Kürzungen im EU-Haushalt: Schräge Prioritäten

Viel weniger Geld soll aus dem Bundeshaushalt an die EU fließen als an die Nato. Die Sparpläne der „Geizigen“ sind Gift für das europäische Bündnis.

B undeskanzler Friedrich Merz hat sich für den Herbst viel vorgenommen. Er will nicht nur Deutschland reformieren, sondern auch die EU neu aufstellen. Unabhängiger, wettbewerbsfähiger und sogar kriegstauglich soll die EU werden – unter deutscher Führung. Doch sein Vorstoß zum künftigen EU-Budget passt nicht zu den hochfliegenden Ambitionen.

Um mehrere hundert Milliarden Euro müsse der Vorschlag der EU-Kommission für die Jahre 2028-34 gekürzt werden, so Merz nach einem Treffen mehrerer Nettozahler in Berlin. Der „Gipfel der Geizigen“ verlangt massive Einschnitte. Überraschend kommt das nicht. Deutschland hat sich immer wieder auf die Seite der Sparsamen geschlagen. Doch wer führen will, sollte auch bereit sein, dafür zahlen. Merz hat das wohl vergessen.

Anders als bei der Nato, wo er eine Erhöhung der Rüstungsausgaben forderte, prescht der Kanzler mit Kürzungsplänen für die EU vor. Das ist absurd, wenn man die Dimensionen vergleicht: Für die Nato will Deutschland 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zahlen, für die EU nicht einmal 1,26 Prozent! Die Prioritäten des Kanzlers sind deutlich verrutscht.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

taz debatte

=”” div=””>

Unmut droht ihm dafür nicht nur von Seiten der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzte sich für ein höheres EU-Budget ein und brachte sogar neue Schulden ins Gespräch. Davon will der Bundeskanzler wiederum nichts hören, obschon die EU erst auf sein Drängen gerade neue Schulden für die Ukraine aufgenommen hat.

Der „Gipfel der Geizigen“ könnte die EU spalten. Ein Gutes hat der Vorstoß des Kanzlers aber vielleicht doch: Die roten Linien sind klar. Das ist wichtig – denn ohne die Nettozahler oder gar gegen Deutschland wird es kein EU-Budget geben. Europa muss sich auf dauerhaft knappe Kassen einstellen. Merz hat die Grenzen des Machbaren abgesteckt – aber auch die Grenzen der Solidarität. Sie sind verdammt eng, der neue deutsche Egoismus ist nicht mehr zu übersehen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit “Alles beginnt im Zentrum”. Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion.

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Berlins Verkehrssenatorin gegen Poller: Ein unverhohlener Aufruf zum Gesetzesbruch
    • August 30, 2026

    Ute Bonde (CDU) will den Bezirken das Aufstellen von Pollern verbieten. Oder sie gar wieder abräumen. Dabei zwingen sie Autofahrer, die Regeln einzuhalten. mehr…

    Weiterlesen
    Versteckte Kamera: Sauer macht lustig
    • August 30, 2026

    Die Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ versteckt seit Jahrzehnten Kameras und veräppelt Leute. Unser Kolumnist fragt sich, wie man andere dafür anmeldet. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Berlins Verkehrssenatorin gegen Poller: Ein unverhohlener Aufruf zum Gesetzesbruch

    • 2 views
    Berlins Verkehrssenatorin gegen Poller: Ein unverhohlener Aufruf zum Gesetzesbruch

    Versteckte Kamera: Sauer macht lustig

    • 2 views
    Versteckte Kamera: Sauer macht lustig

    Pogačar stürzt bei Spanien-Rundfahrt: Großes Rätselraten

    • 2 views
    Pogačar stürzt bei Spanien-Rundfahrt: Großes Rätselraten

    Aktivistin über IT-Souveränität: „Abhängigkeit von den Tech-Konzernen ist keine Notwendigkeit“

    • 2 views
    Aktivistin über IT-Souveränität: „Abhängigkeit von den Tech-Konzernen ist keine Notwendigkeit“

    Colonia Dignidad: „Sprecht endlich und packt aus!“

    • 3 views
    Colonia Dignidad: „Sprecht endlich und packt aus!“

    Börsengang von Shein: Der schöne Schein in der Altkleidertonne

    • 2 views
    Börsengang von Shein: Der schöne Schein in der Altkleidertonne