Verbrecher des Assad-Regimes: Folter-General Wassim al-Assad vor Gericht

Er prahlte mit Reichtum und Gewalt, schamlos ließ er Dissidenten verprügeln und foltern, fühlte sich unangreifbar. Nun sitzt er in gestreifter Häftlingsrobe auf der Anklagebank. Ein Zeichen, dass die Verbrecher des Assad-Regimes nun in Syrien zur Rechenschaft gezogen werden.

Wassim Badia al-Assad ist der Cousin des Ex-Machthabers Baschar al-Assad. Die beiden teilen die Liebe für Luxuskarren und den Geburtsort Qardaha, etwa 30 Kilometer von Latakia entfernt, in Nordwestsyrien. Dort wurde Wassim al-Assad am 18. Juli 1980 geboren. Seinem Cousin erwies er immer eiserne Loyalität. Er organisierte Unterstützungscamps, finanzierte regimetreue Sänger, trug bei inszenierten Gefechten Militäruniformen und schloss sich später dem von Russland unterstützten „Fünften Korps“ an.

Wassim al-Assad beschrieb sich als Businessmann und prahlte gerne mit seinem Nachnamen und seinen Verbindungen. Doch dahinter steckten schmutzige Geschäfte. Er selbst postete Fotos von sich auf Facebook vor teuren Autos, goldenen Waffen, Champagnerfeten oder in der Hotellobby mit einem libanesischen Drogenboss, unter das er schrieb: „beste Freunde“. All das, während das Regime die Menschen folterte, bombardierte und verhungern ließ.

Der Captagonhandel war die Lebensader des Regimes

Sein Geld machte Wassim Assad mit der Aufputschdroge Captagon. Ihm gehörte die Transport-Firma Assad-al-Sahel, und er war verantwortlich für die Zollabfertigung – das ermöglichte ihm den Verkauf von Captagon ins Ausland. Der Captagonhandel war nicht nur ein reges Geschäft unter dem alten Regime, es war quasi dessen Lebensader.

Die Assad-Regierung und verbündete Milizen wie die Hisbollah im Libanon übernahmen die Captagon-Produktion von kleinen kriminellen Gruppen. Das milliardenschwere Geschäft wurde zur Haupteinnahmequelle. Die Behörden der neuen Übergangsregierung zählten in den ersten zwei Monaten neun riesige Produktionsanlagen und Bestände von großen Mengen Captagon-Tabletten.

Häufig soll Wassim al-Assad sich öffentlich damit gebrüstet haben, Gewalt gegen Oppositionelle angewendet zu haben. Sieben Tage vor dem Sturz des Assad-Regimes kündigte er auf seiner Facebook-Seite noch an, „Spezialeinheiten“ zu gründen, die gegen die Opposition kämpften. Er dachte, die Macht der Familie Assad sei unantastbar. Ein Fehler.

Entgegen seinem Cousin Baschar und weiteren Familienmitgliedern floh Wassim al-Assad nicht nach Russland – sondern in den Libanon. Dann überzeugte ihn ein Kontakt davon, dass ein korrupter Offizier ihm bei der Rückkehr helfen würde. Mit gefälschten Dokumenten kam er wieder ins Land. Doch das Fahrzeug war mit Peilsendern ausgestattet, sein vertrauter Kontakt war in Wahrheit ein Doppelagent. Wassim saß in der Falle.

Am frühen Morgen des 15. Juni – nachdem Wassim al-Assad noch verstecktes Gold auf einem verlassenen Bauernhof eingepackt hatte – sperrten Polizei und Sicherheitsbeamte die Zufahrtswege und nahmen Wassim Assad fest. Die geheime Operation „Angriff schwarzes Gold“ hatten der neue Geheimdienst und das Innenministerium monatelang geplant.

Im Justizpalast in Damaskus begann am Mittwoch die erste Anhörung. Wassim al-Assad ist nicht nur wegen Korruption und Drogengeschäften angeklagt. Er soll auch Kidnappings und Folter zu verantworten haben. Er gründete und befehligte Kampfgruppen der vierten Division des Militärs, versorgte sie mit Waffen und Geld. Er führte paramilitärische Gruppen, sogenannte Schabiha, die friedliche Proteste im Jahr 2011 niederschlugen und so die angestrebte Revolution unterdrückten. Er wird für die Tötung von Zi­vi­lis­t*in­nen in Jaramana bei Damaskus verantwortlich gemacht, ebenso wie für die Bewaffnung von Milizen im Gebiet Mleiha.

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