu kommt, ob es ein UN-Mandat und eine Mehrheit im Bundestag dafür geben wird.

Aber die Bundesregierung hat die Bereitschaft signalisiert, den USA zu helfen, aus dem selbst angerichteten Schlamassel herauszukommen. Sie tut das nicht aus Selbstlosigkeit, sondern weil sie Trump nun in der Ukrainefrage unter Druck setzen kann. Trumps Verteidigungsminister mag zwar mit dem Abzug der Truppen aus Europa drohen. Aber das ist eine leere Geste. Die USA brauchen ihre Soldaten in Deutschland.

Das Geschenk für Trump mag eine peinliche Geste gewesen sein. Aber Deutschland und Europa sind nach dieser Woche selbstbewusster und stärker, als es dieses Bild vermittelt.

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