taz: Herr Oschlies, warum können Sie einen Vorschlag machen, wie das 1,5-Grad-Klimaziel noch zu erreichen wäre?
Andreas Oschlies: Wir beschäftigen uns schon seit 15 Jahren in einer Initiative von besorgten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen mit „climate engenieering“. Ich selber forsche seit 30 Jahren über das Klima und versuche, Optimismus zu bewahren.
taz: Und was ist Ihr Lösungsvorschlag?
Oschlies: Es geht um großteilige Eingriffe in das Klimasystem mit dem Ziel, das Klima in einem Rahmen zu halten, innerhalb dessen man gut leben könnte.
Andreas Oschlies
geb.1966, ist Professor für Marine Biogeochemische Modellierung an der Universität Kiel. Mit seiner Arbeitsgruppe entwickelt er Computermodelle zurBeschreibung physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse im Ozean, mit denen er die Auswirkungen natürlicher und durch den Menschen verursachter Klimaänderungen untersucht.
taz: Und das ist möglich?
Oschlies: Nicht nur möglich, sondern inzwischen auch notwendig, denn selbst wenn wir eine sehr ambitionierte Emissionsreduktion hätten, wäre der Bremsweg inzwischen zu kurz. Und es gibt schwer vermeidbare Emissionen. Das sind zum einen die Müllverbrennungsanlagen, die viel CO2 produzieren. Und das Gleiche gilt für die Zementproduktion. Wir können also die Emissionen nicht komplett auf null herunterfahren. Und null wäre erforderlich, um die Erwärmung zu stoppen.
taz: Das sind für Sie die beiden kritischen Faktoren, aber gibt es da nicht noch viel mehr?
Oschlies: Nein, alles andere können wir vermeiden. Und wir wissen auch genau, wie das geht. Bei der Energieproduktion müsste der Kohleausstieg sofort kommen. Wir müssten dann allerdings sehr viel in erneuerbare Energie investieren. Wir müssten bessere Stromnetze haben, um die Energie besser verteilen zu können. Und wir müssten intelligente Lösungen für die Speicherung von Energie finden. Aber ich denke, wir kommen alleine mit Wind, Solar, Geothermie sowie der Wasserkraft hin und brauchen zum Beispiel keine neuen Atomkraftwerke.
taz: Aber haben wir dafür noch genug Zeit?
Oschlies: Das ist vor allem ein gesellschaftliches Problem – zum Beispiel mit den vielen dafür nötigen Genehmigungsverfahren. Die demokratische Debatte, die wir ja alle wollen, ist mühsam und oft schmerzhaft, aber sie muss so schnell wie möglich geführt werden.
Außer Polen haben zurzeit alle europäischen Länder einen geringeren CO2-Ausstoß als Deutschland
taz: Ist das nicht ein spezielles Problem in Deutschland? Gibt es positive Gegenbeispiele?
Oschlies: Ja, in Norwegen liegen die Zulassungen von Elektroautos inzwischen bei 99 Prozent. Und in Dänemark haben sehr viele Häuser Wärmepumpen. Wir denken ja immer noch, wir sind hier vorbildlich. Aber außer Polen haben zurzeit alle europäischen Länder einen geringeren CO2-Ausstoß als Deutschland.
taz: Gibt es auch lokale Lösungen?
Oschlies: Ja, ein gutes Beispiel dafür ist Paris, wo unter der Bürgermeisterin Anne Hidalgo die Stadt in wenigen Jahren umgekrempelt wurde. Da gibt es hohe Parkgebühren, viele verkehrsberuhigte Zonen und Parkplatzverbote für Autos mit Verbrennungsmotoren. Das war ein schmerzhafter Prozess mit vielen Demonstrationen und blockierten Autobahnen. Aber in Paris gibt es jetzt viel weniger Autos und dafür mehr Fahrradstraßen.
Wie wir das 1,5 Grad-Ziel noch erreichen könnten, Mi, 26.08., 19:30 Uhr, Bürgerhaus Kronshagen, Kopperpahler Allee 69
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taz: Und woran forschen Sie selber gerade?
Oschlies: Unser Hauptforschungsgebiet ist es, zu untersuchen, wie man CO2 wieder aus der Atmosphäre herausholen kann. Wir könnten etwa Bäume wachsen lassen, die über die Photosynthese aus CO2 Holz machen. Aber das Potenzial davon ist sehr klein. Darum brauchen wir noch weitere technische Methoden.
taz: Und wie soll das gehen?
Oschlies: Es gibt industrielle CO2-Absorber, die das über chemische Katalysatoren machen und jetzt schon in U-Booten oder Raumfähren zum Einsatz kommen, weil da die Atemluft gereinigt werden muss. Die könnte man auch in die Atmosphäre stellen, aber dafür wäre heute noch der Energiebedarf viel zu hoch.






