Männer-Manifest der Grünen: Die Soja-Sören-Sackgasse

D as Männer-Manifest der Grünen macht gerade im Netz die Runde. Zunächst lag es nur dem Spiegel vor, dann veröffentlichte der Focus es in Gänze. Unterzeichnet von neun Männern und vier Frauen, darunter die Parteivorsitzende Franziska Brantner sowie Ricarda Lang, kreist es inhaltlich um die Frage, was Männlichkeit abseits von Gewalt, Dominanz oder Unterdrückung bedeuten könne. Der Text möchte zu einem offenen Brainstorming einladen und ein Vakuum füllen, wobei nach solchen Phrasen in dem Manifest unklar bleibt, mit was genau. This does not smell like teen spirit.

Schaut man sich die Wählerwanderung der 18- bis 24-Jährigen, also von denen, die 2021 noch den Grünen und der FDP ihre Stimme gegeben haben, dann sieht man, dass junge Frauen jetzt eher links und junge Männer eher rechts wählen. Der Grund dafür ist, dass die Parteien ihre Versprechen, sich für bessere Bildung, Digitalisierung und junge Themen einzusetzen, nicht eingelöst haben und auch jetzt in der Opposition zu wenig Haltung spürbar ist.

Geschweige denn können sie der jungen Generation in Zeiten des sozialen Abbaus, der Jugendarbeitslosigkeit und von Kriegen eine Orientierung geben. Gesellschaftliche Unsicherheiten führen zusätzlich, dass sich Menschen an dem festhalten, was ihnen Halt gibt: Nation, Religion oder eben das Geschlecht. Was soll also ein Teenager, der versucht, ein guter Mann zu werden, machen? Parteichef Felix Banaszak versuchte sich im Playboy an einer Definition: „Du kannst im Fitnessstudio pumpen gehen oder dir die Fingernägel lackieren. Alles fein, der zentrale Punkt ist doch: Sei kein Arschloch!“

Wie die Gegenseite das Thema Männlichkeit bespielt, kann man seit vergangener Woche in einem Videointerview von „The Pioneer“ mit dem AfD-Politiker Maximilian Krah sehen. Dort konnte der Politiker und SS-Versteher, gegen den wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Geldwäsche im Zusammenhang mit chinesischen Zahlungen ermittelt wird, ausführlich die Social-Media-Strategie seiner Tiktok-Polemik „Echte Männer sind rechts“ ausrollen.

Was Krah schafft

Denn Krah gibt dem jungen Mann schon seit Jahren eine simple Orientierung: Sport machen, anecken, Verantwortung übernehmen. „Dann klappt es mit der Freundin.“ Bei „The Pioneer“ betont er noch einmal, dass ihm „AMG-Erkans lieber sind als Soja-Sörens“. Krah schafft es, mit Life-Coaching-Tipps einen Zugang zum Feed junger Männer zu finden, und spricht sogar junge Männer mit Migrationshintergrund an. Dabei hat die AfD, wie ein Blick auf ihr Wahlprogramm zeigt, jungen Männern (und auch Frauen) absolut gar nichts zu bieten.

Das brauchen sie anscheinend auch nicht, wenn es jetzt in diesem Fall die Grünen es ihnen leicht machen und mit ihrem Manifest versuchen, Krah zu kopieren. Dabei liegen sie aber hinter der AfD zurück. Und Orientierung im Leben geben sie dem „jungen Mann“, den sie zurückgewinnen wollen, auch noch nicht.

Wer als junger Mann merkt, dass er durch die Allgegenwärtigkeit pornografischer Inhalte im Internet ein ungesundes Verhältnis zu Frauen entwickelt und eine zerstörerische Pornosucht hat, findet im deutschsprachigen liberal-grünen Kosmos keine Exitstrategie aus der „Fapping Culture“, sondern landet in seinem Feed unweigerlich bei christlich- oder muslimisch-fundamentalistischen Content-Creatorn oder eben bei Krah, der auf Tiktok väterlich rät: „Schau keine Pornos.“ Jeder junge Mann, der sich für Fitness und gesunde Ernährung interessiert, landet eher auf Accounts, die einen schleichend in die rechte Manosphere abdriften lassen und ein seltsames Frauen- und Weltbild vermitteln wollen. Stichwort: gesunde Gottesnahrung.

In ihrem Manifest thematisieren die Grünen, dass Männer häufiger Suizid begehen und seltener über mentale Krisen reden. Doch als junger Mann kann man keine kostenlosen Therapieplätze herbeizaubern, die Politik aber eher schon. Jetzt kann man aber sogar zuschauen, wie CDU/CSU und SPD im Schnelldurchlauf an der Psychotherapie sparen wollen. Dass die Grünen mit einem Eilantrag beim Verfassungsgericht gegen die Gesundheitsreform vorgehen, ist ein Punkt, mit dem sie bei jungen Wähler:innen punkten könnten, falls sie dort Erfolg haben.

Junge Menschen wünschen sich keine Politiker:innen, die sich wie ein altgewordener Lasse Halisch verhalten, sondern Politiker:innen, die Konzepte einbringen und in den Ämtern, die sie haben, nicht zulassen, dass die Zukunft der Jugend kaputtgespart wird. Die solide Oppositionsarbeit leisten und Orientierung geben. Dann wird es auch was mit dem Brainstormen über Männlichkeit.

  • informationsspiegel

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