
I n der letzten Woche war ich in Berlin. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, schließlich befinden sich meine Arbeitgeber ja auch dort. Aber diesmal war ich noch aus anderen Gründen da – ich habe mir ein Tischtennisturnier der internationalen Spielart angeschaut. WTT Feeder nennt sich das, es ist unter den kompliziert anmutenden Turnierformaten auf Weltebene die unterste Kategorie, ungefähr einem Challenger-Turnier im Tennis entsprechend (okay, das ist wiederum kompliziert).
Jedenfalls bedeutet das, dass hier nicht die oberste Weltspitze antritt, sondern eher ein paar Ausgesuchte, die was wettzumachen haben (im Fall von Berlin: die späte Siegerin Nina Mittelham), noch oder wieder den Anschluss suchen oder ein Versprechen sind (wie die Finalisten bei den Männern – echte Jungs, nicht älter als 18). Es bedeutet auch, dass das Format vorgegeben ist, vom WTT, der Agentur des Weltverbands, und lokal ausgerichtet wird, hier vom ttc eastside Berlin.
Die Frage, die sich dabei stellt, ist: Wer bezahlt das alles? Auf der einen Seite wohl das WTT, das World Table Tennis, das vermutlich über obskure Geldquellen verfügt oder von den TT-Boom-Nationen aus Asien profitieren kann. Konkret sah das in Berlin nämlich so aus: Technisch war alles auf höchstem Niveau, Kameras, Übertragung, Umsetzung. Die Teilnehmenden hatten Trainingsplätze und Hotelzimmer – die sie allerdings „in Vorleistung“ selbst bezahlen mussten. Es gab Preise, Dotierungen. Es gab Volunteers, Hallensprecher, Betreuer usw.; allein für den technischen Aufwand saßen mindestens acht Leute da.
Normalerweise gibt es Bezahlsender, die für Teilübertragung bezahlen, bei „Feedern“ aber nicht, da ist alles frei verfügbar über Youtube, als wenn noch Corona wäre; mit anderen Worten: Wer die Spiele sehen will, muss nicht aus dem Haus, schon gar nicht nach Berlin fahren. Ergibt Sinn, wenn man bedenkt, wo es stattfindet: irgendwo im Nichts zwischen Berlin-Friedrichshain und Prenzlauer Berg, ungefähr da, wo noch die DDR ein Raumschiff in den Boden gebaut hat und das ein Sportzentrum nannte – Schwimmhalle und Velodrom. Der Eintritt selbst war okay, bezahlt aber ganz bestimmt nicht das Event.
Wie bei einem Kreisligaspiel im Fußball
Es hatte natürlich auch Charme da in der Heysestraße, es war niederschwellig. Gleichsam war das Turnier am Finaltag ungefähr so gut besucht wie ein random Kreisligaspiel im Fußball. Was aus mehrerer Hinsicht schade ist: Tischtennis boomt, so heißt es oft, Tischtennis hat Potenzial, krankt aber eben daran, dass es oft noch, gerade in Deutschland, stiefmütterlich behandelt und nach außen bieder vertreten wird.
Es gab Zapfkaffee und Kuchen für 1,50 Euro, die Schiedsrichter, die ja auch anreisen und beunterkunftet werden müssen, wirkten wie immer gleichzeitig verklemmt und sadistisch; in den Phasen, in denen die immer gleiche Technomusik Pause machte, also während der Spiele, rauschten die Boxen, als ob es draußen regnete.
In den freien Stunden zwischen den „Sessions“ konnte man sich um die Ecke einen Döner holen oder mit der Tram wohin fahren, wo es etwas Besseres zu essen gab. Berlin, die arm-sexy Hauptstadt, musste insbesondere auf die Profis, die sich mal heraustrauten, hier wie eine x-beliebige Unort-Transit-Stadt auf dem Mond wirken. Ein paar Straßenbahnhaltestellen weiter machte unterdessen „Ding Dong Ping Pong“, ein Start-up zum Mitspielen, seinen zweiten Tischtennisladen auf.
Gut, es war das erste Mal und man kann es auch positiv wenden: Es gibt ordentlich Luft nach oben. Es wartet eine gleichermaßen funky und erfolgreiche Zukunft aufs Tischtennis. Man muss sie nur wollen.






